Jede Menge Regen, kaum Strandwetter – der Hochsommer ließ im Juli auf sich warten. Wer seinen Urlaub oder die Sommerferien in heimischen Gefilden verbringt, muss tapfer bleiben – denn der August startet laut Experten ähnlich durchwachsen. Viele stellen sich die Frage: Wo bleibt er jetzt endlich, der versprochene Sommer?

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Andreas Walter, Klimatologe und Pressesprecher beim Deutschen Wetterdienst (DWD), erklärt im Interview, warum die befürchteten Hitzewellen bislang ausbleiben, was genaue Vorhersagen im Sommer besonders schwierig macht und was Meteorologen mit Blick auf die Zukunft Sorge bereitet.

Wetter in Deutschland: Welche Temperaturen bringt der restliche Sommer?

In den vergangenen Wochen war oft davon die Rede, dass uns in Deutschland ein „Rekord-Hitzesommer“ oder „Jahrhundert-Sommer“ erwarten könnte – übrigens nicht vom Deutschen Wetterdienst. Ende Juli deutet noch nichts auf große Hitzewellen hin. Was ist meteorologisch anders eingetroffen als teilweise erwartet?

Andreas Walter: Wir haben in diesem Sommer bisher kein stabiles Hochdruckgebiet über Mitteleuropa. Das würde normalerweise längere Zeit blockieren und die zahlreichen Tiefausläufer mit ihren Niederschlägen um uns herum lenken.

Was erleben wir stattdessen?

Walter: Wir hatten eine Hitzewelle im Mittelmeerbereich, die teilweise auch noch anhält. Auf der anderen Seite haben wir in Nordskandinavien teilweise über zwei Wochen Temperaturen von über 30 Grad. Wir in Deutschland liegen derzeit dazwischen und bekommen einen Tiefausläufer nach dem anderen ab. Das führt zu diesem unbeständigen Wetter mit verstärkten Niederschlägen, wie wir es gerade erleben.

Meteorologe über Sommerprognose: „Sollten Hoffnung nicht aufgeben“

Macht die Wettervorhersage für die kommende Woche mehr Hoffnung auf sonnige Sommertage?

Walter: Die klassische Wettervorhersage gilt immer für etwa drei, vier, maximal fünf Tage. Dabei schauen wir uns auch die Großwetterlage an. Dort sieht es so aus, als wäre erstmal keine durchgreifende Änderung in Sicht. Dieses unbeständige Wetter scheint uns zumindest in diesem Zeitraum noch erhalten zu bleiben.

Dr. Andreas Walter
Dr. Andreas Walter ist Klimatologe und Pressesprecher beim Deutschen Wetterdienst (DWD).© privat | Privat

Wie viel Hitze könnte in den übrigen Sommerwochen noch auf uns zukommen?

Walter: Beim Ausblick auf den August und September liegen wir in einem Vorhersagebereich außerhalb der klassischen Wettervorhersage. Das sind dann Klimavorhersagen, die gehen mindestens über mehrere Wochen oder Monate. Auf der Basis einer Vielzahl von Simulationen und im Vergleich mit früheren Jahren berechnen wir Wahrscheinlichkeiten, wie das Wetter in den nächsten Wochen aussehen könnte, das geht aber nicht präzise für einen bestimmten Tag und Ort.

Da sehen wir mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent, dass die drei Monate Juli, August und September im Vergleich zu Klima-Vergleichsjahren aus der Vergangenheit wärmer werden. Wir sollten die Hoffnung also noch nicht ganz aufgeben.

Was macht es so schwierig, gerade das Sommerwetter genau vorherzusagen?

Walter: Das hängt immer von der Wetterlage ab. Temperaturen für einen Ort und dessen Umgebung lassen sich immer leichter vorhersagen als Niederschläge oder Gewitter. Die Temperatur in der Umgebung wird meistens relativ ähnlich sein, aber innerhalb einer Stadt oder Region können Sie an einem Ort ein Starkregenereignis abkriegen und am anderen tröpfelt es nur. Eine Wetterlage mit einem stabilen Hoch können wir also einfacher vorhersagen, als wenn – wie aktuell häufig zu sehen – viele Tiefausläufer oder Gewitter durchziehen, bei denen Ort und Uhrzeit schwieriger zu benennen sind.

