Deutschland steht in der neuen Woche eine Hitzewelle bevor. Die hohen Temperaturen treffen auf trockene Böden, niedrige Pegelstände und angespannte Verbraucher. Wichtige Fragen und Antworten zur bislang heißesten Woche des Jahres – und was in Zukunft auf Menschen in Deutschland zukommen könnte.

Hitze in Deutschland: Wie heiß wird es?

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach warnt vor Hitze. Die Temperaturen steigen bis zur Wochenmitte weiter an. Der heißeste Tag wird den Vorhersagen zufolge der Mittwoch. In Hamburg kann es dann bis zu 37 Grad heiß werden, zwischen Hannover und Braunschweig sogar bis zu 39 Grad. So hohe Temperaturen werden für Mittwoch auch für Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Teile Bayerns und Berlin vorhergesagt. Das Wetter schreie „nach Sonnenschutz und ruft die empfohlenen Hitze-Verhaltensweisen in Erinnerung: viel trinken, Anstrengung vermeiden und kühle Plätze aufsuchen“, erklärte der Wetterdienst.

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Warum ist die Hitzewelle besorgniserregend?

Weil es vielerorts in Deutschland bereits jetzt zu trocken ist. „Deutschlandweit war es im Jahr 2025 von Anfang Februar bis Ende Mai seit systematischem Aufzeichnungsbeginn 1881 noch nie so trocken“, warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD) bereits vor einigen Wochen.

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Wie schlimm die anhaltende Trockenheit für die Böden zum Teil ist, zeigen neue Daten des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ). Die Forscher aus Leipzig stellen auf Deutschland-Karten die sogenannte Dürre-Intensität dar. „Das Frühjahr 2025 war im deutschlandweiten Vergleich im Boden bis 25cm Tiefe stärker von Dürre betroffen als alle Jahre zurück bis 1950“, heißt es von dort. Regional allerdings gibt es Unterschiede. Während in Teilen Norddeutschlands eine außergewöhnlich geringe Bodenfeuchte im Oberboden herrscht, sind einige Regionen zum Beispiel im Südwesten Deutschlands oder auch in Mitteldeutschland nur wenig von Dürre betroffen.

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Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) äußerte sich gegenüber dieser Redaktion besorgt: „Wir erleben gerade das, was die Klimaforscher immer vorausgesagt haben: Es gibt mehr und intensivere Hitzewellen in Deutschland. Für viele Menschen und Tiere ist das eine große Belastung. Gerade für Kinder und ältere Menschen kann die Hitze lebensbedrohlich sein.“ Helfen könne eine Bebauung, die Schatten spende und Wasser speichere, mehr Bäume und weniger Asphalt. Viele Kommunen gingen hier mit gutem Beispiel voran. Sorgen mache ihm der Wald, knapp ein Fünftel gelte als stark geschädigt. „Der Wald gibt uns Menschen so viel, darum müssen wir dringend mehr für ihn tun“, sagte er.

Deutschland vor Hitzewelle - schrittweise Temperaturanstieg

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    Welche Folgen drohen Schifffahrt und Landwirtschaft?

    Die Binnenschifffahrt auf Deutschlands Flüssen ist zum Teil schon jetzt eingeschränkt: Auf Europas meist befahrener Wasserstraße, dem Rhein, wurde bereits Mitte Mai ein so niedriger Pegelstand wie seit 100 Jahren nicht mehr gemessen. Auch Elbe und Donau melden niedrige Wasserstände. An Bayerns Binnenhäfen mussten Schiffe zum Teil bereits entladen werden, ihre Ladung auf mehrere Schiffe verteilt werden, um den Wasserweg überhaupt noch weiter nutzen zu können.

    Aus der Landwirtschaft gab es bislang noch keine Aussagen zu etwaigen Ernteeinbußen als Folge von Hitze und Trockenheit. Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied will an diesem Montag Details zum diesjährigen Ernteauftakt bekannt geben. Agrarexperte Thomas Herzfeld vom Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) sagte dieser Redaktion, grundsätzlich hingen mögliche wirtschaftliche Auswirkungen von Hitze und Dürre „sehr stark von der entsprechenden Kultur und dem Entwicklungsstadium ab“.

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    Muss Wasser wegen der Hitze rationiert werden?

    Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) hat bereits Bewässerungsverbote im Freizeitbereich bei Hitze und Dürre gefordert. Kommunen sollten solche Entscheidungen vorbereiten, so DStGB-Hauptgeschäftsführer André Berghegger gegenüber den „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Wenn Daten eine „akute Wasserarmut“ belegten, müsse „das Bewässern von Golf- und Tennisplätzen oder Gärten für eine begrenzte Zeitspanne untersagt werden“.

    Erste Landkreise haben Wasserentnahmen aus oberirdischen Gewässern bereits beschränkt – und zum Teil auch schärfere Einschränkungen verhängt: In Niedersachsen etwa dürfen in der Region Hannover seit dem 1. Juni keine öffentlichen und privaten Grünanlagen und auch Sportanlagen nicht mehr bewässert werden – das gilt zwischen 11 und 17 Uhr und nur bei Temperaturen von mehr als 27 Grad.

    Der Präsident des Landkreistags (DLT), Achim Brötel, forderte gegenüber dieser Redaktion in Bezug auf Grundwasser und natürliche Wasserspeicher ein deutlich verbessertes Wassermanagement und auch, Moore wieder in großem Maßstab zu vernässen. „Die großflächige Transformation von Mooren muss allerdings wirtschaftlich tragfähig und sozial akzeptabel sein. Damit diese Transformation gelingt, ist der Bund aufgefordert, verstetigte Förderungen bereitzustellen“, so Brötel. Er forderte die Einrichtung eines „Moor-Transformationsfonds“. Geld dafür könnte aus dem Infrastruktur-Sondervermögen der Bundesregierung kommen.

    Was bedeutet die Hitze für die menschliche Gesundheit?

    Folgen können lebensbedrohlich sein. In den Sommern 2023 und 2024 gab es in Deutschland laut Umweltbundesamt (UBA) jeweils rund 3000 hitzebedingte Todesfälle. Besonders betroffen waren ältere Menschen mit Vorerkrankungen, insbesondere in Städten, wo die Hitzeintensität durch städtische Wärmeinseln noch verstärkt wird.

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    Bürger würden mit gesundheitlichen Folgen der Hitze nicht alleine gelassen, versicherte DLT-Präsident Brötel: „Die Gesundheitsämter der Landkreise beraten Bürger und Gemeinden beim Umgang mit Hitze, gerade in Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Erstellung von Hitze-Aktionsplänen. Wir arbeiten als Heimaufsicht auch eng mit den Pflegeheimen zusammen.“

    Heiße Temperaturen treiben die Deutschen auch an Badeseen, Freibäder und Strände. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) warnte bereits, viele Menschen überschätzten ihre eigenen Schwimmfähigkeiten. Laut der DLRG-Statistik stieg die Zahl der Badetoten innerhalb der Bundesrepublik von 299 im Jahr 2021 auf zuletzt 411 im Jahr 2024. An einem Wochenende Mitte Juni registrierte die Organisation bereits mindestens 15 Tote bei Badeunfällen – laut DLRG war es das tödlichste Wochenende in diesem Jahr und eines der tödlichsten der letzten zehn Jahre.

    Wird die Hitze in den nächsten Jahren noch extremer?

    Zukunftsforscher Kai Gondlach geht davon aus. „Die nächsten Jahre werden aller Voraussicht nach immer wärmer, das bedeutet auch mehr heiße Tage pro Sommer. Das ist gefährlich für ohnehin schon körperlich geschwächte Personen, aber auch die Anzahl chronischer Krankheiten und Allergien steigt in diesem Zusammenhang“, so Gondlach, der an der FU Berlin Zukunftsforschung studiert hat, gegenüber dieser Redaktion.

    Auch Gondlach empfiehlt Städten, jetzt schnell in Klimaanpassung zu investieren, mehr Asphalt in Grünflächen zu verwandeln und ihren Beitrag zur Verkehrs- und Bauwende zu liefern. Die Hitze hat dem Zukunftsforscher zufolge aber auch Folgen für die Lebensmittelsicherheit im Land. „Die Landwirtschaft ächzt zunehmend unter Dürren oder Überschwemmungen, somit ist auch die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln ein wachsendes Problem“, so Gondlach weiter.