Die nördliche Stadtmauer von Pompeji trägt bis heute sichtbare Wunden. Große Krater und kleinere, auffällig angeordnete Löcher zeugen davon, dass die Stadt nicht erst beim Ausbruch des Vesuvs unterging, sondern schon lange zuvor Krieg erlebt hatte. Nun bringt ein italienisches Forschungsteam eine neue Erklärung für diese Spuren ins Spiel: Möglicherweise schlug hier einst eine Waffe ein, die ihrer Zeit weit voraus war – eine Art „antikes Maschinengewehr“.

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Pompeji ist heute vor allem wegen seines spektakulären Untergangs bekannt. Als der Vesuv die Stadt im Jahr 79 nach Christus unter Asche und Gestein begrub, blieb vieles in einem außergewöhnlichen Zustand erhalten: Häuser, Straßen, Werkstätten und selbst die Spuren ihrer Bewohner. Für die Archäologie wurde die Katastrophe so zu einem seltenen Glücksfall.
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Antike Belagerung von Pompeji: Nicht alle Schäden passen zu Katapulten
Die fraglichen Schäden in der Stadtmauer sind allerdings deutlich älter als der Vulkanausbruch. Sie stammen aus einer Zeit, in der Pompeji sich gegen Rom stellte. An den nördlichen Mauern sind die Spuren dieser Kämpfe bis heute zu sehen: Große, runde Krater sprechen dafür, dass hier einst schwere Steinkugeln einschlugen, abgefeuert von Belagerungskatapulten. Solche Waffen gehörten bei römischen Angriffen auf Städte zum üblichen Arsenal.
Daneben finden sich jedoch kleinere Einschläge, die nicht ins Bild passen. Sie sind eher eckig, liegen dicht beieinander und ziehen sich in einer Art Fächerform über das Mauerwerk. Lange wurden diese Schäden eher beiläufig erklärt, etwa als Folge von Verwitterung oder als zufällige Kampfspuren.

Pompeji Stadtmauer: Was hinter den rätselhaften Einschlägen stecken könnte
Das Team um die Ingenieurin Adriana Rossi von der Universität Vanvitelli kommt in der im Fachblatt „Heritage“ veröffentlichten Studie zu einem anderen Schluss. Das Schadensbild lasse sich, schreiben die Forscher, plausibel mit einem sogenannten Polybolos erklären. Gemeint ist eine antike Waffe, die mehrere Geschosse rasch hintereinander abfeuern konnte. Anders als ein gewöhnliches Katapult, das nach jedem Schuss neu gespannt und vorbereitet werden musste, war diese Maschine auf schnelle Schussfolgen ausgelegt.
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Pompeji Forschung: Laserscans sollen das Rätsel der Einschusslöcher lösen
Um ihre Vermutung zu überprüfen, untersuchten die Wissenschaftler die Löcher in der Mauer mit Laserscans und photogrammetrischen Verfahren. Aus zahlreichen hochauflösenden Aufnahmen rekonstruierten sie dabei ein digitales Modell der Einschläge.
Aus Tiefe, Breite und Kontur der Schäden leitete das Team schließlich ab, welche Art von Geschossen die Mauer getroffen haben könnte und mit welcher Wucht sie einschlugen. In der Studie heißt es, die Analyse spreche eher für sehr schnelle Projektile aus einer mechanischen Waffe als für Handwaffen oder einen eher ungeordneten Beschuss.
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Antike Waffentechnik: Baupläne und Museumsfunde stützen die These
Doch für die Forscher sprach nicht nur die Form der einzelnen Schäden für ihre These, sondern auch deren auffällige Anordnung. Die fächerförmige Verteilung der Einschläge passe, so das Team, zu einer Waffe mit mechanischer Schwenkbewegung. Um diese Deutung zu stützen, verglichen die Wissenschaftler ihre 3D-Modelle mit antiken griechischen Bauplänen aus dem 3. Jahrhundert vor Christus, in denen Katapulte mit wiederholter Schussfolge beschrieben werden.
Weitere Hinweise lieferten Funde aus Museen und militärischen Ausgrabungen. Überlieferte eisenbeschlagene Bolzen, also Geschosse mit Metallverstärkung, stimmen laut Studie auffällig gut mit Form und Größe der Schäden in der Mauer überein. Solche Bolzen wurden unter anderem mit sogenannten Skorpion-Katapultanlagen in Verbindung gebracht, also kleineren antiken Geschützmaschinen für gezielten Beschuss.
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Einschusslöcher in Pompeji: Wen die Angreifer ins Visier nahmen
Für die Autoren der Studie zeichnet sich daraus auch ein mögliches Einsatzszenario ab. Die dicht gesetzten, radial angeordneten Einschläge sprechen ihrer Ansicht nach dafür, dass mit einer solchen Waffe gezielt Verteidiger auf der Mauer unter Beschuss genommen wurden.
In ihrem Fachartikel schreiben die Forscher, es erscheine plausibel, dass ein „automatischer Skorpion“ eingesetzt worden sei, um Bogenschützen oder andere Verteidiger an besonders exponierten Positionen zu treffen. Das würde auch erklären, warum die Schäden nicht wahllos über die Mauer verteilt sind. Sie wirken vielmehr wie das Ergebnis eines gezielten Beschusses als wie die Spur vereinzelter Zufallstreffer. Sollte die Deutung stimmen, wäre die Stadtmauer von Pompeji damit auch ein Zeugnis dafür, wie raffiniert antike Kriegstechnik bereits gewesen sein könnte.










