Erneut bebt die Erde in der Türkei, diesmal aber in der Millionenmetropole Istanbul. Am Mittwoch, dem 23. April, hat gegen 13 Uhr Ortszeit ein Erdbeben die türkische Stadt erschüttert. 151 Menschen seien verletzt worden, heißt es nach ersten Erkenntnissen von Seiten der Behörden. Niemand schwebe in Lebensgefahr, dennoch versetzte das Beben die Bevölkerung in Angst und Schrecken.

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„Ich habe Angst“, sagte Sevinc Onart dieser Redaktion. Die Deutsch-Türkin wohnt seit Februar 2024 in Istanbul, wo sie in einer Kanzlei arbeitet. Sie erzählt, wie sie alles erlebt hat. „Ich saß gerade beim Zahnarzt, als ich merkte, wie alles um mich herum wackelte und sich bewegte. Das Licht über mir schwankte heftig, sodass ich Angst hatte, es könnte mir auf den Kopf fallen.“

Deutsch-Türkin in Istanbul: Rucksack für den Fall der Fälle vorbereitet

Während die meisten Menschen in der Praxis noch unschlüssig waren und überlegten, ob sie das Gebäude verlassen sollten, entschied Sevinc instinktiv, mit einem der Zahnärzte die Treppe hinunterzulaufen. „Es war wohl riskant, während des Erdbebens das Treppenhaus zu nutzen, aber mein Überlebensinstinkt hat mich in dem Moment gesteuert und mich ohne zu zögern die Treppe hinunterlaufen lassen“, sagt die Anwältin.

Direkt danach fuhr Sevinc zu ihrer Wohnung. Dort habe sie ihren Rucksack für den „Fall der Fälle“ gepackt. „Wir haben Angst, dass sich dieses Erdbeben jederzeit wiederholen könnte.“

Erdbeben in Istanbul: Ein Schockmoment für Bewohner

Auch Aya Mawed, eine Callcenter-Mitarbeiterin aus dem Stadtteil Başakşehir, und ihre Familie haben es miterlebt. „Ich war gerade dabei, das Mittagessen vorzubereiten, als plötzlich alles zu wackeln begann. Es war, als würde der Boden unter uns wegbrechen“, erzählt sie im Gespräch mit unserer Redaktion.

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Die 25-Jährige lebt in Istanbul mit ihren Eltern und Geschwistern. Insgesamt waren zur Mittagszeit rund zehn Personen in der Wohnung, darunter sechs Kinder. Mawed berichtet, wie sie bei den ersten Anzeichen eines Bebens sofort auf die Straße liefen. „Die Kinder haben angefangen zu schreien und zu weinen.“

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Das Erdbeben hat etwa sieben Sekunden gedauert. Für Aya und ihre Familie waren es jedoch Schockmomente, die sie nicht noch einmal erleben möchten. „Es hat nur einige Sekunden gedauert, aber es war ein langer Albtraum“, sagt die 25-Jährige. Ihre größte Sorge habe den Kindern gegolten: Trotz ihrer Angst habe sie sich gezwungen, Ruhe zu bewahren, „damit wir zumindest die Kinder in Sicherheit bringen können“.

Istanbul-Bewohnerin: „Weiß nicht, wie ich heute Nacht schlafen soll“

Bei einem Erdbeben, wie es sie in Istanbul häufig gibt, suchen viele Menschen Schutz im Freien, auf Straßen oder in Parks. Die Behörden riefen die Bevölkerung dazu auf, sich von Gebäuden fernzuhalten. Wichtig sei es, so Aya, erst zu warten, bis man wieder in die Wohnung zurückgehen könne. „Aus Angst, dass ein neues, noch stärkeres Nachbeben kommt“, so die 25-Jährige. Genau so war es im Februar 2023, als ein verheerendes Nachbeben im Südosten der Türkei und im Norden Syriens Zehntausende Todesopfer forderte.

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Tatsächlich folgten bereits an diesem Mittwoch mehrere Nachbeben in Istanbul, eines davon hatte eine Stärke von 5,3, wie der Katastrophendienst Afad meldete. Außerdem wurden mehrere Beben der Stärken 4 bis 5 registriert. Der Geologe Okan Tüysüz sagte dem türkischen Nachrichtensender NTV, dass ein weiteres großes Beben nicht ausgeschlossen werden könne.

Obwohl die Behörden noch keine größeren Schäden gemeldet haben, bleibt die Angst bei Aya und ihrer Familie, dass noch etwas Schlimmeres passieren könnte. „Ich weiß nicht, wie ich heute Nacht schlafen soll“, sagt die 25-Jährige. „Ich hoffe nur, dass das Schlimmste vorbei ist.“