Zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten Brasiliens zählen für jeden Urlaub die Strände Copacabana und Ipanema in der Metropole Rio de Janeiro. Die Orte dienen als Treffpunkte für Menschen aller Altersgruppen und sozialen Schichten, es wird intensiv Sport getrieben und sich gesonnt. Doch seit der Ankündigung neuer Regeln fürchten viele Einwohner, dass sich die geliebte Strandkultur für immer verändert.

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Die seit Juni geltende Anordnung der Stadtverwaltung verbietet den zahlreichen Verkäufern von Getränken und Essen ihr Geschäft an der rund 83 Kilometer langen Küstenlinie der Stadt. Mit ihren mobilen Ständen oder großen Körben bieten sie eigentlich alles an – von gekühltem Kokoswasser, gegrilltem Käse und Açaí bis hin zu Sonnenhüten, Bikinis oder handgefertigtem Schmuck.

Auch das Verleihen von Stühlen soll so von den Stränden verbannt werden, berichtete unter anderem die Nachrichtenagentur „AP“. Offizielle Genehmigungen für die kleinen Gewerbe seien unmöglich zu erhalten, kritisierte eine Vereinigung der Verkäufer die Anordnung.

Rio de Janeiro: Verschwindet die Musik von Rio's Stränden?

Die durch Lautsprecher und Live-Musiker allgegenwärtige Musik wollen die Behörden durch Lärmbeschränkungen einhegen. Ziel sei es, Ordnung in dem Chaos zu schaffen, begründet Bürgermeister Paes die neuen Regeln. Gegner der Maßnahme weisen jedoch darauf hin, dass der Lebensunterhalt der Musiker und Verkäufer auf dem Spiel stehe.

Viele von ihnen stammen aus den ärmlichen, höher gelegenen Favelas von Rio de Janeiro und kommen für ihr Geschäft zum Strand herunter. Sie arbeiten informell und gehören oft Familienbetrieben an, die sich über Generationen hinweg etabliert haben. Sie prägen das Bild der berühmten Strände, wo sie durch kreative Sprüche und Gesänge versuchen, auf sich aufmerksam zu machen. Um die 710 Millionen US-Dollar wurden laut der „Rio Times“ 2022 an Rio's Stränden umgesetzt.

Parallel dazu bilden die sogenannten „barracas“ – einfache, meist dauerhaft aufgebaute Strandbuden – das Rückgrat der kulinarischen Strandkultur. Sie bieten Snacks wie Pastéis, Garnelen-Spieße oder Caipirinhas an und dienen oft als sozialer Treffpunkt. Viele Barraca-Betreiber sind über Jahre hinweg eng mit „ihrem“ Strandabschnitt verbunden und haben treue Stammkundschaft.

Rio de Janeiro lockert Verordnung nur teilweise

„Rio de Janeiro ist ohne Bossa Nova, ohne Samba am Strand kaum vorstellbar“, zitierte „euronews“ Julio Trindade, der als DJ in einem der mehr als 300 Kioske arbeitet und als Aktivist gegen die Regulierungen kämpft. „Während die Welt ‚Das Mädchen aus Ipanema‘ singt, können wir es nicht am Strand spielen“, sagte Trindade in Anspielung auf den berühmten brasilianischen Hit aus 1962.

Die Stadt hat mittlerweile durch den öffentlichen Druck die Anordnung zumindest teilweise geändert, sodass Live-Auftritte von Musikern wieder ohne Genehmigung erlaubt sind, Lautsprecher aber laut „AP“ verboten bleiben. Auch die Strandkioske müssen ihre ikonischen Namen nicht mehr für eine Nummer austauschen, wie ursprünglich eigentlich vorgesehen war.