Es war ein Ereignis, das im letzten Sommer Schlagzeilen in der ganzen Welt machte: Die Superyacht „Bayesian“ war vor Sizilien untergegangen. Am 19. August verloren der Tech-Milliardär Michael Lynch, seine Tochter Hannah (18) und weitere fünf Menschen ihr Leben. Nun haben die Arbeiten begonnen, um das Schiff, das vor der italienischen Mittelmeerinsel in etwa 50 Metern Tiefe liegt, zu bergen.

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Das Manöver, das bis Juni dauern soll, gilt als extrem kompliziert. Der Schwimmkran „Hebo Lift 10“ ist im Hafen von Termini Imerese nahe Palermo eingetroffen, um die „Bayesian“ vom Meeresgrund zu bergen. Er wurde mit einem der leistungsstärksten Kräne für Einsätze im Meer aus Rotterdam angeliefert, wie die Hafenbehörde von Palermo mitteilte.
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Auch ein zweites Schiff ist im Einsatz. Dabei handelt es sich um den schwimmenden Mehrzweckponton „Hebo Lift 2“, der bereits am Donnerstag im Hafen der Stadt Termini Imerese nahe Palermo eingetroffen ist. Etwa 80 Fachleute wurden aus ganz Europa nach Sizilien entsandt, um an der heiklen Bergung zu arbeiten.
„Bayesian“: Warum der Schiffsmast für immer im Wasser bleiben soll
Die Bergungsarbeiten finden etwa 900 Meter entfernt vom Ufer statt. Das gesunkene Segelschiff hat einen Aluminiumrumpf und einen der höchsten Masten der Welt. Vor der Hebung des Wracks soll aus Sicherheitsgründen der Mast gekappt werden. Der 72 Meter hohe Mast der „Bayesian“ soll für immer im Wasser bleiben.
„Wir haben drei Ziele: Die Sicherheit des Personals zu gewährleisten, die Meeresumwelt zu schützen und das Wrack sicher zu bergen. Alles verläuft nach Plan“, sagte Marcus Cave, Direktor der Firma Tmc Marine, die mit der Bergung beauftragt wurde.
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Das Areal vor Porticello nahe Palermo, wo die „Bayesian“ untergegangen war, wurde derweil abgesperrt. Diese Absperrung wird bis zum Ende der Arbeiten bleiben. In einem Umkreis von 650 Metern gilt ein striktes Bade-, Überflugs-, Angel- und Segelverbot. Streng untersagt ist auch anzulegen, zu tauchen und unter Wasser zu filmen.

Die Kosten für die Bergung sind immens: Sie werden auf bis zu 30 Millionen Euro geschätzt. Das Schiff war über zwei Policen versichert, die Schäden von bis zu zwei Milliarden Euro abdecken, so die Behörden. Die Bergungskosten übernimmt die Eigentümerfirma, die Lynchs Witwe gehört. Sie war ebenfalls auf dem Schiff und überlebte. Gebaut wurde die Yacht von der italienische Werft Perini Navi, die später von der börsennotierten Gesellschaft „The Italian Sea Group“ (TISG) übernommen wurde.
Geheimnisse umwittern „Bayesian“: Gibt es Verbindungen zum Geheimdienst?
Die als „unsinkbar“ deklarierte 56-Meter-Yacht war während eines Unwetters in der Nacht untergegangen – innerhalb einer Viertelstunde nur. 15 Crewmitglieder waren von dem Hamburger Kapitän Karsten Börner gerettet worden, der sich in der Unglücksnacht an Bord der niederländischen Yacht „Sir Roberto Baden Powell“ und nicht weit von der „Bayesian“ befand. Der Kapitän schließt aus, dass eine Unachtsamkeit der Crew zum Untergang der „Bayesian“ beigetragen haben könnte. Vielmehr meint er, dass ein technisches Problem den schnellen Untergang der „Bayesian“ verursacht habe.
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Um den Untergang der Luxusyacht ranken sich viele Spekulationen. Von der Bergung erhofft sich die Staatsanwaltschaft Aufschluss darüber, wie es zum raschen Sinken kommen konnte. Das Schiff gehörte dem britischen Software-Milliardär Lynch, der auch Verbindungen zu Geheimdiensten hatte. Im Safe des Schiffes könnten sich vertrauliche Dokumente befinden. Vor allem britische Zeitungen spekulieren, dass sich an Bord des Schiffs Tresore befinden, in denen zwei streng verschlüsselte Festplatten sowie Geheimpapiere liegen.
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Gegen den Kapitän und zwei weitere Mitglieder der Besatzung wird wegen fahrlässiger Tötung und Schiffbruchs ermittelt. Gegen sie gibt es Vorwürfe, die Warnungen vor einem Unwetter ignoriert und sich dann nur selbst in Sicherheit gebracht zu haben. Es geht aber auch um die Frage, ob die italienische Herstellerfirma eine Schuld am Untergang des Schiffs trägt.
„Bayesian“-Bergung: So sieht jetzt der Zeitplan aus
Die Bergung sollte eigentlich schon an Ostern beginnen, wurde aber mehrfach verschoben. So ist man mit dem Zeitplan jetzt schon in Verzug: Der ursprüngliche Termin für eine Bergung bis Mitte Mai ist nicht mehr zu halten. Die Hafenbehörden vermuten, dass die Aktion 20 bis 25 Arbeitstage dauern wird. Anschließend soll das Schiff in den Hafen von Termini Imerese nahe Palermo gebracht werden, wo auch die Staatsanwaltschaft ihren Sitz hat. Informationen über die Bergung können für die Ermittlung nützlich sein.




