Es ist eine der verheerendsten Waldbrandkatastrophen, die Spanien seit Jahrzehnten erlebt hat: Mindestens zwölf Menschen kamen in den Flammen ums Leben, die seit Donnerstagnachmittag in der Umgebung des südspanischen Ortes Los Gallardos in der andalusischen Provinz Almeria toben. Wenigstens 19 Menschen wurden am Freitag noch vermisst. Unter den Todesopfern sollen sich zahlreiche ausländische Touristen und Residenten befinden, vermutlich vor allem Briten.

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Die meisten Opfer wurden offenbar auf der Flucht von den Flammen eingeschlossen. Der andalusische Zivilschutzminister Antonio Sanz berichtete von einem „sehr schnellen Brand mit einer extrem hohen Ausbreitungsgeschwindigkeit“. Das Feuer habe sich in einem unübersichtlichen Berggebiet mit tiefen Schluchten und weit verstreuten Häusern ausgebreitet. Zudem gab es zahlreiche Verletzte, die zum Teil schwere Verbrennungen erlitten. Rund 1000 Einwohner und Urlauber mussten ihre Häuser und Ferienunterkünfte verlassen.

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Waldbrand in Andalusien erschwert Flucht und Rettungseinsätze

Das Feuer fraß sich vom tiefer gelegenen Ort Los Gallardos (3100 Einwohner) hinauf in das zerklüftete Bergland um das Dorf Bedar, das auf gut 400 Meter Höhe liegt. Tiefe Schluchten, trockene Flussbetten und steile Hänge erschwerten dort die Flucht und verhinderten vielerorts den Einsatz schwerer Fahrzeuge. Auch starker Wind erschwerte die Löscharbeiten. 

Das Feuer erfasste nach ersten Schätzungen ein Gebiet von mehr als 3150 Hektar – was etwa ebenso vielen Fußballfeldern entspricht. Annähernd 500 Feuerwehrleute und Soldaten kämpften gegen die Flammen. Mehrere Löschflugzeuge und Hubschrauber unterstützten die Helfer aus der Luft.

Waldbrand in Andalusien
Auf der Flucht vor den Flammen lassen einige Menschen ihr Leben.© Javi Carrión/EUROPA PRESS/dpa | Javi Carrión

Waldbrand in Bedar: Flucht über nicht ausgewiesene Route endet tödlich

Nachdem die Flammen immer näher an die Häuser des Ortes Bedar (950 Einwohner) rückten, versuchten einige Menschen, mit Autos oder zu Fuß das Brandgebiet zu verlassen. Sie nahmen aber nicht die von den Einsatzkräften ausgewiesene Fluchtroute, sondern fuhren über ein trockenes Flussbett und kleinere Wege. „Die Entscheidung, einen anderen Weg als die Evakuierungsroute zu nehmen, wurde für sie zur Falle“, sagte Sanz.

Vier Leichen wurden in einem ausgebrannten Auto gefunden. Weil sich das Lenkrad auf der rechten Seite befand, vermuten die Behörden, dass die Insassen aus Großbritannien stammten. In dem Ort hielten sich etliche britische Bürger auf, die hier ihren Urlaub verbrachten. Weitere Opfer hatten ihre Fahrzeuge während der Flucht verlassen und waren zu Fuß weitergegangen. Auch bei ihnen soll es sich überwiegend um Ausländer handeln. Eine offizielle Identifizierung stand zunächst noch aus. 

Der Brand gilt bereits jetzt als das tödlichste Feuer in Andalusien seit Beginn der Aufzeichnungen. Zivilschutzminister Sanz bezeichnete das Unglück als „beispiellose Tragödie“. „Der Schmerz ist unermesslich. Andalusien trauert, und unsere Herzen sind bei Almeria und allen Betroffenen.“

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Umgestürzter Strommast ist wohl Brandursache

Der Bürgermeister des ebenfalls von dem Waldbrand betroffenen Ortes Antas berichtete, das Feuer habe seine Gemeinde in der Nacht zum Freitag überrascht. Ein Teil der Dorfbewohner hatte in einem ehemaligen Kloster Schutz gesucht. „Wir hoffen, dass dieser verheerende Brand mithilfe des Militärs und der Löschflugzeuge bald unter Kontrolle gebracht werden kann“, sagte Rathauschef Pedro Ridao Zamora.

Der Bürgermeister von Los Gallardos, Francisco Miguel Reyes, sprach von „enormem Schmerz und großer Bestürzung“. Das Schlimmste sei, dass es Tote gibt. „Das erfüllt uns mit sehr großer Trauer.“

Der Ministerpräsident der vom Brand betroffenen Region Andalusien, Juan Manuel Moreno, sagte am Freitag, mögliche Ursache sei ein umgestürzter Strommast. „Alles deutet darauf hin – auch wenn dies noch untersucht werden muss –, dass der Brand durch den Fall einer Stromleitung ausgelöst wurde“, sagte der Regionalpräsident. In diesem Fall müsse geklärt werden, wer für deren Wartung verantwortlich gewesen sei.

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Waldbrand in Spanien: Königspaar und Premier zeigen sich bestürzt

Spaniens König Felipe VI. und Königin Letizia zeigten sich „zutiefst erschüttert über die Tragödie des Brandes von Los Gallardos“. Ihre Trauer gelte den Familien und Angehörigen der Todesopfer sowie allen Betroffenen. Auch der spanische Premier Pedro Sanchez äußerte „große Trauer und Bestürzung über die schrecklichen Folgen des Brandes“. Er sprach den Angehörigen der Toten sein Beileid aus.

Spanien leidet seit Tagen unter einer extremen Hitzewelle. In weiten Teilen des Landes stiegen die Temperaturen auf mehr als 40 Grad. Die ausgetrocknete Vegetation und der Wind begünstigen die rasche Ausbreitung der Flammen. Auch in anderen Regionen kämpfen die Feuerwehren gegen Waldbrände. In dem andalusischen Ort Benahavis bei Malaga mussten rund 1000 Bewohner und Feriengäste vorsorglich ihre Häuser verlassen. Geräumt wurden unter anderem eine Wohnanlage und ein Luxusferienkomplex. In Katalonien wurden mehrere Brände inzwischen unter Kontrolle gebracht oder stabilisiert.