Ein zwölfjähriger Junge schwebt nach einem Haiangriff im Hafen von Sydney in Australien in Lebensgefahr. Der Vorfall ereignete sich am Sonntagnachmittag kurz nach 16 Uhr (Ortszeit) am Shark Beach im Nielsen Park, einem beliebten Stadtstrand im östlichen Vorort Vaucluse. Der Junge erlitt schwere Verletzungen an beiden Beinen und wurde in kritischem Zustand in ein nahegelegenes Kinderkrankenhaus gebracht.

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Ersthelfer versorgten das Kind noch am Strand mit sogenannten Tourniquets, wie die Polizei mitteilte. Das sind Aderpressen, die den Blutverlust eindämmen. Mehrere Rettungswagen sowie ein Rettungshubschrauber waren im Einsatz. Der Strand wurde umgehend geschlossen, Schwimmer wurden aufgefordert, das Wasser zu meiden.

Orcas, Haie und Tiere im Meer

Das Hainetz im Nielsen Park war während starken Wellengangs im April 2025 beschädigt worden; die Reparaturen wurden erst Anfang Dezember abgeschlossen. Nach ersten Erkenntnissen befand sich der Junge zum Zeitpunkt des Angriffs jedoch außerhalb der Netzumzäunung.

Australien: Fünf Tote in einem Jahr durch Haiangriff

Der Angriff ist der jüngste in einer Serie ungewöhnlich vieler Haiattacken in Australien. Im Jahr 2025 kamen bereits fünf Menschen durch Haiangriffe ums Leben – deutlich mehr als im langjährigen Durchschnitt. Erst im September war ein 57-jähriger Mann am Long Reef Beach bei Dee Why im Norden Sydneys tödlich verletzt worden.

Besonders erschütternd war der Tod einer 25-jährigen Schweizer Touristin im November. Die junge Frau war in den frühen Morgenstunden gemeinsam mit ihrem Begleiter am Kylies Beach im Crowdy-Bay-Nationalpark schwimmen gegangen, einem bei Campern beliebten Küstenabschnitt an der Mid North Coast, rund vier Autostunden nördlich von Sydney. Der unbewachte Strand war zu dieser Uhrzeit nur spärlich besucht. Als ein Hai angriff, eilten mehrere Anwesende zur Hilfe. Für die Frau kam jedoch jede Unterstützung zu spät – sie erlag noch am Unfallort ihren Verletzungen.

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Früherer Haiangriff: Mutige Ersthelfer retten Verletztem das Leben

Ihr Begleiter erlitt schwere Beinverletzungen. Ein Augenzeuge reagierte geistesgegenwärtig und band Badehosen um das verletzte Bein, um die Blutung zu stoppen. „Ich muss den Zeugen am Strand loben, der eine provisorische Blutsperre am Bein des jungen Mannes anlegte, was möglicherweise sein Leben rettete“, sagte Josh Smyth, Superintendent des NSW Ambulance Service, damals vor Reportern. Der Verletzte wurde in kritischem Zustand per Hubschrauber ins John Hunter Hospital in Newcastle geflogen. Auch im aktuellen Fall scheinen Ersthelfer rasch reagiert zu haben.

Bereits im Februar war eine 17-jährige Rettungsschwimmerin in Queensland tödlich verletzt worden. Weitere Todesfälle erfolgten in Südaustralien sowie in Esperance im Westen des Landes. Im März wurde zudem eine Schwimmerin in ihren 50ern von einem mutmaßlichen Bullenhai am Gunyah Beach bei Bundeena im Süden Sydneys gebissen – sie überlebte verletzt.

Haiangriffe in Australien: Warum nimmt Zahl zu?

Nach Angaben der Taronga Conservation Society werden in Australien über die vergangenen zehn Jahre hinweg jährlich durchschnittlich rund 20 Haiangriffe mit Verletzten sowie 2,8 Todesfälle registriert. Historisch sind seit 1791 über 1200 Angriffe dokumentiert. Trotz der jüngsten Häufung bleiben Haiattacken im Vergleich zu anderen Risiken selten: 2023 ertranken 125 Menschen an Australiens Küsten, im Straßenverkehr kamen mehr als 1200 Menschen ums Leben.

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Australien beheimatet rund 180 der weltweit etwa 400 Haiarten. Nur 21 von ihnen wurden jemals mit Angriffen auf Menschen in Verbindung gebracht – vor allem die drei großen Arten Weißer Hai, Tigerhai und Bullenhai.

Die Behörden raten grundsätzlich dazu, nur an ausgewiesenen Stränden und in mit Netzen gesicherten Bereichen zu schwimmen. Besonders nach starken Regenfällen sollte das Wasser gemieden werden – nicht nur wegen möglicher Haie, sondern auch aufgrund von Regenwasserverschmutzung und Abwasserüberläufen. Nach Starkregen lautet die offizielle Empfehlung, etwa 24 Stunden lang nicht im Ozean zu schwimmen und Flussmündungen, Flüsse und Häfen für rund drei Tage zu meiden. Sydney war am Wochenende von heftigen Regenfällen betroffen, das Wasser entsprechend aufgewühlt und trüb.