Es ist eine ländliche Idylle, in der die portugiesische und die deutsche Polizei nach neuen Spuren im Fall Madeleine sucht. Man sieht Olivenbäume, Natursteinmauern, Weidenzäune und weiße ländliche Gebäude im Hintergrund. Dazwischen wurden Zelte aufgebaut, in denen sich eine mobile Einsatzzentrale befindet. Alle Zufahrtswege sind mit Absperrgittern und Polizeifahrzeugen blockiert.

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Dieses Gebiet liegt rund einen Kilometer östlich vom portugiesischen Algarve-Urlaubsort Praia da Luz (Kreis Lagos), in dem vor 18 Jahren, am 3. Mai 2007, die kleine Madeleine spurlos verschwand. Die Polizei vermutet schon länger, dass Madeleine nicht mehr lebt. Die Gegend ist dünn besiedelt, was sie für die Ermittlungen besonders relevant macht bei der Suche nach verborgenen Verstecken. 

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Deutsche Ermittler hoffen auf Durchbruch

Auch Ermittler des deutschen Bundeskriminalamts befinden sich vor Ort, berichtet der portugiesische TV-Sender SIC. Sie unterstützen die portugiesische Polizei, die mit einem Großaufgebot die Suchaktion leitet. Die Hoffnung der Beamten: Hinweise auf die Leiche Madeleine McCanns zu finden – und damit endlich eine Antwort auf eine Frage: Was geschah mit Madeleine? 

Die großangelegte Operation, die an diesem Montag begann und bis Ende der Woche dauern soll, wurde von den deutschen Ermittlungsbehörden initiiert. Im Zentrum steht erneut Christian B., ein mehrfach vorbestrafter Sexualstraftäter aus Deutschland. Er gilt seit 2020 als Hauptverdächtiger. Obwohl er bis heute im Fall Madeleine nicht angeklagt wurde, hält ihn die federführende Staatsanwaltschaft in Braunschweig für den Mann, der möglicherweise die damals dreijährige Britin in Praia da Luz entführt und getötet hat.

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Suche an früherem Wohnort des Verdächtigen

Im Zuge der aktuellen Aktion durchkämmen die Beamten nach portugiesischen Medieninformationen insgesamt 21 ländliche Grundstücke – auf der Suche nach Brunnen, Ruinen oder Erdlöchern, an denen eine Leiche verborgen worden sein könnte. Ausgangspunkt ist ein Haus, das B. zum Zeitpunkt von Madeleines Verschwinden in dieser Gegend bewohnt hatte. 

Neue Suche nach Maddie in Portugal
Portugiesische und deutsche Polizisten suchen im Zusammenhang mit dem Verschwinden der britischen, damals drei Jahre alten Madeleine McCann im Jahr 2007 in der Nähe von Lagos im Süden Portugals das Gelände.© James Manning/PA Wire/dpa | James Manning

Der 48 Jahre alte Christian B. sitzt derzeit in Deutschland noch eine Haftstrafe wegen der Vergewaltigung einer damals 72-jährigen Amerikanerin in Praia da Luz ab – dem Ort, an dem Madeleine verschwand. Nach derzeitigem Stand könnte B. spätestens Ende dieses Jahres aus der Haft entlassen werden und ein freier Mann sein. Die Zeit drängt also, um handfeste Beweise im Fall Madeleine zu finden.

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In einem weiteren Prozess um drei Vergewaltigungen und zwei Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch ebenfalls an der portugiesischen Algarve war B. im Oktober 2024 vom Landgericht Braunschweig freigesprochen worden, weil die Beweise nicht ausreichten, um ihn zu verurteilen. Dieser Freispruch ist aber noch nicht rechtskräftig, da die Staatsanwaltschaft Revision einlegte. 

Neue Durchsuchungen – doch Details bleiben geheim

Auch wenn B. jede Verwicklung in das Verschwinden von Madeleine bestreitet, haben die deutschen Ermittler die Hoffnung, mit den neuen Durchsuchungen weiterzukommen. Einzelheiten wurden aber bisher nicht mitgeteilt. 

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig bestätigte lediglich: „Im Rahmen der Ermittlungen im Fall Madeleine McCann finden gegenwärtig strafprozessuale Maßnahmen in Portugal statt. Die Maßnahmen werden im Wege der Rechtshilfe durch die portugiesischen Strafverfolgungsbehörden mit Unterstützung durch Beamte des Bundeskriminalamtes umgesetzt. Nähere Informationen zu den Hintergründen werden derzeit nicht herausgegeben.”

Madeleine McCann verschwand am 3. Mai 2007 in  Praia da Luz, Portugal.
Madeleine McCann verschwand am 3. Mai 2007 in Praia da Luz, Portugal.© AFP | HANDOUT

Portugals Kripo erklärte zum Hintergrund der internationalen Polizeioperation: „Ziel ist die Durchführung einer Reihe umfangreicher Maßnahmen, insbesondere im Rahmen von Durchsuchungsbefehlen, die zwischen dem 2. und 6. Juni im Kreis Lagos stattfinden. Alle von der portugiesischen Polizei sichergestellten Beweismittel werden den Beamten des deutschen Bundeskriminalamts übergeben.”

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Seit 18 Jahren fehlt jede Spur von Madeleine

Weiter heißt es: „Der Durchsuchungsbefehl wurde von der Staatsanwaltschaft Braunschweig erlassen, die ein Vorverfahren gegen einen Deutschen leitet, der im Verdacht steht, die britische Staatsbürgerin Madeleine Beth McCann getötet zu haben. Sie verschwand am 3. Mai 2007 aus einer Ferienanlage in Praia da Luz.”

Das Schicksal Madeleines hatte international große Aufmerksamkeit erregt. Madeleine McCann verschwand spurlos aus einem Apartment, während ihre Eltern im nahegelegenen Restaurant zu Abend aßen. Jahrelang wurde nach dem Mädchen gesucht. Ihre Eltern Kate und Gerry McCann wurden zwischenzeitlich zu Verdächtigen erklärt – und später entlastet. Am 12. Mai 2025 wäre Madeleine 22 Jahre alt geworden.

2020 erklärte die Staatsanwaltschaft Braunschweig Christian B. zum Hauptverdächtigen. Zuvor hatte sich ein Bekannter von B. bei der Polizei gemeldet und diesen belastet. B. habe ihm gegenüber damit geprahlt, „alles über Madeleine zu wissen“. Zudem habe ihm B. auf dem Handy Videos mit Darstellungen sexuellen Missbrauchs gezeigt. 

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Ermittlungen deckten zudem auf, dass B.s Handy zur Tatzeit mit einem Funkmast in unmittelbarer Nähe jener Ferienanlage verbunden war, aus der Madeleine entführt worden war. Die weiteren Untersuchungen bestärkten den Verdacht, dass der vorbestrafte Sexualtäter B. etwas mit Madeleine zu tun haben könnte: B. wohnte viele Jahre an der Algarve – sogar in der Nähe von Praia da Luz. Trotzdem reichten die Beweise bisher nicht für eine Anklage im Fall Madeleine.