Fast neun Monate liegt die „Bayesian“ schon vor Sizilien auf dem Meeresgrund. Die diese Woche geplante Bergung der Luxusyacht, die im Sommer 2024 in einem Sturm vor der italienischen Küste gekentert war, wurde nach dem tödlichen Unfall eines niederländischen Tauchers vorübergehend ausgesetzt. Doch die Ermittlungen zu den Ursachen des plötzlichen Schiffsuntergangs in der Bucht von Porticello laufen weiter – und liefern zuletzt neue Erkenntnisse.

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Laut britischer Experten könnte extremer Wind könnte die Yacht zum Kentern gebracht haben. Das geht aus einem vorläufigen Bericht der britischen Untersuchungsbehörde für Schiffsunglücke hervor, wie die britische Nachrichtenagentur PA meldete. Zum Zeitpunkt des Unglücks habe der Wind Geschwindigkeiten von knapp 130 Kilometern pro Stunde erreicht und die Yacht damit in weniger als 15 Sekunden umgeworfen, hieß es weiter.

Die Untersuchung zum Unglückshergang wird vom britischen Marine Accident Investigation Branch (MAIB) geleitet, weil die Jacht in Großbritannien registriert war.

Kaputte Fensterscheibe ließ Yacht schneller sinken

Angaben der Ermittler zufolge könnte eine kaputte Fensterscheibe den raschen Untergang begünstigt haben. Dabei handelt es sich um das Sicherheitsfenster, das den Maschinenraum vom Kontrollraum trennt. Der Schaden wurde in einem Video dokumentiert, das von einem der Taucher während der Bergungsarbeiten aufgenommen wurde.

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Das Wasser könnte den Maschinenraum noch vor dem Kontrollraum geflutet und so hydrostatischen Druck erzeugt haben, so die Theorie der Ermittler. Es bestehe also die Möglichkeit, dass Wasser in die Yacht eingedrungen sei, noch bevor der Sturm begann. Dieser Umstand könnte erklären, warum die Bayesian so plötzlich und ungewöhnlich schnell sank.

Luxusyacht „Bayesian“: Ermittler sehen Hinweise auf technisches Versagen

Die neue Theorie könnte auch mit dem Rätsel um den 72 Meter hohen Mast der Yacht zusammenhängen. Er war während des Sturms beleuchtet, dann gingen die Lichter plötzlich aus. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass der Generator im Maschinenraum ausgefallen sei, wie aus Ermittlerkreisen hervorgeht.

Demnach wäre eine Windgeschwindigkeit von etwa 117 Kilometern pro Stunde ausreichend gewesen, um das Schiff auch ohne gesetzte Segel zum Umkippen zu bringen. Diese bauliche Schwäche sei aber weder dem Besitzer noch der Mannschaft bewusst gewesen, weil sie der Stabilitätsdokumentation nicht zu entnehmen gewesen sei.

Die Staatsanwälte prüfen weiterhin die Aussagen des Hamburger Kapitäns Karsten Börner, der in der Unglücksnacht mit der niederländischen Yacht „Sir Robert Baden Powell“ ganz in der Nähe war. Mit seinem Beiboot konnte er 15 der 22 Menschen an Bord retten. Er wurde nach dem Unglück lange als Zeuge befragt. Börner betonte im Gespräch mit unserer Redaktion, dass der plötzliche Untergang des Schiffes seiner Ansicht nach nicht auf einen Fehler der Crew zurückzuführen sei. Gegen drei Crewmitglieder wird zurzeit ermittelt, eine Anklage steht noch aus.

Ein gelber Lastkahn schwimmt auf der Meeresoberfläche
Das Schiff, das vor der italienischen Mittelmeerinsel in etwa 50 Metern Tiefe liegt, soll bis Mitte Juni nach oben gebracht werden© Alberto Lo Bianco/IPA via ZUMA Press/dpa | Alberto Lo Bianco

Untersuchung zum Yacht-Unfall: Augenzeuge vermutet Problem mit Mast

Kapitän Börner hält indes einen technischen Defekt der „Bayesian“ für wahrscheinlicher als menschliches Versagen. „Meiner Meinung nach ist es realistisch, was Experten laut einer Analyse der Tageszeitung ‚New York Times‘ berichtet haben“, sagt er. „Und zwar, dass die ‚Bayesian‘ wegen der Größe des Mastes – damals der höchste der Welt – und der dafür erforderlichen Statik gesunken sein könnte.“ Die Yacht der italienischen Werft Perini Navi hatte mit über 72 Metern einen außergewöhnlich hohen und 40 Tonnen schweren Aluminiummast. Andere Boote derselben Klasse sind mit zwei Masten ausgestattet.

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Inzwischen findet am Mittwoch die Obduktion des niederländischen Tauchers statt, der bei den Bergungsarbeiten ums Leben gekommen ist. Taucher der Küstenwache, die von den Richtern mit der Untersuchung beauftragt wurden, erreichten am Mittwoch das Wrack, um eine Reihe von Untersuchungen zum Tod des 39-jährigen Tauchers durchzuführen.

mit dpa