Im Falle des Passagierflugzeugs von Air India äußern Branchen-Insider den Verdacht, dass einer der Piloten die Triebwerk-Treibstoff-Schalter betätigt haben könnte, wodurch der Absturz der Boeing 787 nur 32 Sekunden nach dem Start ausgelöst worden sein könnte. Das berichtet das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf Personen aus dem Ermittlerkreis, die erste Beweise zum Absturz ausgewertet hatten.

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Ein erster offizieller Bericht war am 11. Juli veröffentlicht worden und bestätigte, dass die Betätigung der Treibwerk-Treibstoff-Schalter als Auslöser für den Absturz infrage kommen kann. Nun berichtet das „Wall Street Journal“, dass der leitende Pilot die Schalter umgelegt haben soll. Die Treibstoff-Regler können aus Sicht von Experten nämlich nicht einfach so abgeschaltet werden.

Air-India-Absturz: Rätsel um wichtige Treibstoff-Schalter beschäftigt Ermittler

Bei den Reglern handle es sich um „wirklich wichtige Schalter“, die davor geschützt seien, dass jemand sie versehentlich berühre, sagte Luftfahrtexperte Graham Braithwaite von der Cranfield University der BBC. Die zwei im Cockpit gelegenen Schalter haben nur zwei Einstellungen, mit denen sich die Zufuhr von Treibstoff in die Triebwerke an- oder abstellen lässt. Normalerweise werden sie nach der Landung oder vor dem Start betätigt.

Bei dem Absturz nahe dem Startflughafen von Ahmedabad starben 241 Passagiere und Crewmitglieder, nur ein britischer Passagier überlebte. Am Boden starben mindestens 29 Menschen, viele davon Studierende einer Medizin-Hochschule. Eigentlich war das Flugzeug auf dem Weg zum Flughafen Gatwick bei London.

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Nach ersten Auswertungen der vom Flugschreiber (Blackbox) aufgezeichneten Stimmen und Flugdaten fokussieren sich die Ermittler auf die Aktivitäten rund um die Schalter als Absturzursache. Auf dem geborgenen Stimmenrekorder des Flugzeugs sei im Cockpit zu hören gewesen, wie einer der Piloten den anderen gefragt habe, warum er den Kraftstoffschalter umgelegt habe, heißt es in dem Bericht. „Der andere Pilot antwortete, er habe das nicht getan.“ 

Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, soll der erste Offizier, der die Boeing 787 Dreamliner flog, Clive Kunder (32), den erfahreneren Flugkapitän Sumeet Sabharwal (56) gefragt haben, warum er die Schalter nach dem Abheben von der Landebahn in die „Abschaltposition“ gebracht habe. Der erste Offizier Kunder soll darüber überrascht gewesen und in Panik verfallen sein, während der Kapitän ruhig zu bleiben schien. Das will die Zeitung aus Ermittlerkreisen erfahren haben.

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    Der vorläufige Bericht der Untersuchung, der letzte Woche veröffentlicht wurde, hatte den Austausch zusammengefasst, aber nicht angegeben, welcher Pilot was gesagt hatte. Zehn Sekunden nach am Ausschalten seien die Schalter wieder angeschaltet worden sein – doch zu spät: Das Flugzeug stürzte ab. Sabharwal galt als erfahrener Pilot, während der 32 Jahre alte Kunder, der schon seit Kindheitstagen Pilot werden wollte, laut Familie und Freunden motiviert war, die nächste Karrierestufe zu erklimmen.

    Sind Konstruktionsmängel oder Fehlfunktionen Ursache des Air-India-Absturzes?

    Auf die Frage, warum die Treibstoffschalter umgelegt wurden, darauf lässt der vorläufige Bericht, den indische Behörden veröffentlicht haben, keine Rückschlüsse zu. Nur bei einem Fehler dürfen sie für einen Neustart des Triebwerks auch während des Fluges betätigt werden. Versehentlich lassen sich die Schalter wegen verschiedener Schutzmechanismen nur schwer betätigen.

    Bei laufendem Triebwerk würde ein Abstellen der Treibstoffzufuhr zu einem Schubverlust führen. Weil die Triebwerke auch den Stromgenerator an Bord antreiben, würden dabei auch elektronische Systeme im Cockpit ausfallen. Unklar ist weiterhin, warum nicht automatisch Luftklappen ausfuhren, die ein ruckartiges Absinken wohl verhindert hätten.

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    Laut dem Bericht der indischen Behörden ist aber auch noch nicht ausgeschlossen, dass es Konstruktionsmängel, Fehlfunktionen oder Wartungsprobleme gegeben haben könnte. Experten für Luftfahrtmedizin und -psychologie sind an den Ermittlungen beteiligt, die bei Flugzeugabstürzen oft länger als ein Jahr dauern können. Campbell Wilson, Chief Executive von Air India, forderte diese Woche die Mitarbeiter der Fluggesellschaft auf, keine voreiligen Schlüsse aus dem Absturz zu ziehen. Die Untersuchung sei „noch lange nicht abgeschlossen“. Ein Vertreter von Air India sagte, die Fluggesellschaft kooperiere weiterhin mit dem Ermittlungsteam.

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    Auch die nationale Behörde für Transportsicherheit der USA ist an den Untersuchungen beteiligt, weil die US-amerikanischen Unternehmen Boeing den Dreamliner und General Electric seine Triebwerke entwickelt hatten, während die Federal Aviation Administration (FAA), die US-amerikanische Behörde für Zivilluftfahrt, das Flugzeug für den Passagierflug zugelassen hat. Es werden sogar Rufe laut, dass Kriminalbehörden an der Aufklärung beteiligt werden sollen. Hätte sich das Unglück in den USA ereignet, wäre beispielsweise das FBI an Ermittlungen beteiligt.

    Ein grundlegender Fehler in der Konstruktion oder Mechanik der Boeing 787-8 liegt nach aktuellem Stand nicht vor. Boeing sprach für die Triebwerk-Schalter keine in solchen Fällen erforderliche Warnung für Flugzeugtypen aus, die sich im Besitz von Fluglinien befinden. Es war der erste tödliche Absturz des Flugzeugmodells mit dem Beinamen „Dreamliner“.