Die Einführung von Schwarzpulver beendete das Mittelalter der schwer gepanzerten Ritter in Europa. Ihre Rüstungen waren oftmals wirkungslos gegen die anfangs noch unpräzisen, dafür aber durchschlagkräftigen Handfeuerwaffen. Die später entwickelten Musketen wurden zur Standardwaffe der europäischen Armeen, die mit überlegener Feuerkraft die Welt über Jahrhunderte dominierten. Archäologen haben nun in Brandenburg das womöglich älteste Exemplar einer Handfeuerwaffe in Europa entdeckt.

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In der Prignitz, einem der am dünnsten besiedelten Landkreise Deutschlands, fand der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Matthaiss Dasse bereits 2023 ein etwa sechs Zentimeter langes Stück Bronze. Dabei soll es sich um den vorderen Teil einer frühen Feuerwaffe, einem sogenannten Handrohr, handeln, wie der Leiter der Denkmalbehörde in der Prignitz, Gordon Thalmann, nun feststellte.
Laut einer Erklärung des Landkreises wurde das „Kletzker Handrohr“ Ende Februar auf der Jahresberichtskonferenz der Landesarchäologie in Brandenburg an der Havel vorgestellt. Benannt wurde es nach der Belagerung der Kletzker Burg im Jahre 1390, an deren einstigem Standort in der Gemeinde Plattenburg das Fragment der Handfeuerwaffe gefunden wurde. Bei Ausgrabungen wurden hier auch Bleikugeln gefunden.
Das genaue Jahr geht aus der schriftlichen Überlieferung eines Franziskanermönchs hervor, die die Historiker Clemens Bergstedt und Gordon Thalmann untersuchten. Darin berichtet der Mönch von einer Belagerung der Burg durch die Herzöge Heinrich I. von Braunschweig-Lüneburg und Erich IV. von Sachsen-Lauenburg. Damals gehörte die Burg dem adeligen Geschlecht von Quitzow, das das Gut Kletzke 1375 von Kaiser Karl IV. erhalten hatte. Laut dem Landkreis Prignitz bestätigten Archäologen bei Ausgrabungen 2024 und 2025 die militärischen Auseinandersetzungen durch zahlreiche Funde.
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Waffe stammt wahrscheinlich nicht aus Brandenburg
„Wenn diese Büchse auf die Belagerung von 1390 zurückgeht, wäre das für Brandenburg spektakulär. Aus dieser Zeit haben wir bisher keine schriftlichen oder archäologischen Belege für Feuerwaffeneinsatz, wir konnten ihn bisher nur allgemein voraussetzen“, zitiert die Erklärung Christof Krauskopf vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum (BLDAM). Sollte die Waffe wirklich in dem Jahr der Belagerung eingesetzt worden sein, so stamme sie vermutlich nicht aus der Gegend, so Krauskopf.
„Unter der fachlichen Begleitung des BLDAM werden die Forschungen in den kommenden Jahren fortgesetzt“, heißt es vom Landkreis. Außerdem sei eine „archäologisch-touristische“ Erschließung des Standorts Kletzke geplant. Damit soll der Brandenburger Geschichte ein spannendes neues Kapitel hinzugefügt werden.
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Archäologie: Neun Jahre älter als die „Tannenbergbüchse“
Bislang galt für Archäologen die „Tannenbergbüchse“ als die älteste eindeutig datierbare Handfeuerwaffe in Europa. Die kleine gusseiserne Feuerwaffe wurde 1849 bei Ausgrabungen an der Ruine der Burg Tannenberg in Hessen entdeckt. Forscher datieren sie auf das Jahr 1399. Damals wurde die Burg während eines Feldzugs des Rheinischen Städtebunds zerstört. Die 33 Zentimeter lange Waffe gehört zum Typ der frühen Handrohre. Genau wie die Waffe aus der Prignitz wurde es mit Schwarzpulver und einer Bleikugel geladen und vermutlich mithilfe einer Lunte gezündet, die durch ein kleines Zündloch an das Pulver im Lauf gehalten wurde.








