Zusammenfassung
- Vor der Küste von Santa Marinella haben Archäologen spektakuläre Überreste entdeckt
- Die Anlage liegt nah an einem alten Heiligtum der Göttin Minerva
- Die spannendsten Infos zum antiken Fund
Nur anderthalb Meter Wasser trennen die Gegenwart von einer längst vergangenen Welt. Vor der Küste der italienischen Badeortschaft Santa Marinella, rund 50 Kilometer nördlich von Rom, haben Archäologen mächtige Steinblöcke entdeckt. Sie könnten zu einem etruskischen Hafen gehören, der vor mehr als 2300 Jahren angelegt wurde. Besonders bemerkenswert: Nur rund 130 Meter entfernt liegt ein antikes Heiligtum der Göttin Minerva.

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Was auf dem Meeresgrund zunächst wie eine Ansammlung von Steinen aussieht, könnte sich bei genauerer Betrachtung als außergewöhnliche archäologische Entdeckung erweisen. Rund 90 Meter von der heutigen Küstenlinie entfernt fanden Unterwasserarchäologen zwei größere Komplexe aus bearbeiteten Kalksteinblöcken.
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Italien: Antiker Fund weist auf Hafenanlage hin
Die Anordnung der Steine spricht nach Einschätzung der Forscher dafür, dass es sich nicht lediglich um einen einfachen Anlegeplatz gehandelt haben könnte. Vielmehr deutet die Struktur auf eine Hafenanlage hin.
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Teilweise bilden die Steinblöcke zwei parallele Reihen entlang der Küste. Zusammen mit weiteren Strukturen ergibt sich eine L-förmige Anlage, die vermutlich ein geschütztes Becken von etwa 3000 Quadratmetern umschloss. Der längste Abschnitt des mutmaßlichen Kais ist mehr als 60 Meter lang und stellenweise über fünf Meter breit. Damit hätten dort mehrere Boote gleichzeitig anlegen können.
Auffällig ist zudem ein kleiner Kanal innerhalb der Anlage. Er verband das geschützte Becken mit dem offenen Meer. Nach Einschätzung der Forscher könnte er für die Wasserzirkulation wichtig gewesen sein und verhindert haben, dass sich zu viel Sand und Sediment im Hafen ablagerte.
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Hafen und Heiligtum lagen dicht beieinander
Noch interessanter wird der Fund durch seine Lage. Nur etwa 130 Meter von der Unterwasseranlage entfernt befindet sich ein etruskisches Heiligtum, das im 6. Jahrhundert vor Christus gegründet wurde und der Göttin Minerva geweiht war. Auch die Ausrichtung des Heiligtums könnte für einen Zusammenhang sprechen. Sein Zugang war offenbar zum Meer und damit in Richtung des möglichen Hafens ausgerichtet. Die Forscher halten deshalb eine Verbindung zwischen beiden Anlagen für möglich.
Demnach könnte ein Seefahrer vom Meer aus in das geschützte Hafenbecken eingefahren sein, dort sein Boot verlassen und anschließend zum Heiligtum hinaufgestiegen sein. Zwischen dem Hafen und dem Heiligtum lagen lediglich etwa acht bis neun Höhenmeter. Sollte sich diese Verbindung bestätigen, wäre der Fund archäologisch besonders bedeutsam. Er könnte zeigen, wie eng Seefahrt und religiöses Leben bei den Etruskern miteinander verbunden waren.
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Wie alt ist der Hafen?
Bei der Datierung bleiben die Wissenschaftler vorsichtig. Nach derzeitiger Einschätzung könnte die Anlage zwischen dem späten 4. und frühen 3. Jahrhundert vor Christus entstanden sein. Das Heiligtum selbst ist deutlich älter und geht auf das 6. Jahrhundert vor Christus zurück.
Die Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen wurden im „Journal of Cultural Heritage“ veröffentlicht. Von der ursprünglichen Hafenanlage ist heute allerdings nur ein Teil erhalten. Viele der Steinblöcke fehlen oder wurden verschoben. Vermutlich wurden sie in späteren Jahrhunderten abgetragen und als Baumaterial wiederverwendet.
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Alte Steine erzählen eine zweite Geschichte
Auch an Land gibt es Hinweise darauf. Im Bereich des Heiligtums und einer späteren römischen Villa wurden Steinblöcke gefunden, die in Größe und Eigenschaften zu den Steinen der Unterwasseranlage passen. Damit könnte sich eine weitere Geschichte des Hafens erzählen lassen: Er wurde möglicherweise nicht durch ein einzelnes Ereignis zerstört, sondern über Jahrhunderte hinweg Stück für Stück abgetragen. Seine Bauteile könnten anschließend an anderer Stelle wiederverwendet worden sein.
Die Entdeckung ist vor allem deshalb bedeutsam, weil konkrete Überreste etruskischer Hafenanlagen selten sind. Die Küste nördlich von Rom ist zwar reich an römischen Unterwasserfunden, doch Zeugnisse etruskischer Hafeninfrastruktur sind deutlich schwieriger nachzuweisen. Erosion, Veränderungen der Küstenlinie, der steigende Meeresspiegel und die Wiederverwendung alter Bauteile haben viele Spuren verschwinden lassen. Der Fund vor Santa Marinella könnte deshalb einen seltenen Einblick in die maritime Welt der Etrusker ermöglichen.








