Das Wasser kam plötzlich: Binnen weniger Stunden wurde aus dem Fluss Guadalupe in Texas eine todbringende Sturzflut, überraschte Camper noch vor dem Frühstück. Mindestens 68 Menschen starben, sagen die Behörden von Kerr County. In Zentraltexas gibt es mehr Todesopfer, inzwischen liegt die Zahl nach Angaben des Weißen Hauses mit Stand Montagmittag (Ortszeit) bei 91. 

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Allein im „Camp Mystic“, einem christlichen Sommerlager für Mädchen, sind 27 Kinder und Betreuer ums Leben gekommen. Das gab das Camp auf seiner Website am Montag bekannt. Auf der Seite steht: „Unsere Herzen sind an der Seite unserer Familien gebrochen, die diese unvorstellbare Tragödie ertragen müssen. Wir beten ständig für sie.“ Und weiter heißt es: „Wir bitten Sie, weiterhin für jede unserer betroffenen Familien zu beten, sie zu respektieren und ihre Privatsphäre zu wahren. Möge der Herr uns alle auch weiterhin mit seiner Gegenwart umhüllen.“

Die Fluten zerstörten das Lager, rissen Kinder wie Betreuer mit sich. In dem Camp hatten demnach mehr als 750 Mädchen, viele davon im Grundschulalter, eine Sommerfreizeit verbracht.

Im gesamten Bundesstaat wurden mit Stand Sonntagnachmittag den Behörden zufolge noch rund 40 Menschen vermisst. Vor allem in der Gegend um Kerrville zelteten viele Erwachsene in der Nähe des Wassers und waren mit Wohnmobilen angereist. Am Sonntag gab es von Behördenseite die Warnung, dass es erneut zu Fluten kommen könnte. Eine Entspannung ist nicht in Sicht.

Sommercamp für Mädchen komplett verwüstet

Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, rief für den Sonntag einen Tag des Gebetes in dem Bundesstaat aus. Das gesamte Ausmaß der Katastrophe ist unklar. Mehr als 850 Menschen wurden unverletzt gerettet, es gab acht Verletzte, wie es von den Behörden am Samstagvormittag hieß. Bewohner hatten sich auf Bäume gerettet, um nicht von den Fluten mitgerissen zu werden.

Abbott besuchte nach eigenen Angaben am Samstag das Camp. Er sei schockiert gewesen, schrieb er auf der Plattform X. Die Anlage sei auf eine Weise verwüstet worden, „wie ich es bei keiner Naturkatastrophe erlebt habe“. Wasser habe bis zum Dach der Hütten gestanden. „Wir werden nicht aufhören, bis wir alle Mädchen gefunden haben, die in diesen Hütten waren.“

Überschwemmungen in Texas
Beamte helfen bei den Bergungsarbeiten im Camp Mystic.© Julio Cortez/AP/dpa | Julio Cortez

Texas: Mehr als 20 Mädchen aus Sommercamp weiterhin vermisst

Eltern von vermissten Kindern aus dem Sommercamp waren in großer Sorge. Das lokale Fernsehen blendete Fotos etwa eines Mädchens oder einer Familie ein, die vermisst werden. Wegen des US-Unabhängigkeitstags am Freitag hätten zahlreiche Menschen in der Nähe des Guadalupe River im Kerr County gecampt, hieß es von den Behörden. Wie viele Menschen insgesamt als vermisst gelten, sei nicht abzuschätzen, hieß es.

Vize-Gouverneur Patrick hatte zuvor betont, das müsse nicht heißen, dass sie verloren seien – sie könnten zur Sicherheit auch auf Bäume geklettert sein. Die Lage sei unübersichtlich, es gebe kein Strom und kein Internet. Starke Regenfälle hatten am frühen Freitagmorgen die Lage verschlimmert. Am Samstag regnete es weiter.

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Die Leichen der Verstorbenen wurden zum Teil in Autos gefunden, die weggespült worden waren. Weitere Details zu den Toten wurden zunächst nicht bekanntgegeben. Laut Sheriff Leitha gab es darüber hinaus einen weiteren Todesfall im benachbarten Kendall County. Ob dieser mit den Überschwemmungen in Zusammenhang steht, war zunächst unklar.

Nach Angaben des Vize-Gouverneurs Dan Patrick waren neun Rettungsteams mit rund 500 Einsatzkräften auf der Suche nach den Vermissten. Er hatte zuvor betont, das müsse nicht heißen, dass sie verloren seien – sie könnten zur Sicherheit auch auf Bäume geklettert sein. Die Lage sei unübersichtlich, es gebe keinen Strom und kein Internet.

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In Kerrville mussten Menschen aus ihren Häusern evakuiert werden. Einige hatten Zuflucht in Kirchen oder in einem Walmart-Geschäft, das als Sammelstelle diente, gefunden. Die Behörden forderten die Einwohner auf, in ihren Häusern zu bleiben und sich von Flüssen fernzuhalten.

US-Präsident Trump meldet sich zu Wort und drückt seine Anteilnahme aus

US-Präsident Donald Trump postete am Samstagvormittag auf der Plattform Truth Social: „Melania und ich beten für alle Familien, die von dieser furchtbaren Tragödie betroffen sind.“ Und ergänzte in Versalien: „Gott Segne die Familien und Gott segne Texas!“ Heimatschutzministerin Kristi Noem wird laut Trump bald vor Ort sein.

Die texanische Nationalgarde hat laut Times mit Hubschraubern und Rettungsschwimmern 237 Rettungs- und Evakuierungsaktionen durchgeführt. Dabei konnten bereits 230 Menschen gerettet werden. Das texanische Ministerium habe mitgeteilt, dass durchgehend, auch in der Nacht, im Schichtdienst nach Überlebenden gesucht werde. „Wir werden nicht aufhören, bis wir alle gefunden haben“, versicherte der Gouverneur Bundesstaates Greg Abbott.

Wasserpegel steigt in Texas binnen weniger Stunden auf neun Meter

Es handele sich um „äußerst verheerende und tödliche“ Überflutungen, erklärte der Verwaltungschef des Landkreises Kerr, Rob Kelly, am Freitag. Man arbeite derzeit daran, die Toten zu identifizieren.

Die Polizeibehörde in Texas sprach von einem „katastrophalen Hochwasser”.
Die Polizeibehörde in Texas sprach von einem „katastrophalen Hochwasser”.© -/KSAT/AP/dpa

In der Region war nach Angaben der US-Klimabehörde NOAA in der Nacht auf Freitag der Pegel des Flusses Guadalupe infolge von Niederschlägen binnen weniger Stunden von zwei auf neun Meter gestiegen. Der Wetterdienst rief Bewohner in Flussnähe auf, umgehend höhergelegene Gebiete aufzusuchen. 

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Landkreis-Behördenleiter Kelly erklärte weiter, zwar seien Sturzfluten wie diese üblich in der Gegend, die das „gefährlichste Flusstal der USA“ sei. Die nun erfolgte Überschwemmung sei aber unerwartet gewesen. Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, sicherte die Unterstützung „aller verfügbaren Kräfte“ zu.

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In Texas waren bereits Mitte Juni bei einer Sturzflut im südöstlich von Kerr gelegenen San Antonio mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. 

AFP/dpa/jle/pcl