Eine 69-jährige deutsche Touristin kämpft um ihr Leben im Krankenhaus „Baggiovara“ der norditalienischen Stadt Modena. Sie zählt zu den acht Personen, die schwerverletzt im Spital liegen, nachdem ein Auto bei voller Geschwindigkeit im Stadtzentrum Modenas auf sie gerast ist.

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Die Frau befand sich mit anderen Personen, darunter eine 53-jährige polnische Touristin, auf dem Gehweg im Zentrum der 185.000 Einwohner-Stadt, als sie von dem Auto mit einem 31-jährigen Italiener marokkanischer Herkunft am Steuer erfasst wurde. „Beide Frauen sind kritisch verletzte Patientinnen. Sie befinden sich in der Anfangsphase eines schweren Traumas. Prognosen sind nicht möglich. In solchen Fällen können selbst minimale Verschlechterungen oder Verbesserungen plötzlich eintreten“, erklärte Lesley De Pietri, Leiterin der Intensivstation des Krankenhauses „Baggiovara“.
Die beiden Touristinnen wurden operiert, sie seien nicht ansprechbar. Der Touristin aus Deutschland mussten beide Beine amputiert werden. Über ihre genaue Herkunft gab es vorerst keine Angaben, die Familienangehörigen wurden informiert.

Nach Angaben der Behörden gibt es weitere Menschen mit schweren Verletzungen. Wie der Bürgermeister von Modena, Massimo Mezzetti, berichtete, mussten zwei Personen die unteren Gliedmaßen amputiert werden, eine davon schwebt in Lebensgefahr. Dabei handelt es sich um eine 55-jährige Italienerin, die am Ende der Fahrt des Autorasers mit voller Wucht gegen ein Schaufenster gedrückt wurde. Auch ihr gleichaltriger Mann wurde verletzt.
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Fahrer flüchtet nach Unfall und verletzt Verfolger mit Messer
Aufnahmen von Sicherheitskameras in der Gegend zeigen, wie der Kleinwagen mit dem 31-jährigen Fahrer beschleunigt und zunächst rechts auf den Fußgängerweg und danach auf die linke Seite ausschert. Die auf beiden Seiten erfassten Menschen werden regelrecht durch die Luft geschleudert, bevor das Fahrzeug in die Schaufensterscheibe eines Kleidergeschäfts prallte.
Augenzeugen schilderten chaotische Szenen. „Überall sah man Blut, Schuhe und Taschen“, sagte ein Zeuge. Nach dem Aufprall versuchte der Fahrer zu fliehen. Mehrere Passanten verfolgten ihn und hielten ihn in einer Seitenstraße fest. Dabei zog der Mann ein Messer und verletzte einen der Verfolger am Kopf; ein weiterer Stich verfehlte nach Angaben von Zeugen nur knapp das Herz des Mannes. „Die Personen, die den Fahrer festgehalten haben, haben großen Mut gezeigt, ihnen gilt mein Dank“, lobte Bürgermeister Mezzetti. Der Mann, der den Täter festhalten konnte, wurde im Krankenhaus behandelt.
Die Polizei erklärte, Alkohol- oder Drogentests seien beim Fahrer negativ ausgefallen. Medienberichten zufolge war der Verdächtige bis 2024 wegen einer schizoiden Persönlichkeitsstörung in psychiatrischer Behandlung gewesen. Hinweise auf Verbindungen zu terroristischen Gruppen oder eine islamistische Radikalisierung gebe es bisher nicht. Der Mann war bisher nicht polizeibekannt. Auch in sozialen Netzwerken war er nicht mehr präsent. Zuletzt hatte Meta seine Facebook-Seite gesperrt. Warum ist noch unklar.
Modena zeigt Zusammenhalt nach Auto-Angriff auf dem Hauptplatz
Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni drückte den Verletzten ihre Anteilnahme aus. Sie sagte einen am Sonntag geplanten Besuch auf Zypern ab, um zusammen mit dem italienischen Staatschef Sergio Mattarella nach Modena zu reisen. Die beiden Politiker besuchten die Verletzten im Krankenhaus.
Worte des Lobs hatte Meloni für den Mann, der den Fahrer festhalten konnte und dabei verletzt wurde. Der Bürgermeister von Modena rief die Einwohner der Stadt auf, sich am Sonntagabend auf dem Hauptplatz zu versammeln, um sich zu „einer großen kollektiven Umarmung“ zu vereinen. „Modena braucht das, nach dem Schrecken, der gestern erlebt wurde“, sagte das Stadtoberhaupt.

Die Stadt dürfe nach den jüngsten Ereignissen denen keinen Raum lassen, die „Hass und Spaltung säen“ wollen, sondern müsse „seine lebendige und solidarische Seite weiter zeigen“. Dabei solle man dem Beispiel jener Bürger folgen, die gestern den Mann stoppten, der mit seinem Auto in die Menschenmenge gefahren war: Sie „haben Mut, Bürgersinn und Gemeinschaftsgefühl bewiesen; genau denselben Geist müssen wir angesichts von Gewalt und Hass zeigen – wir müssen uns vereinen und dürfen uns nicht spalten.“




