Nach dem Absturz der Boeing 787-8 in Indien mit mindestens 279 Toten kämpften Mediziner in umliegenden Krankenhäusern am Abend noch um die Leben vieler verletzter Bewohner des Viertels, in das die Maschine krachte. Wie viele Opfer die Katastrophe, bei der das Passagierflugzeug der Fluglinie Air India kurz nach dem Start in Ahmedabad abgestürzt war, forderte, ist noch ungewiss. Wie nun bekannt wurde, setzte der Pilot kurz nach dem Start einen dramatischen Notruf ab.

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Das Flugzeug mit mehr als 200 Passagieren und Crew-Mitgliedern an Bord hatte kurz nach dem Start am Sardar Vallabhbhai Patel International Airport wieder an Höhe verloren, bevor es auf ein Haus stürzte. Wie die britische Zeitung „Mirror“ berichtet, setzte der Kapitän Sumeet Sabharwal, ein erfahrener Pilot, elf Sekunden nach dem Abheben einen verzweifelten Funkspruch ab: „Mayday…no thrust, losing power, unable to lift.“ Auf Deutsch: „Mayday … kein Schub, Leistung geht verloren, kann nicht abheben.“ Die Flugsicherung hat auf den Notruf nicht reagiert.

Flugzeugabsturz in Indien kostet mindestens 279 Menschen das Leben

Es gelang nicht, das Flugzeug weiter aufsteigen zu lassen. Es stürzte nur 2,4 Kilometer hinter dem Ende der Landebahn im dicht besiedelten Stadtteil Meghani Nagar der Stadt im Bundesstaat Gujarat ab.

Bei dem Unglück kamen 241 Menschen, die an Bord waren, ums Leben, wie die Fluggesellschaft Air India auf der Nachrichtenplattform X mitteilte. Ein Passagier habe das Unglück überlebt und werde in einem Krankenhaus behandelt. Der Mann saß auf dem Platz 11A und entkam Medienberichten zufolge durch einen Notausgang. 

Die Behörden haben mittlerweile die ersten sterblichen Überreste der Todesopfer an ihre Familien übergeben. Bisher seien 32 Opfer durch DNA-Abgleiche identifiziert und 14 von ihnen übergeben worden, sagte Rajnish Patel vom Zivilkrankenhaus in Ahmedabad am Sonntag (15. Juni) laut dem indischen Nachrichtenkanal CNBC TV18. Die Familien stammen aus verschiedenen Landesteilen. 

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Neben den Insassen starben auch mindestens 38 Menschen am Boden, als das Flugzeug in ein Wohngebiet stürzte. So kamen mindestens 279 Personen ums Leben. Die Leichen seien in das Zivilkrankenhaus der Stadt gebracht worden. Die Polizei sprach von Dutzenden Verletzten. 

Flugzeug verlor plötzlich an Höhe

Erste Daten des sogenannten ADS-B-Systems, das im Sekundentakt Daten zu Position, Geschwindigkeit und Flughöhe liefert, zeigen laut „Flightradar24“, dass das Flugzeug bis auf eine barometrische Höhe von 625 Fuß (190 Meter) gestiegen war. Danach sei es mit einer Geschwindigkeit von 475 Fuß pro Minute gefallen.

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Die Nachrichtenagentur PA zitierte Natarajan Chandrasekaran von den Air-India-Eigentümern, der von einem „tragischen Unfall“ sprach. Das Hauptaugenmerk liege auf der Unterstützung aller betroffenen Menschen und Familien.

Air India: Beide Flugschreiber mittlerweile geborgen

Am Sonntag (15. Juni) konnten Ermittler den zweiten Flugschreiber bergen. Der Stimmenrekorder, der die Kommunikation zwischen den Piloten und den Fluglotsen aufzeichnet, wurde am Sonntag an der Absturzstelle gefunden, wie ein Berater des indischen Premierministers Narendra Modi mitteilte. Der Flugdatenschreiber, der Daten wie Flughöhe, Geschwindigkeit und Kurs der Maschine speichert, war bereits am Freitag (13. Juni) entdeckt worden.

Die Absturzursache ist bisher unklar. Die Ermittler hoffen auf Erkenntnisse durch die Auswertung der Flugschreiber. Die indische Behörde zur Untersuchung von Flugunfällen (AAIB) habe eine eingehende Untersuchung eingeleitet, erklärte Modis Berater PK Mishra. Auch die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB untersuche das Unglück.

Flugschreiber könnte Abschluss über Unfallhergang geben

Laut Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt ist die Auswertung der Daten der Blackbox entscheidend für die Aufklärung des Unglücks. „Eine Erklärung könnte zum Beispiel sein, dass die Startklappen nicht richtig gefahren sind“, sagte Großbongardt in der ARD-„Tagesschau“.

„Aber man kann im Augenblick wirklich nur spekulieren, denn entscheidend ist, dass der Flugdatenschreiber geborgen wird, dass die Daten analysiert werden und man dann sieht, was passiert ist im Flugzeug.“

Air India habe lange „sehr schlechten Ruf“ gehabt

Der Fluglinie Air India bescheinigte der Experte eine zuletzt zunehmend bessere Qualität. „Air India hatte lange Zeit einen sehr schlechten Ruf, solange sie im Staatsbesitz war.“ Der neue Eigentümer, die Tata Group, habe aber viel investiert und den Qualitätsstandard so weit hochgefahren, „dass die Air India Mitglied der Star Alliance sein konnte zusammen mit Lufthansa, United und anderen wirklich sehr renommierten Airlines.“

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Dass ein Vogelschlag Ursache gewesen sein könnte, hält Großbongardt nicht für sehr wahrscheinlich. Ersten Berichten zufolge soll es kurz vor der Tragödie einen „Mayday“-Ruf aus dem Cockpit gegeben haben. Doch eine Erklärung für die Absturzursache ergebe sich daraus nicht.

Ein weiterer Experte kommt zu der ersten Einschätzung, dass einiges ungewöhnlich abgelaufen sei. John McDermid erklärt laut eines Berichts des ZDF, dass es noch sehr früh sei, um über Gründe zu spekulieren.

Experte: Kurz vor oder nach dem Abheben gab es ein Problem

Jedoch entdeckt der Professor für Softwaretechnik an der Universität York auf den ersten Blick etwas, das ihn stutzig macht. Die Air India Maschine sei nach dem Start gerade einmal 200 Meter in die Höhe gestiegen, bevor sie wieder herabsank und schließlich abstürzte. Laut McDermids erster vorsichtiger Analyse scheine es so, als sei kurz vor oder nach dem Abheben ein Problem aufgetreten. Dieses müsse so schwerwiegend gewesen sein, dass auch mit der Sicherheitssysteme an Bord in zu händeln war.

Such- und Rettungsteams sind im Einsatz, nachdem eine Boeing 787-8 in Indien abgestürzt war.
Such- und Rettungsteams sind im Einsatz, nachdem eine Boeing 787-8 in Indien abgestürzt war.© AP/dpa | Ajit Solanki

Luftfahrtexperte John Cox vom Beratungsunternehmen Safety Operating Systems erklärte nach Betrachtung eines Absturzvideos, das in den sozialen Netzwerken geteilt wurde, die Nase des Flugzeugs habe nach oben geschaut. Und trotzdem verlor das Flugzeug an Höhe.

mit dpa