Bereits 2008 wurde die Fundstelle mit mehreren Brunnen in der Nähe einer römischen Nekropole im kroatischen Osijek archäologisch untersucht. Die dort befindliche antike Stadt Mursa wurde im Jahr 133 n. Chr. unter Kaiser Hadrian gegründet und gehörte zur römischen Provinz Pannonien. Im Rahmen der jüngsten Forschungen analysierten Wissenschaftler die Skelette aus dem Massengrab erneut. Die Ergebnisse liefern dabei Hinweise auf eine Erkrankung, die möglicherweise mit den Todesumständen der Toten in Verbindung steht.
Bestattung im Brunnen: Römische Skelette werfen Fragen auf
Die archäologische Fundstätte der römischen Stadt Mursa konnte bislang nur teilweise erschlossen werden, da sich ein großer Teil der antiken Siedlung unter dem heutigen Osijek in Kroatien befindet. Dennoch haben Ausgrabungen in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Funde zutage gefördert. Dazu gehört eine Vielzahl stillgelegter Brunnen aus der Römerzeit, die ursprünglich zur Wasserversorgung angelegt worden waren.
„Im Grunde nutzten sie diese ausgetrockneten Brunnen einfach dazu, Menschen hineinzuwerfen, entweder nach Schlachten oder aufgrund von Epidemien“, erklärte Mario Novak, Bioarchäologe am Institut für Archäologische Forschung in Zagreb. Seine neuesten Forschungsergebnisse, über die „Live Science“ berichtet, stellte Novak auf der 25. Tagung der European Paleopathology Association in Berlin vor.
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Für die aktuelle Untersuchung analysierte sein Team 43 Skelette erneut, die in den Brunnen bestattet worden waren. Unter den Verstorbenen befanden sich Erwachsene und Kinder beider Geschlechter. Auffällige Verletzungsspuren konnten nicht festgestellt werden. Die Wissenschaftler schließen daher aus, dass es sich bei diesen Individuen um unmittelbare Opfer einer Schlacht handelte.

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Damit unterscheiden sich die Funde deutlich von vergleichbaren Befunden, die Novak und sein Team zuvor untersucht hatten. In zwei weiteren Brunnen entdeckten die Forscher zahlreiche Skelette junger Männer, die zum Zeitpunkt ihres Todes deutliche Verletzungen durch Gewalteinwirkung aufwiesen. Nach Einschätzung der Wissenschaftler könnten diese Männer an der Schlacht von Mursa im Jahr 260 beteiligt gewesen sein.
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Handelt es sich um Opfer einer tödlichen Krankheit?
Da es sich bei den bestatteten Menschen offenbar um einen repräsentativen Querschnitt der römischen Bevölkerung handelt, verfolgen die Forscher eine andere Erklärung. Sie vermuten, dass die Menschen möglicherweise einer Epidemie zum Opfer gefallen sein könnten. Historische Quellen aus dem 3. Jahrhundert berichten von einer weitreichenden Seuche, die heute als Cyprianische Pest bezeichnet wird. Sie breitete sich zwischen etwa 250 und 270 n. Chr. in weiten Teilen des Mittelmeerraums und des Römischen Reiches aus. Zu den prominenten Opfern sollen auch die römischen Kaiser Hostilian im Jahr 251 n. Chr. und Claudius II. Gothicus im Jahr 270 n. Chr. gehört haben.
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Historischen Berichten zufolge trat die Krankheit zunächst unter römischen Soldaten entlang der Donau auf, bevor sie sich in weitere Teile des Reiches ausbreitete. Als mögliche Ursachen werden unter anderem hämorrhagisches Fieber und Pocken diskutiert. Die untersuchten Skelette liefern bislang jedoch keine eindeutigen Hinweise auf die konkrete Todesursache. Festgestellt wurden unter anderem Spuren von Tuberkulose und Skorbut sowie weit verbreitete Erkrankungen wie Wirbelsäulenarthrose und Karies. Noch ausstehende DNA-Untersuchungen könnten zusätzliche Hinweise liefern und möglicherweise klären, ob die Bestatteten tatsächlich Opfer der Cyprianischen Pest waren.









