Die italienische Insel Alicudi nördlich von Sizilien ist bekannt für ihre wilden Ziegen. Auf dem 5,2 Quadratkilometer großen Inselparadies leben mittlerweile rund 800 Ziegen – das macht etwa sechsmal so viele Ziegen wie Einwohner. Die Herden sind eine Attraktion, aber in den vergangenen Jahren auch immer mehr zur Plage geworden.

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Deshalb starteten die Behörden 2024 ein ambitioniertes Programm, um die Ziegenpopulation einzudämmen: Die Tiere sollten eingefangen und zur Adoption freigegeben werden. Doch der Plan schlug fehl, sodass die Inselregierung nun harte Maßnahmen ergreifen und die Tiere zum Abschuss freigeben will.

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Bürgermeister zur Ziegenplage: „Wir sind gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen“

„Leider verschlechtert sich die Situation auf der Insel. Die Einwohner sind besorgt“, sagt Riccardo Gullo, Bürgermeister des Archipels Lipari, zu dem die Insel Alicudi gehört, gegenüber unserer Redaktion. Etwa 24 Prozent der Trockensteinmauern Alicudis, die als Unesco-Kulturerbe anerkannt sind, seien wegen der Tiere in Gefahr. Außerdem werfe ihre Anwesenheit in unmittelbarer Nähe von Häusern und Ferienwohnungen auch hygienische Fragen auf. Die Bewohner suchen Schutz in ihren Häusern, während die Tiere, die bis zu 120 Kilo wiegen können, ihre Gärten verwüsten, die Olivenbäume kahlfressen und zu allem Überfluss die Touristen erschrecken.

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Die Ziegen in Alicudi plündern Gärten und gefährden die Trockensteinmauern, die als UNESCO-Kulturerbe anerkannt sind. © Dipartimento Sviluppo Rurale di Messina | Dipartimento Sviluppo Rurale di Messina

Die Ziegen zu töten, bezeichnet Bürgermeister Gullo als „letzte Lösung“: „Wir sind gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen.“ Der Abschuss soll im Oktober beginnen, wenn die meisten Touristen die Insel verlassen haben. Er muss zuvor von den Umweltschutzbehörden genehmigt werden. „Wilde Ziegen sind wunderschön, aber für uns Einwohner auch beängstigend. Sie sind riesig und tauchen häufig vor unseren Häusern auf“, erzählen Einheimische. Und nicht nur sie sind betroffen: Inzwischen hat die Ziegenpopulation auch auf den Nachbarinseln Stromboli und Vulcano kritische Ausmaße erreicht. Die Sorge ist groß, dass Bauern wegen der Tiere ihre Arbeit aufgeben könnten.

Ziegen in Italien: Sie verwüsten Gärten und zerstören historische Mauern

Der ursprüngliche Plan zur Bekämpfung der Plage sah vor, dass eine Firma die Ziegen einfangen und aufs Festland bringen sollte. Da es auf der Insel jedoch keine Straßen, sondern nur Fußwege und felsiges Gelände mit vielen Verstecken gibt, gab die Firma schon nach einer Woche auf – obwohl die Region Sizilien 200.000 Euro für einen zweijährigen Auftrag zur Entfernung der Tiere angeboten hatte.

„Eine lebende Ziege tausend Stufen zum Hafen herunterzubringen, ist nicht einfach. Die Firma hat das Handtuch geworfen, und wir haben den Vertrag gekündigt“, berichtete ein Beamter für ländliche Entwicklung der Region Sizilien gegenüber lokalen Medien. Trotz zwei weiterer Ausschreibungen durch die sizilianische Regierung zeigte kein anderes Unternehmen Interesse an dem Auftrag. Die Herden haben die Vegetation kahl gefressen und alte Trockenmauern zerstört.

Wildziegen sind reine Pflanzenfresser, die sich von Laub, Gräsern und Kräutern ernähren. Um die Blätter der Gehölze abzuweiden, klettern sie sogar auf Sträucher und niedrige Bäume. Sie leben in Herden, die je nach Lebensraum und Region durchschnittlich fünf bis 25 Tiere umfassen. Weibliche Tiere leben mitsamt Nachwuchs ganzjährig in Weibchengruppen und ziehen sich nur zur Geburt kurz aus der Gruppe zurück. Ziegen sind für ihre große Anpassungsfähigkeit bekannt und halten der Hitze und dem Wassermangel stand, die die Insel Alicudi vor allem im Sommer stark belasten.