Nicht mal ein Katastrophenfilm scheint es mit den Bildern, die derzeit aus Nepal an die Öffentlichkeit geraten, aufnehmen zu können: Während eine gigantische Schlammlawine heranrollt, rennen dutzende Menschen um ihr Leben und versuchen, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen – oft vergebens. Das einzige, was vielerorts noch bleibt, ist Verwüstung, Zerstörung und Tod.

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Nach der verheerenden Sturzflut am Mittwochmorgen an der Grenze zwischen Nepal und China werden noch immer Hunderte Menschen vermisst, mindestens 362 Todesopfer wurden bereits geborgen. Die Folgen der Katastrophe dürften sowohl Nepal als auch China noch auf Jahre beschäftigen. Antworten auf die dringlichsten Fragen:

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Wie konnte es zu der Sturzflut kommen?

Die genaue Ursache wird noch untersucht werden müssen. Bereits jetzt gibt es aber starke Indizien. Die US-Erdbebenwarte USGS hatte am Mittwochmorgen ein „seismisches“ Ereignis der Stärke 5,2 in der betroffenen Region Rasuwa gemeldet. Dabei habe es sich jedoch höchstwahrscheinlich nicht um ein Erdbeben, sondern um einen sogenannten Gletscherabbruch gehandelt, in dessen Folge Eis und Geröll abgebrochen seien. Dadurch habe sich der Fluss Lhende in Tibet in China aufgestaut. Als der „Damm“ schließlich brach, wurde innerhalb kürzester Zeit eine gewaltige Wassermenge freigesetzt und gemeinsam mit Geröll- und Erdmassen ins Tal hinabgespült.

Mehr Informationen zum Gletschersturz

Augenzeugen zeichnen ein beängstigendes Bild: „Gestern war der schlimmste Moment unseres Lebens. Viele von uns haben es rechtzeitig geschafft, sich in Sicherheit zu bringen – aber viele andere nicht“, sagte Suraj Silwal, Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Bidur, einer der am schlimmsten betroffenen Gemeinden, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Auch auf der chinesischen Seite wurden Menschen von den enormen Wassermassen überrascht.

Wie viele Menschen werden derzeit vermisst?

Nach Angabe der nepalesischen Tourismusbehörde ging man am Donnerstag von mindestens 1500 Vermissten aus. Darunter befinden sich mindestens 178 Touristen aus Indien, 65 Reisende aus den USA, 33 Briten und ein Schweizer. Zudem bestand kein Kontakt zu mindestens 34 Australiern. Ministerpräsident Anthony Albanese erklärte gegenüber australischen Medien: „Nepal ist ein Entwicklungsland. Es verfügt nicht über die Ressourcen, die in Australien für ein solches Ereignis zur Verfügung stünden. Daher ist die Informationsbeschaffung schwierig.“

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Sturzflut in Nepal: Gletscherabbruch, Klimawandel und Frühwarnsysteme
Im Krisenmodus
 

Unter den Überlebenden ist der Zollbeamte Omkar Joshi. Die Nacht zum Donnerstag hat er auf einem Hügel über der Stadt Timure nahe der Grenze zu Tibet ausgeharrt, bevor er gerettet wurde. Die ganze Stadt sei von der Sturzflut aus Schlamm, Geröll und Wasser vernichtet worden. „90 Prozent“ der Bewohner seien tot, sagt er: „Es ist ein riesiger Friedhof. Nur Sand und blutbeschmierte Kiesel sind noch übrig.“ Auch nepalesische Reiseveranstalter schlagen Alarm. Dutzende Unternehmen berichten, dass ganze Reisegruppen nach den Überschwemmungen nicht mehr erreichbar oder verschwunden sind. Weltweit starten Angehörige Aufrufe in den sozialen Medien, in denen sie um Hinweise auf ihre Liebsten hoffen.

Sind auch Deutsche unter den Vermissten?

Wie die nepalesische Tourismusbehörde bekannt gab, werden bis dato mindestens acht Deutsche vermisst. Genauere Informationen zum Alter oder den Herkunftsstädten wurden jedoch nicht bekannt gegeben.

Was ist über die Todesopfer bekannt?

Mindestens 270 Menschen starben infolge der Sturzflut. Aus welchen Ländern die Opfer stammen, blieb zunächst unklar.

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Wie gehen die Behörden vor Ort jetzt weiter vor?

Zunächst einmal stehen die Suche nach den Vermissten sowie die Bergung der Opfer im Vordergrund. Viele dürften verschüttet worden sein. Den Behörden in Nepal zufolge sind mehr als 7400 Retter im Einsatz. Ins Katastrophengebiet wurden zudem Generatoren, mobile Mobilfunkmasten, Medikamente, Zelte und andere Hilfsgüter geliefert.

Lesen Sie hier mehr über die Katastrophe in Nepal

Die Helfer haben dabei aber mit stark erschwerten Bedingungen zu kämpfen. In der abgelegenen Region des Himalajas ist die Infrastruktur äußerst fragil. Die Straßen sind eng und nur schwer befahrbar. Im Zuge der Katastrophe wurden wichtige Verbindungsstraßen und Brücken beschädigt, was die Bergungsarbeiten zusätzlich verkompliziert.

Drohen weitere Sturzfluten?

Auszuschließen ist das nicht. Chinas Behörden befürchten weitere Fluten. Auf nepalesischer Seite habe sich an einer Flussmündung infolge der Sturzflut ein Stausee gebildet. Es bestehe das Risiko eines Dammbruchs, berichtete das chinesische Staatsfernsehen unter Berufung auf das Ministerium für Wasserressourcen. In dem neuen See hätten sich bereits zwei Millionen Kubikmeter Wasser gesammelt, weitere drei Millionen Kubikmeter könnten hinzukommen. Die Behörden überwachten die Lage weiter und führten Berechnungen durch, hieß es. 

Die nepalesische Armee unterstützte die Katastrophenhelfer bei der Bergung von Verletzten und Toten.
Die nepalesische Armee unterstützte die Katastrophenhelfer bei der Bergung von Verletzten und Toten. © AFP | Handout

Wie reagiert die Politik?

Bereits kurz nach Bekanntwerden des Unglücks sagten die USA Nepal Hilfe in Form von Notunterkünften, frischem Wasser und anderen Hilfsgütern zu. Laut dem US‑Außenministerium beläuft sich die Katastrophenhilfe auf einen Wert von umgerechnet 430.000 Dollar. Auch die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen versprach den betroffenen Gebieten europäische Unterstützung.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Britta Haßelmann, sagte auf Anfrage dieser Redaktion: „Die furchtbare Sturzflut, die Nepal und auch Teile Tibets getroffen hat, ist eine schreckliche Tragödie. Stündlich wird die Katastrophe sichtbarer mit allen Folgen, was Todesopfer, Vermisste und zerstörte Städte, Dörfer und das Land angeht. Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer und der vielen Vermissten. Wir bangen auch mit den Angehörigen der deutschen und europäischen Touristen, deren Schicksal noch ungeklärt ist.“

Auch Ministerin Reem Alabali Radovan (SPD), Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, äußerte sich auf Anfrage: „Der Klimawandel verschärft die Risiken durch Extremwetter – in Nepal und vielen anderen Teilen der Welt, aber auch bei uns in Deutschland. Deshalb geht es nicht nur darum, Emissionen zu senken. Wir müssen Länder und Menschen auch dabei unterstützen, sich besser gegen die Folgen des Klimawandels zu schützen.“

mit afp/dpa