Es ist immer das gleiche Spiel. Ein reicher, mächtiger Mann wird wegen sexueller Belästigung verurteilt und die Menge jubelt. Keine Frage, es ist wichtig und richtig, dass jeder Mensch, der eine Straftat begangen hat, auch rechtliche Konsequenzen erfährt. Doch das Übel findet hier nicht das Ende, indem man einfach den Übeltäter, in diesem Fall Gérard Depardieu, aus dem Weg räumt. Zumal das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, Depardieu will es anfechten.

Gérard Depardieu: Seine Bewährungsstrafe ist nicht genug

Der französische Schauspieler hat nachweislich Frauen sexuell belästigt, soll Kollegen und Kolleginnen eingeschüchtert haben und demonstrierte auf absurde Weise die Grenzenlosigkeit seiner Macht: Er pinkelte ins Flugzeug, fuhr betrunken Auto und feierte ausgiebig mit Russlands Präsident Wladimir Putin.

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Vieles ließ ihm die Gesellschaft durchgehen, er wurde zum berüchtigten „Monstre sacré“, dem „heiligen Monster“. Selbst der französische Präsident Emmanuel Macron nahm Depardieu in Schutz, als der Star bereits mit zahlreichen Vorwürfen wegen sexueller Übergriffe konfrontiert war.

Alina Juravel ist Redakteurin im Ressort Leben der FUNKE Zentralredaktion.
Alina Juravel ist Redakteurin im Ressort Leben der FUNKE Zentralredaktion.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Und genau hier liegt der Hund begraben. Nicht Gérard Depardieu trägt die alleinige Schuld, auch das System, das ihn, wie all die anderen Männer im MeToo-Skandal, gestützt hatte, ist schuldig. Einflussreiche Männer wie Depardieu oder Harvey Weinstein konnten jahrelang ihre Macht ausnutzen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, weil ihr beinahe unantastbarer Status von der Gesellschaft akzeptiert wurde. Viele in ihrem Umfeld haben zudem an ihren eigenen Vorteil gedacht, aber auch Angst gehabt, sich den Mächtigen in den Weg zu stellen.

Es braucht nicht nur eine Bewährungsstrafe, sondern einen gesellschaftlichen Wandel. Und der kann nur gelingen, wenn man nicht wegschaut. Egal, wie reich oder mächtig der Übeltäter ist.