Am Ende konnte selbst Altmeister Raab nicht helfen: Katerstimmung nach dem ESC, Deutschland ist enttäuscht. Schon wieder. Nur Platz 15, trotz eines tollen Auftritts von Abor & Tynna. Klar, „wir“ sind nicht letzter. Aber kann das schon genug sein?

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Vor allem, nachdem Raab vor dem Eurovision Song Contest nicht mit Ehrgeiz gespart hatte. Noch kurz vor dem Finale rechnete er öffentlich mit einem Sieg. Für den ESC-Kenner ist das Ergebnis ein Debakel. Schon seine RTL-Show „Du gewinnt hier nicht die Million“ brachte nicht den erhofften Erfolg und wurde erst kürzlich abgesetzt. Nun ein weiterer Rückschlag. Mehr und mehr drängt sich der Eindruck auf: Raab kann es nicht mehr.

Es wirkt, als hätte er seine Magie verloren. In der Zeit, in der er sich vom TV-Geschäft zurückgezogen hatte, hat sich die Welt weitergedreht. Und die deutsche Fernsehwelt dreht sich nicht mehr um Stefan Raab. Die Zeit des Entertainers scheint endgültig vorbei.

Deutschland als ESC-Loser: Die Gründe sind vielfältig

Oder kann es vielleicht Deutschland nicht? Es mag viele Gründe geben, die trotz guter Beiträge immer wieder für schlechte Platzierungen sorgen. Deutschland ist ein Land mit ramponiertem Ruf, mit verstaubten öffentlich-rechtlichen Sendern, die Innovation oft eher verhindern als fördern. Und mit einem Publikum, das die Liebe zum ESC verloren hat.

Helfen kann dagegen nur eine Radikal-Kur: Deutschland muss endlich Konsequenzen ziehen. Wie das geht, hat Italien eindrucksvoll vorgemacht: 1998 zog sich das Land vom Eurovision Song Contest zurück, verzichtete für einige Zeit auf die Teilnahme. Währenddessen erfand man sich neu. Seit 2011 ist Italien wieder da und landete seitdem nur zweimal außerhalb der Top Ten.

Martin Nefzger
Martin Nefzger ist Online-Redakteur in der FUNKE Zentralredaktion.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Radikale ESC-Kur für Deutschland: Die Zeit zu handeln ist jetzt!

Diesen Weg muss auch Deutschland gehen. Jetzt, wo der SWR innerhalb der ARD die ESC-Verantwortung vom NDR übernimmt, ist dafür der perfekte Zeitpunkt. Ein Rückzug wäre keine Kapitulation, sondern eine Chance. Ohne den Druck des großen Contests könnte ein eigener Musikwettbewerb entstehen: national, künstlerisch frei, professionell. So wie es Spanien mit dem Benidorm Fest oder Italien mit dem Sanremo-Festival vormachen. Dieser Wettbewerb könnte dann irgendwann zu einem neuen, erfolgreicheren ESC-Vorentscheid werden und das große Comeback Deutschlands auf der ESC-Bühne ermöglichen.

Klar: Für ESC-Fans wäre das eine bittere Pille. Aber ehrlich gesagt – was ist bitterer? Ein Abschied auf Zeit oder jedes Jahr aufs Neue ein Debakel?