Gladiatoren-Shows im Kolosseum? Nein danke. Die italienische Hauptstadt Rom will künftig Schaukämpfe für Touristen in dem altrömischen Amphitheater verbieten. Inzwischen befasst sich sogar das Parlament in Rom mit einer nächtlichen Geheim-Show, die das Internet-Portal AirBnB in dem historischen Wahrzeichen Roms organisiert hat. Demnach durften 16 Touristen im MaiSchaukämpfen mit Rauch und Feuer zuschauen. Sie hatten bei einer AirBnB-Lotterie gewonnen. Die antike Arena wurde nach Sonnenuntergang nur für die 16 Gäste geöffnet. Die Auslosung für die Plätze hatte im vergangenen Jahr auf einer Internet-Plattform stattgefunden.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die 16 Gäste mussten ihre Handys abgeben und durften keine Fotos machen. Damit sollte das Spektakel wohl geheimgehalten werden, wie Medien berichteten. Doch durch Bewertungen von Teilnehmern wurde es nun doch öffentlich. „Das Kolosseum ganz für uns, was für eine einmalige Erfahrung!“, kommentierte ein Gast im Internet. 900.000 Euro kassierte der archäologische Park des Kolosseums von AirBnB. Das Geld soll Renovierungsarbeiten dienen.

Auch interessant

Rom: Bürgerinitiativen laufen Sturm gegen Unternehmen wie AirBnB

Aus der Bevölkerung gab es an der Vereinbarung trotzdem Kritik. AirBnB wird – wie anderen Internet-Plattformen – zur Last gelegt, dass durch die Kurzzeit-Vermietung von Wohnungen bezahlbarer Wohnraum knapp wird. In Rom ist die Lage besonders extrem. Bürgerinitiativen sind empört und liefen gegen die AirBnB-Kampagne Sturm. Ein weiterer Vorwurf ist auch, das Unesco-Weltkulturerbe in einen Freizeitpark (“Disneyland“) zu verwandeln.

Spannende Achäologie-Artikel – für Sie recherchiert

Die Stadtverwaltung Rom hatte die Betreiber des Kolosseums zuvor vergeblich aufgefordert, die Show zu stoppen, die „geschmacklos und schädlich für den Respekt und die historische Würde“ des Monuments sei. Mit einem Dringlichkeitsantrag, der von verschiedenen Fraktionen unterstützt wird, soll nun erreicht werden, dass das wichtigste Wahrzeichen des antiken Roms nicht länger zu einem „Vergnügungspark“ wird, der nach Belieben für kommerzielle Zwecke gemietet werden kann.

Lesen Sie auch: Forscher finden fünf Blutsverwandte von Leonardo da Vinci

Mit etwa sieben Millionen Touristen pro Jahr gehört das Kolosseum heute zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Welt. Erbaut wurde die antike Arena, die früher bis zu 70.000 Zuschauern Platz bot, zwischen 72 und 82 nach Christus. Die letzten echten Gladiatorenkämpfe in dem Amphitheater fanden jedoch im fünften Jahrhundert statt. Das Kolosseum wurde zuletzt immer wieder von Schauspieler Russel Crowe besucht, der mit Rom besonders verbunden ist, seitdem er die Rolle des Maximus Decimus Meridius in „Gladiator“ spielte. Die Hauptrolle in „Gladiator“ aus dem Jahr 2000 hatte Crowe einen Oscar als bester Schauspieler eingebracht.

Kampf gegen die „Gladiatoren“: Was die Stadt Rom an den Touristenattraktionen am meisten stört

Gladiatoren haben einst mit Löwen gerungen, Schlachten nachgespielt oder sich gegenseitig brutal ermordet – zur Belustigung anderer. Sie waren Sklaven und kämpften vor den Bürgern Roms für ihre Freiheit. Moderne Gladiatoren sorgen nicht nur im Kolosseum, sondern auch vor dem Monument immer wieder für Ärger. Als altrömische Kämpfer verkleidete Männer, die sich gegen Entgelt mit Touristen fotografieren lassen, werden immer wieder beschuldigt, Touristen zu zwingen, sie für Fotos vor dem Kolosseum zu bezahlen.

Doch die Verantwortlichen der Stadt Rom versuchen seit Jahren, die Zahl der „Gladiatoren“ vor dem Kolosseum zu beschränken. Sie zahlen keine Steuern, kritisiert die Gemeinde. Wer für die Touristen als „Gladiator“ oder „Zenturio“ (altrömischer Offizier) am Kolosseum oder auf dem Forum Romanum posieren will, solle eine Lizenz vorweisen, lautete ein Vorschlag der Stadtverwaltung, der jedoch nie umgesetzt wurde.