Fünf Männer, der jüngste 40 Jahre alt, der älteste 90 – sie alle teilen das Erbgut Leonardo da Vincis (1452-1519), dessen Genie bis heute in ihnen weiterlebt. Es ist das spektakuläre Ergebnis einer DNA-Analyse, die Forscher der Leonardo Da Vinci Heritage Association (Vinci) im Rahmen des „Leonardo DNA Projects“ der Rockefeller University in New York angestellt haben. Federführend waren die Vinci-Experten Alessandro Vezzosi, ein gut vernetzter Maler und Kunstkritiker, und seine Mitarbeiterin Agnese Sabato. Die Erkenntnisse zu da Vincis genetischem Code hat das Team nun in einem Buch („Genìa Da Vinci“) veröffentlicht.

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Bereits 2021 hatten die Forscher mehr als zehn Männer ausgemacht, die von da Vincis Vater, dem toskanischen Notar Ser Piero d‘Antonio (1427-1504), und Halbbruder Domenico Benedetto abstammen. Wie sich letztlich herausstellte, leben vier von ihnen bis heute in der Toskana, ganz in der Nähe von Vinci, dem Geburtsort des berüchtigten Künstlers und Erfinders.
Die Informationen über die lebenden Nachfahren sind spärlich, um ihre Privatsphäre zu schützen. Aber doch so viel: Es sind zwei Büro-Angestellte, ein Stahlarbeiter und ein Handwerker. Der Älteste von ihnen ist Jahrgang 1936 und genießt sein Rentnerdasein. Ein sechster Träger der da Vinci-Gene ist bereits verstorben. Sie ausfindig zu machen, schien lange unmöglich.
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Die „Rekonstruktion von da Vincis genetischem Profil“, wie die Forscher es nennen, war bisher durch den Umstand erschwert worden, dass dessen sterbliche Überreste seit dem frühen 19. Jahrhundert als verschollen gelten, wie das Wissenschaftsportal „Scinexx.de“ berichtet. Da Vinci war 1519 im französischen Amboise beigesetzt worden, doch die Klosterkirche dort wurde 1807 abgerissen. Eine direkte Genanalyse ist daher unmöglich und die Forscher mussten auf seine männlichen Verwandten zurückgreifen.
Hinzu kommt, dass Da Vinci selbst keine Kinder hatte. Da jedoch das männliche Y-Chromosom weitgehend unverändert vom Vater an den Sohn weitergegeben wird, können selbst Gensequenzen weit zurückliegender Vor- und Nachfahren nachvollziehbar bleiben. In diesem Fall setzten die Forscher bei da Vincis Vorfahren Michele da Vinci an, der um 1331 starb, und verfolgten somit die männliche Linie der da Vincis bis in die Gegenwart. Das bedeutet: Das Y-Chromosom der fünf toskanischen Männer könnte DNA-Abschnitte enthalten, die vor mehr als 500 Jahren auch der Schöpfer der „Mona Lisa“ und des „Abendmahls“ in seinem Erbgut trug.

Weitere wertvolle Daten könnten den Wissenschaftlern zufolge einem Familiengrab entnommen werden, das in der Kirche Santa Croce in Vinci entdeckt wurde. Dort finden derzeit archäologische Ausgrabungen unter der Leitung der Universität Florenz statt. Verwandte Leonardos könnten demnach dort bestattet worden sein – vom Großvater bis zu seinen zahlreichen Halbbrüdern. Ein erstes Grab wurde bereits entdeckt: Die Anthropologen Alessandro Riga und Luca Bachechi haben Knochenfragmente geborgen, einige davon wurden mittels Radiokarbonmethode datiert. Die vorläufigen Analysen weisen auf eine männliche Person hin.
„Es werden weitere Analysen notwendig sein, um zu beurteilen, ob die aus dem Fund extrahierte DNA-Sequenzen ausreichend erhalten ist. Je nach Ergebnis könnten wir dann mit Analysen des Y-Chromosoms zur Abgleichung mit den heutigen Nachkommen fortfahren“, hieß es aus dem Kreis der Forscher. „Auf jeden Fall müssen wir weitere Proben gewinnen und Informationen über mögliche weitere Gräber männlicher Verwandter Leonardos finden.“
Forscher erhoffen sich Erkenntnisse über da Vincis Gesundheit
Die Technologie könnte künftig auch zur Sequenzierung der DNA anderer Prominenter genutzt werden. Die Experten Vezzosi und Sabato erhoffen sich jedoch zunächst einmal weitere genetische Informationen über da Vinci. Denn längst nicht alle Spuren sind mit seinem Leichnam verloren gegangen. Die Forscher analysierten DNA-Proben auf seinen Manuskripten, wie „Scinexx.de“ berichtet. „Selbst ein Fingerabdruck auf einer Seite könnte Zellen hinterlassen haben, die sich sequenzieren lassen“, erklärte Projektleiter Jesse Ausubel von der Rockefeller University in New York. Allerdings könnten die neuen DNA-Proben seiner Verwandten dabei helfen, fremde Abdrücke von denen da Vincis zu unterscheiden.
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„Mit den Informationen, die wir sammeln, können wir die biologischen Wurzeln von Leonardos einmaligen Eigenschaften, seiner Kreativität und vielleicht auch die Ursachen seines Todes besser verstehen“, erklärten die Forscher bei der Präsentation der Studienergebnisse in Florenz. So erhoffen sie sich sogar Rückschlüsse auf seine Ernährungsweise oder seine gesundheitliche Veranlagung.
Die Auswertung von da Vincis Familiengeschichte über 690 Jahre und 21 Generationen ergab darüber hinaus einige interessante Details über seine Verwandten: Demnach war da Vincis Großvater wohl doch kein Bauer, sondern ein weitgereister Händler. Seine Mutter soll, ebenfalls anders als bisher angenommen, keine Magd gewesen sein, sondern eine Sklavin – was eine zuvor umstrittene Theorie bestätigen würde.







