Er gilt als einer der „Helden von Modena“: Nachdem am Wochenende ein Auto in eine Menschenmenge in Modena gefahren war, hat ein Offizier des italienischen Heeres einer deutschen Touristin das Leben gerettet. Die 69-Jährige war am Samstagnachmittag auf einem Gehweg im Zentrum der norditalienischen Stadt unterwegs, als sie von dem Wagen mit voller Wucht erfasst wurde. Die Frau erlitt schwerste Verletzungen und massive Blutungen an beiden Beinen. Dass sie lebend ins Krankenhaus gebracht werden konnte, verdankt sie einem Soldaten des italienischen Spezialregiments „Col Moschin“, der zufällig ein Tourniquet zum Abbinden stark blutender Gliedmaßen, bei sich trug.

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Der Offizier, dessen Name aus Sicherheitsgründen nicht bekannt gegeben wurde, war mit dem Fahrrad im Stadtzentrum unterwegs, als er an die Unfallstelle kam. „Zunächst dachte ich, es finde dort irgendeine Veranstaltung statt“, schilderte er italienischen Medien. Dann habe er die schreienden Menschen, das zerstörte Auto und die verletzte Frau gesehen. Gemeinsam mit einer zufällig anwesenden Rettungssanitäterin begann er sofort mit der Erstversorgung.

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Held von Modena: Wie ein Soldat mit Tourniquet Leben rettete

„Zum Glück hatte ich ein Tourniquet im Rucksack“, sagte der Soldat. Aus beruflichen Gründen, wie er sagte. „Man braucht es fast nie, aber wenn man es einsetzt, kann es ein Leben retten – wie in diesem Fall.“ Während der Offizier das Tourniquet am linken Bein der Frau anlegte, versuchten Passanten mit Gürteln, die Blutung am rechten Bein zu stoppen. Die lebensrettenden Handgriffe habe er während seiner Ausbildung für internationale Einsätze und Kriegsszenarien gelernt: „Das Erste, was man in solchen Fällen tun muss, ist, die Wunde zu komprimieren.“

Nach eigenen Angaben hatte der Offizier zuvor noch nie einen solchen Ernstfall erlebt. „Bislang kannte ich das nur aus Übungen und Trainings“, so der Soldat. Die Frau habe unter Schock gestanden, sei aber bei Bewusstsein gewesen. „Sie schrie nicht und sprach auch nicht. In solchen extremen Situationen nimmt der Körper den Schmerz kaum wahr“, schilderte der Soldat die dramatischen Minuten bis zum Eintreffen des Rettungswagens.

Chicago Community Holds Free Gunshot Wound and First Response Workshop
Ein Tourniquet kann zum Abbinden von Wunden verwendet werden (Symbolbild). © Getty Images via AFP | Scott Olson

Verletzte in Modena – Deutsche Touristin verliert beide Beine

Trotz der Rettung mussten der deutschen Touristin beide Beine amputiert werden. Sie wird weiterhin auf der Intensivstation des Krankenhauses Baggiovara in Modena behandelt. Nach Angaben der Ärzte verbessert sich ihr Zustand allmählich. Sie sei bei Bewusstsein und atme selbstständig, teilte das Krankenhaus am Montag mit.

Auch eine 53-jährige Polin erlitt schwere Verletzungen und musste notoperiert werden. Eine 55 Jahre alte Frau aus der Provinz Modena kämpft auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Bologna um ihr Leben. Auch sie erlitt zahlreiche Verletzungen, ihr Zustand habe sich jedoch leicht verbessert, berichteten die Ärzte. Ihr Ehemann wird ebenfalls dort behandelt und schwebt nach Angaben der Ärzte nicht mehr in unmittelbarer Lebensgefahr.  

Ein weiterer Patient ist ein 59-jähriger Italiener mit Gesichtsverletzungen. Bereits aus dem Krankenhaus entlassen wurden dagegen drei weitere Verletzte: eine 22-Jährige mit Schädelhirntrauma, ein 30-Jähriger, der eine Panikattacke erlitten hatte, sowie ein 47-jähriger Mann mit Schnittverletzungen.

Passanten stoppten den Fahrer: Bürgermeister spricht Dank aus

Bei Letzterem handelt es sich um den Mann, der den Fahrer des Wagens als Erster gestoppt hatte und dabei von ihm mit Messerstichen verletzt wurde. Nachdem das Auto zum Stehen gekommen war, habe er den flüchtigen Fahrer gemeinsam mit anderen Passanten verfolgt und aufgehalten. Auch ein aus Ägypten stammender Bauarbeiter und dessen Sohn halfen dabei, den Fahrer festzuhalten. Der Vater lebt seit über 30 Jahren in Modena. Der Bürgermeister der Stadt Modena, Massimo Mezzetti, dankte den beiden für ihren Einsatz. Er denke an eine Auszeichnung für die beiden, sagte er.

Gegen den 31-jährigen Tatverdächtigen, einen italienischen Bürger marokkanischer Herkunft, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen mehrfachen Mordversuchs und schwerer Körperverletzung. Der Mann machte bei einem Verhör von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Nach Angaben der Ermittler litt der Mann mit Wohnort in der Provinz Modena 2022 unter einer psychischen Störung.