Wer im Sommer mit dem Auto in Richtung Italien oder Südfrankreich unterwegs ist, muss sich künftig auf zusätzliche Kosten einstellen. Die Schweiz hat eine neue Abgabe für sogenannte Transitreisende beschlossen, die vor allem Urlauber betrifft, die das Land lediglich durchqueren.

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Grundlage ist ein Beschluss des Schweizer Parlaments. Die Durchfahrer ließen kein Geld im Land, verstopften nur die Straßen und verpesteten die Luft, hieß es in einer Parlamentsdebatte. Danach wird zusätzlich zur bestehenden Autobahnvignette eine weitere Gebühr fällig, wenn das Land ohne Übernachtung passiert wird. Der Nationalrat stimmte dem Vorhaben mit großer Mehrheit zu.
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Konkret kommen auf Reisende zusätzliche Kosten in Höhe von rund 21 Schweizer Franken pro Durchfahrt zu – umgerechnet etwa 23 Euro. Bislang ist für die Autobahnnutzung nur eine Jahresvignette für 40 Franken (knapp 44 Euro) nötig. Zusammen mit der bestehenden Vignette summieren sich die Ausgaben für eine einfache Passage durch die Schweiz damit auf umgerechnet knapp 70 Euro. In den Sommerferien oder an Ostern soll der Preis sogar noch steigen.
„Die Schweizer Maut ist im europäischen Vergleich extrem niedrig“, sagt Kevin Riehl, Dozent am Institut für Transportsysteme und Verkehrsplanung der Universität ETH in Zürich. Ob eine höhere Transitgebühr nötig sei, um den Verkehr besser zu verteilen, müsse getestet werden.
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Ziel: Verkehrssteuerung über die Alpen
Offiziell verfolgt die Schweiz mit der Maßnahme das Ziel, den Transitverkehr besser zu steuern. Anwohner ärgern sich über Blechkolonnen an Feiertagswochenenden und bei Ferienbeginn und -ende an den zwei wichtigsten Nord-Süd-Achsen: von Basel nach Chiasso durch den 16,9 Kilometer langen Gotthard-Straßentunnel oder von St. Margarethen nach Bellinzona durch den 6,6 Kilometer langen San-Bernardino-Tunnel. Vor Feiertagswochenenden wie Pfingsten und im Sommer staut sich der Verkehr oft kilometerlang.
Laut offiziellen Angaben handelt es sich bei einem erheblichen Teil des Verkehrs über die Alpen um reine Durchfahrten, die überwiegend von Urlaubern verursacht werden.
Die Überwachung der neuen Regel soll vollständig automatisiert erfolgen. Kameras erfassen dabei die Kennzeichen der Fahrzeuge sowohl bei der Einreise als auch beim Verlassen des Landes. Wird keine Übernachtung nachgewiesen, wird automatisch eine Zahlungsaufforderung ausgelöst.
Neue Transitgebühr in der Schweiz: Europaabgeordnete warnen vor Alleingängen
Ob die neue Transitgebühr tatsächlich dazu beitragen kann, Staus auf den Schweizer Alpenrouten zu reduzieren, ist aus Sicht von Fachleuten zumindest grundsätzlich möglich. Der Mobilitätsforscher Thomas Sauter-Servaes von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hält die Idee für wirksam, stellt aber zugleich die grundsätzliche Ausrichtung infrage. „Man muss sich aber fragen, ob es nicht sinnvoller wäre, gleich ganz groß zu denken und ein Mobility Pricing für alle einzuführen“, sagt er.
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Bis eine solche Regelung tatsächlich Realität wird, dürfte jedoch noch einige Zeit vergehen. Zwar ist der politische Beschluss in der Schweiz bereits gefallen, doch die Umsetzung ist noch nicht final entschieden. Die Regierung selbst zeigt sich zurückhaltend und will das Verfahren nicht beschleunigen. Zudem wird diskutiert, ob für die Einführung eine Volksabstimmung notwendig ist, was den Start zusätzlich verzögern würde. Fachleute gehen deshalb davon aus, dass es noch mindestens ein bis zwei Jahre dauern könnte, bevor die neue Abgabe tatsächlich greift.
Der CDU-Europaabgeordnete Andreas Schwab warnt vor nationalen Alleingängen. „Einseitige Maßnahmen dieser Art sind kein Schritt nach vorn“, sagt er auf dpa-Anfrage. Gerade Grenzregionen lebten von offenen und verlässlichen Regeln im Miteinander der Nachbarstaaten. Ähnlich äußert sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Felix Schreiner aus dem baden-württembergischen Grenzgebiet zur Schweiz. Ausländische Autofahrer dürften nicht pauschal belastet werden, betont er und fordert stattdessen gemeinsame Lösungen innerhalb Europas. Auch Sauter-Servaes weist auf mögliche Spannungen hin, falls jedes Land eigene Gebühren erhebe: „Wenn jedes Land so denken würde und nur die Ausländer abkassieren will, haben wir ein Problem“, sagt er. Dann stelle sich schnell die Frage, warum etwa deutsche Urlauber bei der Durchreise nach Italien in der Schweiz zahlen müssten, während umgekehrt keine vergleichbaren Abgaben für Schweizer im Ausland gelten.
mit dpa







