- Im Münchner Eisbach im Englischen Garten ist eine Surferin tödlich verunglückt
- Die Eisbachwelle wurde umgehend gesperrt
- Nun wird über bessere Sicherheitsmaßnahmen nachgedacht
Quälend lange 30 Minuten dauerte am Mittwoch der Kampf einer 33 Jahre alten Frau im eiskalten Münchner Eisbach. Die erfahrene Surferin hatte sich wie viele andere auch in die Fluten gestürzt, um die legendäre Welle zu reiten. Dabei hatte sich ihr Boardleash, das Sicherheitsband, das den Surfer an einem der Knöchel mit dem Board verbindet, am Grund verfangen. Die Frau wurde in der extrem starken Strömung immer wieder unter Wasser gedrückt, konnte sich nicht selbst befreien. Selbst andere Surferinnen und Surfer, die ihr zu Hilfe kamen, waren machtlos. Erst Spezialkräfte der Feuerwehr konnten die Frau aus dem Wasser bergen. Sie wurde vor Ort beatmet und in ein Krankenhaus gebracht, wo sie ihren Verletzungen erlag, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte.
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Die Surferszene in der bayerischen Landeshauptstadt reagiert geschockt auf den tödlichen Unfall, zumal das Münchner Kreisverwaltungsreferat in Absprache mit der Feuerwehr eine sofortige Sperrung der Eisbachwelle angeordnet hat. Seitdem versperren Gitter den Zugang, an einem wurde mit Kabelbindern ein Schild montiert: „Betreten verboten! Achtung Lebensgefahr!“, steht darauf zu lesen. Wie es nun mit der legendären Eisbachwelle weitergeht, ist noch offen. „Wir können nur hoffen, dass hier nicht eine Behörde überreagiert“, teilt der Bayerische Wellenreitverband mit. Er vertritt nach eigenen Angaben 3000 Surferinnen und Surfer im Freistaat.
Eisbachwelle ist absoluten Könnern vorbehalten
Die Eisbachwelle am Südende des Englischen Gartens, in unmittelbarer Nähe zum Haus der Kunst, ist eine absolute Attraktion in München. Ob im Winter oder Sommer – bei jedem Wetter und selbst bei Minusgraden zeigen erfahrene Surfer ihre Kunststücke, bestaunt und bewundert von unzähligen Schaulustigen. Seit etwa 40 Jahren wird an der Prinzregentenstraße gesurft. Eine Stromschnelle und eine etwa halbmeterhohe stehende Welle machen es möglich. Der Münchner Walter Strasser hatte dazu in den 1980er-Jahren auf eigene Faust eine Eisenbahnschwelle im seitliche Flussbett montiert. Außerdem stabilisiert eine mobile Rampe die Welle. Hinter dieser liegen mehrere Steinquader im nicht sehr tiefen Wasser. Wer unglücklich vom Brett stürzt, kann sich böse Verletzungen zuziehen.

Gerade weil Surfen hier so gefährlich ist und sich nur absolute Könner ins Wasser wagen sollten, war das Wellenreiten lange Zeit offiziell verboten, wurde aber von den Behörden geduldet. Im April 2010 übernahm die Stadt München schließlich das Gelände vom Freistaat Bayern und stellte das Eisbach-Surfen auf eine legale Grundlage. Seitdem hat sich der Hype um die Welle noch einmal potenziert. Surfprofis aus der ganzen Welt reisen an, um die Welle zu reiten. Weltmeister Robby Naish tauschte die kalifornischen Strände gegen den Englischen Garten und zeigte sein Können. Surf-Größen wie Jack Johnson und Garret McNamara taten es ihm gleich. Längst haben auch Tourenanbieter wie Get Your Guide die Eisbachwelle in ihr Programm genommen. Ein dreistündiger Trip samt Verpflegung ist dort für Preise zwischen 120 und 150 Euro zu haben.
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Wasserpegel könnte deutlich abgesenkt werden
Nun allerdings ruht das Geschäft, die Welle ist verwaist. Die Polizei ermittelt zur Unfallursache. Möglicherweise hat sich die Leine der verunglückten Surferin an einem unbekannten Gegenstand auf dem Grund des Eisbachs verhakt. Könnte es ein Fahrrad oder ein E-Roller gewesen sein, der in den Eisbach geworfen wurde? Gefunden wurde bisher nichts. Das Referat für Klima- und Umweltschutz prüft, ob der Wasserpegel im Bereich der Eisbachwelle deutlich abgesenkt werden kann, um die Unfallstelle genauer zu untersuchen. Ganz so einfach ist das aber nicht. Experten warnen im Fall einer Absenkung vor einem Fischsterben in dem Gewässer.

Unterdessen ist eine Diskussion um mehr Sicherheit für die Surferinnen und Surfer entbrannt. Die Interessengemeinschaft Surfen in München (IGSM) hat der Stadt eine Liste mit Vorschlägen zur Verbesserung der Sicherheit übermittelt. Geräte wie ein Wurfsack und Rettungsmesser zum Durchtrennen der Sicherungsleine werden gefordert. Moritz von Sivers, zweiter Vorstand der Interessengemeinschaft Surfen in München, steht derweil weiter unter Schock. Seit den 1980er-Jahren werde am Eisbach gesurft. „In der ganzen Geschichte ist es der erste wirklich schwere Unfall“, sagt von Sivers.




