Der Vorfall ereignete sich am Dienstagnachmittag in der viel befahrenen Rue Sèze bei der Madeleine-Kirche. Wie so oft in Paris, wenn eine Radspur eine Fahrbahn kreuzt und dort zu Ende geht, gerieten ein Rad- und ein Autofahrer in lauten Streit, wer den Vortritt habe. Laut unbestätigten Berichten eskalierte die Lage, als der 24-jährige Radfahrer den Autofahrer durch das offene Autofenster schlug. Der Fahrer des Lieferwagens zückte darauf ein Messer und stach den Radfahrer in den Hals; dann raste er davon.

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Passanten notierten die Autonummer, und am Mittwochmorgen wurde der Täter verhaftet. Der verletzte Radfahrer verließ gleichentags die Notfallstation, da der Messerstich zum Glück weniger tief als angenommen war.
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Die Wogen der Empörung gingen trotzdem hoch. Fahrradvereine erinnern an einen Clash vor zwei Jahren im 8. Bezirk von Paris, wo ein entnervter SUV-Fahrer einen ihn angeblich blockierenden Fahrradfahrer – möglicherweise vorsätzlich – überfahren und getötet hatte. Im Internet hagelte es am Mittwoch Kritik an „Machos am Steuer“ und „jähzornigen Fahrern, die bereit zum Töten sind“.
Der Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire verurteilte die neuste Messerattacke und erklärte: „Die Straße muss wieder ein Ort des Respektes und der Sicherheit werden.“ Das klingt nach frommem Wunsch. Bei einer Erhebung vor einem Jahr erklärten 90 Prozent der befragten Radfahrer, sie seien in Paris schon Opfer einer Aggression durch Autofahrer geworden. Täglich kommt es in der Seine-Stadt zu schweren Unfällen, vor allem, wenn Laster oder Busse nach rechts abbiegen und die Fahrradfahrer im toten Winkel übersehen.
Allerdings verhalten sich auch die Fahrradfahrer selbst „gefährlich“, wenn nicht „aggressiv“, wie in den Sozialen Medien zu lesen war. 32 Prozent aller Fahrräder in Paris sind Leihfahrräder, und ihre Nutzer sind häufig unerfahren im Verkehr und unsicher auf dem Sattel. Wenn die neuen Radspuren, die die rotgrüne Regierung im Eiltempo erstellen lässt, an einer Kreuzung plötzlich enden, sind Unfälle programmiert.
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Rotlicht-Sonderregel macht Autofahrer sauer
Zudem erlaubt es ein neues Verkehrsschild den Radfahrern, ein Rotlicht zu überfahren, wenn sie den Autos den Vortritt belassen. Das macht die zum Warten gezwungenen Autofahrer wütend. In engen Einbahnstraßen wie der Rue de Sèze dürfen Radfahrer zudem die Gegenrichtung nehmen. Auswärtige Autofahrer sind davon oft überrascht.
In den Sozialen Medien liest man als Reaktion auf den Messerstich paradoxerweise, die Velofahrer fühlten sich dank der neuen Verkehrspolitik wie früher die Autofahrer: als „Könige der Straße“. Und zwar auch gegenüber Rollerfahrern oder Fußgängern.
Der Skatestar Tyshawn Jones wurde gefilmt, wie er in Paris auf einem Leihfahrrad unterwegs war – und von einem anderen Radfahrer per Fußtritt brutal umgestoßen wurde. „Warum haut mich ein unbekannter Typ einfach so um?“, fragte der Amerikaner in dem Video. Das sei unverzeihlich, lautet am Mittwoch ein Kommentar im Web: „Aber immerhin bringen Radfahrer keine anderen Verkehrsteilnehmer um.“










