Es gibt Dinge, die begleiten uns ein Leben lang, ohne dass wir einen Gedanken an sie verschwenden. Etwa die Sekunde. Sie ist, aus Sicht des Laien, das Mauerblümchen der Zeiteinheiten: Denn wie ihr Name besagt, kommt sie im zweiten, vermeintlich sekundären Rang hinter der Minute, die mit Stolz die erste Unterteilung der Stunde darstellt.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Diese Woche gebührt das Rampenlicht der Weltmedien aber der Sekunde. Die Internationale Konferenz für Maß und Gewicht (CGPM) tagt im französischen Versailles, unweit von ihrem Geschäftssitz, um eine historische Revision der kleinsten Zeiteinheit vorzunehmen.
- Dank geheimer Fotos: Polizei findet prall gefülltes Schatz-Grab
- Polen: Archäologen lösen 400 Jahre altes Rätsel um „Vampirfrau“
- Unterwasser-Archäologie: Wrack von legendärem U-Boot aus Zweitem Weltkrieg gefunden
- Kannibalismus: Archäologen machen schaurige Entdeckung in Jamestown-Kolonie
- Altes Ägypten: Krebsoperationen schon vor 4300 Jahren?
Laseroptik macht Sekunde ab 2030 deutlich präziser messbar
Physiker, Astronomen und andere Wissenschaftler haben am Donnerstag zwei bahnbrechende Änderungen beschlossen. Zum einen ist die Länge der Sekunde nicht mehr, wie seit 1967 üblich, per Mikrowellen-Atomuhr definiert, das heißt als 9.192.631.770 Schwingungsperioden des Cäsium-133-Atoms. Denn heute gibt es präzisere Messgeräte. Dank Laseroptik vermögen diese optischen Atomuhren die Sekunde ungefähr 100-mal genauer zu berechnen als die alten mit Mikrowellen. Dies nützt unter anderem der Telekommunikation; auch Satelliten-Navigation wird dadurch genauer. Die Neudefinierung der Sekunde soll allerdings nicht über Nacht erfolgen, sondern bis zum Jahr 2030, damit sich die Informatikbranche darauf einstellen kann.
Mehr zum Thema Wissenschaft
Mit Rücksicht auf die digitale Welt hat die Maß- und Gewichte-Konferenz am Donnerstag einen zweiten Beschluss gefasst – die Abschaffung der Schaltsekunde. Diese Korrekturmethode funktioniert im Kleinen wie ein Schaltjahr. Da die Erdrotation nicht absolut regelmäßig ist, sondern durch den Einfluss von Sonne und Mond gestört wird, muss die mit Atomuhren festgelegte Weltzeit seit 1972 alle paar Jahre daran angepasst werden, ohne dass die Erdenbürger etwas davon merken. Wenn sich die Drehbewegung der Erde beschleunigt, wird durchschnittlich alle zwei Jahre eine Sekunde gestrichen, sodass eine – einzige – Minute nur noch 59 Sekunden enthält; dreht sich die Erde dagegen langsamer, wie in den letzten Jahren beobachtet, wird eine Schaltsekunde beigefügt.
Das Problem: Solche Eingriffe können, so minimal sie auch sind, die Computersysteme empfindlich stören. Deshalb streicht die Versailler Konferenz die Schaltsekunden bis zum Mai 2027 aus ihrem Arsenal. Die 2016 eingefügte Schaltsekunde dürfte deshalb die letzte gewesen sein.
Lesen Sie auch
Atomzeit darf bis zu einer Stunde von der Erdrotation abweichen
Doch was soll die Schaltsekunden ersetzen? Die Versailler Konferenz meint: gar nichts. Die von Menschenhand geschaffene Atomzeit soll bis zu einer Stunde von der Erdrotation abweichen dürfen. Erst nach einer Diskrepanz von 3600 Sekunden, also einer Stunde, hätte eine Korrektur zu erfolgen.
Das soll nicht vor vielen Jahrhunderten nötig werden. Und auch dann wäre die Anpassung um eine Stunde nicht spürbarer als bei der Umstellung auf die Sommerzeit. Hand aufs Herz: Was ist schon eine Stunde in einem Jahrtausend? Und was erst eine mickrige Sekunde?








