Die Bergungsaktion ist spektakulär und heikel zugleich: Zehn Monate nach dem Untergang der Luxusjacht „Bayesian“ mit sieben Todesopfern vor der Küste Siziliens ist der Rumpf der Superjacht am Samstag aus dem Wasser geborgen worden. Die in der Nacht des 19. August vergangenen Jahres nahe Palermo gesunkene Jacht wurde von den Schiffskränen Hebo Lift 10 und Hebo Lift 2 vollständig gehoben, wie auf Videoaufnahmen zu sehen ist.

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Die Saugpumpen wurden in Betrieb genommen, um den Rumpf der „Bayesian“ vom Wasser zu befreien. So sollen Schäden und Verschmutzung am Wrack vermieden werden. Danach soll das Boot aufgerichtet und mit einem Kran gehoben werden. Der Mast der „Bayesian“, der diese Woche zur Erleichterung der Bergungsarbeiten gekappt wurde und noch auf dem Meeresgrund liegt, soll zwischen Sonntagnachmittag und Montagmorgen geborgen und dann in den Hafen von Termini Imerese gebracht werden.

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An Bord eines Patrouillenboots beobachteten der sizilianische Staatsanwalt Raffaele Cammarano sowie Beamte der Hafenbehörde von Palermo die Arbeiten. Cammarano koordiniert die Ermittlungen zum Schiffsunglück. Seine Behörde erhofft sich von der Bergung Aufschluss darüber, warum das für unsinkbar erklärte Schiff untergehen konnte.

Bergung unter strengen Umweltauflagen vorbereitet

In der Nähe des Bergungsgebiets waren mehrere Patrouillenboote der Hafenbehörde unterwegs,

Die Hafenbehörde war auch mit mehreren Schiffen im Einsatz, um sicherzustellen, dass kein Treibstoff aus der „Bayesian“ ausläuft und das Gebiet rund um den Unglücksort verseucht. Einige Ölflecke, die aus dem Wrack geflossen waren, wurden von den Schiffen aufgesaugt.

Luxusjacht «Bayesian» von Meeresgrund gehoben
Die Behörden erhoffen sich von der aufwändigen Bergung Aufschluss über das Unglück mit sieben Toten.© Salvatore Cavalli/AP/dpa | Salvatore Cavalli

Techniker der regionalen Umweltbehörde waren vor Ort. Der Einsatz von Drohnen, die mit Infrarot-Kameras auch kleinste Verschmutzungen entdecken können, unterstützte die Bergung zusätzlich.

Am Sonntag soll ein Schiffskran die „Bayesian“ zum sizilianischen Hafen Termini Imerese schleppen. Dort wird die Jacht in eine speziell angefertigte Stahlwiege gehoben. Die „Bayesian“ hatte etwa 50 Meter unter der Meeresoberfläche auf Grund gelegen.

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„Bayesian“-Unglück mit sieben Toten: Ermittler hoffen auf Antworten durch Bergung

Die Segeljacht war am 19. August 2024 gesunken und lag seitdem auf dem Meeresgrund in einer Tiefe von etwa 50 Metern. Für das Heben der 56 Meter langen „Bayesian“ wurden insgesamt acht Haupthebeschlingen installiert. Allein vier davon wurden unter dem Bug platziert. Alle acht Schlingen sind Teil eines speziell entwickelten Hebesystems aus Stahlseilen, das für den Einsatz mit einem der leistungsfähigsten maritimen Kräne Europas konzipiert wurde.

Die Behörden erhoffen sich von der Bergung Aufschluss über die Unglücksursache. Die Katastrophe hatte weltweit Schlagzeilen gemacht. Beim Schiffsunglück kamen sieben Personen ums Leben, darunter der britische Tech-Milliardär Mike Lynch und seine 18-jährige Tochter. 15 Personen konnten sich retten.

Mehrere Schiffe und zwei Spezialkräne waren im Einsatz.
Mehrere Schiffe und zwei Spezialkräne waren im Einsatz.© AFP | ALESSANDRO FUCARINI

Die Staatsanwaltschaft von Termini Imerese ermittelt weiterhin wegen des Schiffsunglücks gegen drei Personen: den neuseeländischen Kapitän, den britischen technischen Offizier und einen französischen Matrosen. Die Anklage lautet: fahrlässige Tötung. Ihnen wird zur Last gelegt, Sturmwarnungen ignoriert und sich selbst in Sicherheit gebracht zu haben, ohne sich um andere zu kümmern.

Zu den Zeugen, die nach dem Unglück befragt wurden, zählt der Hamburger Schiffskapitän Karsten Börner. In der Unglücksnacht befand er sich an Bord der niederländischen Jacht „Sir Robert Baden Powell“, nicht weit von der „Bayesian“ entfernt. Er hatte die 15 Überlebenden in seiner Schaluppe aufgenommen. 

Nach einem britischen Expertenbericht kenterte die Jacht infolge extremer Wetterbedingungen. Bei einem starken Gewitter erreichte der Wind eine Geschwindigkeit von knapp 130 Kilometern pro Stunde, was die Jacht in weniger als 15 Sekunden umwarf. Dafür sei das Schiff nicht ausgerüstet gewesen, heißt es in dem Bericht. Diese bauliche Schwäche sei aber weder dem Besitzer noch der Mannschaft bewusst gewesen. Die „Bayesian“ war in Großbritannien registriert.

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Nach Tod eines Tauchers: Bergung hatte sich monatelang verzögert

Die Bergung der Jacht hatte sich monatelang hinausgezögert. Ursprünglich war die Hebung im April geplant, doch das schlechte Wetter hatte zu Verzögerungen geführt. Zusätzlich musste man nach dem Tod eines niederländischen Tauchers während der Bergungsarbeiten am 9. Mai eine Untersuchung einleiten, in der gegen drei Mitarbeiter des niederländischen Unternehmens Smit Salvage, für das das Opfer arbeitete, ermittelt wird.

Gegen die drei könnte Anklage wegen Totschlags und Verstoßes gegen die Arbeitssicherheitsvorschriften erhoben werden. Nach dem Unglück beschloss die mit der Bergung beauftragte Firma auf Taucher zu verzichten und aus Sicherheitsgründen lediglich Roboter einzusetzen, sodass die Firma nun den Bergungsplan neu festlegen musste, was zu weiteren Verzögerungen der Bergung führte.