Wie wird Hitze unseren Alltag verändern? Ein Klimaexperte klärt auf

Warum unterscheiden sich oft Wetterprognosen von Medien und beliebten Handy-Apps?

Walter: Wir als DWD stellen unsere Vorhersagedaten kostenfrei zur Verfügung. Viele Anbieter von Wetter-Apps bedienen sich dieser Daten auch. Aber beispielsweise das ARD-Wetterkompetenzzentrum beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt interpretiert diese Daten dann noch einmal selbst. Andere Anbieter haben einen Algorithmus, der die Daten nochmal anders aufbereitet. Dadurch können bei gleicher Datengrundlage gewisse Unterschiede entstehen. Dazu kommt, dass manche App-Anbieter sich auch den frei verfügbaren Daten des amerikanischen Wetterdienstes bedienen, die mit ihren Modellen ihren Fokus vielleicht nicht auf Europa und Deutschland haben.

Experte über Wetterextreme: Das bereitet Meteorologen Sorge

Wie hängen Extremwetter-Ereignisse wie Hitze und Hochwasser mit der sich verschärfenden Klimakrise zusammen?

Walter: Wir beobachten schon seit mehreren Jahrzehnten einen Trend hin zu höheren Temperaturen, weltweit, in Europa, aber auch bei uns in Deutschland. Das bezeichnen wir als Klimawandel oder Klimaänderung. Aber um diesen allgemeinen Trend zum Temperaturanstieg herum kann es trotzdem immer mal wieder Variabilität, also Ausreißer nach oben oder unten geben. Ein Jahr ist mal wärmer als der Trend, das nächste ist wieder kälter. Das ist dann die Ausprägung des Wetters.

Regen in Berlin
Der Sommer 2025 zeigt sich vielerorts noch von seiner feuchten Seite. Denn Deutschland liegt zwischen den Hitzewellen, sagt DWD-Wetterexperte Andreas Walter. © FUNKE Foto Services | Reto Klar

Was bereitet den Meteorologen Sorgen?

Walter: Es steigt nicht nur der Mittelwert der Temperatur. Die Daten legen auch nahe, dass dadurch die Wetterextreme zunehmen. Und zwar weniger kalte, dafür aber sehr viel mehr warme oder auch heiße Ereignisse. Das stellen wir beim täglichen Beobachten von Wetterdaten fest und das ist auf den Klimawandel zurückzuführen.

Ist das Wetter tatsächlich extremer geworden oder ist das eine verzerrte Wahrnehmung?

Walter: Nein, das ist tatsächlich so. Wenn wir uns die zurückliegenden warmen Jahre in Deutschland angucken, stellen wir fest: die zehn wärmsten gemessenen Jahre liegen alle in den 2000ern, die meisten davon nach 2014. Das ist ein Indiz dafür, dass da irgendwas passiert. Wir kriegen nicht mehr so kalte Jahre, wie wir sie vielleicht noch vor 50 oder 60 Jahren hatten.

Mit welchen Auswirkungen auf den Niederschlag?

Walter: Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasserdampf aufnehmen. Dazu kommt, dass wir auch schon seit geraumer Zeit sehr hohe Temperaturen der Meeresoberflächen beobachten, sowohl im Atlantik als auch im Mittelmeer oder an Nord- und Ostsee. Dadurch kann mehr Feuchtigkeit aus den Meeren und Ozeanen verdunsten. Zusammen mit der größeren Speicherfähigkeit einer wärmeren Atmosphäre führt das eben zu potenziell mehr Niederschlägen. Daher kommen unter anderem auch diese in letzter Zeit doch häufiger auftretenden Starkregenereignisse.

Was haben wir in Deutschland für die Zukunft zu erwarten?

Walter: Modellprojektionen sagen voraus, dass wir verstärkt Sommermonate mit längeren Trockenphasen bekommen, die immer wieder durch Starkregenereignisse unterbrochen werden. Dadurch steigt das Risiko von Überflutungen. Die Böden sind dann so ausgetrocknet, dass sie diese Wassermassen innerhalb kürzester Zeit überhaupt nicht aufnehmen können.