Der Startschuss zu den französischen Präsidentschaftswahlen von Mai 2027 ist erfolgt: Mit Raphaël Glucksmann hat am Sonntagabend einer der wichtigsten Bewerber seine Kandidatur erklärt. Der 46-jährige Sozialdemokrat und EU-Anhänger gilt als Joker gegen die rechte Favoritin Marine Le Pen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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So spannend das Rennen um die Nachfolge von Präsident Emmanuel Macron wird: Das Interesse der Pariser Medien lag am Montagmorgen woanders – beim Rücktritt der bekanntesten Newsjournalistin Frankreichs, Léa Salamé. Die Moderatorin der Tagesschau von France 2 gab nur wenige Stunden nach Glucksmann via Instagram bekannt, sie werde bis zu den Wahlen im kommenden Mai das Abendjournal nicht mehr präsentieren. Es sei eine „schwierige Entscheidung“, sagte sie. Aber sie wolle Glucksmanns Gegnern keine Angriffsfläche bieten. Der Grund: Der frisch gebackene Kandidat ist ihr Lebenspartner.

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Frankreich: Glucksmann spart nicht an Israel-Kritik

Im Internet wogt die Debatte, ob die aus dem Libanon stammende, als integer geltende TV-Journalistin in der Ära der Frauenrechte ihren Job ihrem Politikermann opfern soll. Ähnliche Glamour-Paare hatte es in Paris schon öfter gegeben: Außenminister Bernard Kouchner mit der TV-Anchorwoman Christine Ockrent, Wirtschaftsminister Dominique Strauss-Kahn einst mit Starjournalistin Anne Sinclair, Präsident François Hollande damals mit Valérie Trierweiler. Letztere hatte 2011 bei der Illustrierten „Paris-Match“ auf die Abdeckung politischer Themen verzichten müssen.

Mélenchons Parteigänger schießen sich dennoch auf Glucksmann ein. Sie werfen ihm vor, er sei ein verkappter „Macronist“. Zudem weigere er sich, von einem „Genozid“ der Palästinenser zu sprechen. Glucksmann, der die linksökologische Partei Place Publique gründete, kritisiert Israel, auch wenn er von „Gemetzel“ anstelle von „Genozid“ spricht.

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Linke Uneinigkeit stärkt Le Pen im Präsidentschaftswahlkampf

Klare Worte findet er gegenüber Wladimir Putin, der von Mélenchonisten – wie übrigens auch von den Lepenisten – viel nachsichtiger behandelt wird. Dass die Reizthemen Israel, Ukraine und EU im französischen Präsidentschaftswahlkampf eine zentrale Rolle spielen, liegt auch an der Kandidatur von Glucksmann. Diese legt die geopolitische Nähe zwischen Le Pen und Mélenchon offen.

In einer Blitzumfrage von Montag erhält Glucksmann zehn Prozent Stimmen, wobei ihm seine Kandidaturerklärung Aufschwung verleihen dürfte. Mélenchon kommt nach einem stark mediatisierten Parteitreffen auf 16 Prozent. Damit führt er die Riege der Linkskandidaten an. Paradoxerweise hat er aber in der Stichwahl gegen die Favoritin Le Pen weniger Chancen als Glucksmann. Denn viele moderate Linkswähler wollen Mélenchon laut Wahlstudien auf keinen Fall ihre Stimme geben. „Wer Jean-Luc Mélenchon im ersten Durchgang die Stimme gibt, führt Le Pens Rassemblement National zum Sieg“, sagte Glucksmann.

Die Grünen könnten zudem Marine Tondelier, die Kommunisten Fabien Roussel aufstellen. Zusammen mit Mélenchon und einer Reihe Außenseiter könnte die Linke auf über ein Dutzend Bewerber kommen – mehr als das Mitte-Rechts-Lager. Die einzige Nutznießerin dieser Kandidatenschwemme wäre Le Pen.