• Heute Abend findet das Finale des ESC 2025 statt
  • Und wie immer wird es dabei wild, verrückt und skurril
  • Das sind die fünf außergewöhnlichsten Teilnehmer und ihre Songs

Nebelschwaden, Lichterglanz und so viele Emotionen: Wie immer geht es beim ESC um viel Herz und Schmerz, um Pathos und Leidenschaft. Doch manche Auftritte fallen aus dem Rahmen: Sie sind mal schräg, mal extravagant und mal einfach nur abgedreht. Wer sticht besonders hervor? Das sind die fünf schrillsten Acts.

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Finnischer ESC-Star provoziert mit Sex-Klischees

Der finnische Beitrag von Erika Vikman (31) hat schon für Explosionen im Schlagzeilengeschäft geführt. Die 32-Jährige zieht in erotisch aufgeladener Latex-Optik eine Show ab, die ihre Landsleute durchaus provoziert hatte. In ihrem Video steht sie da, mit langen schwarzen Stiefeln, die bis zu den Oberschenkeln reichen. Ihre Corsage ist ebenso schwarz wie hauteng. Das wallende Blondhaar zuckt bei ihrem martialischen Stampfen in langen Wellen über den Körper: Erika Vikman will nicht brav sein, sie will alles raushauen, was der Body hergibt. Dass man sie als frivol bezeichnet? Kann sie wohl nicht schockieren. Mit einem beachtlichen Wumms in der Stimme knallt sie die Wörter ins Mikro, die dem Song den Titel geben und über die Finnland schon geschwitzt hat: „Ich komme“.

Das ist ja Deutsch?! Genau, die vielseitige Finnin – ausgebildete Jazzsängerin und Tangokönigin – hatte Deutsch in der Schule. „Ich komme“, das ist ein Titel, der natürlich doppeldeutig sein soll. Aber auch eindeutig retro, irgendwie. Der ganze Aufzug erinnert an leicht angestaubte Playboymagazine. Dabei will Vikman nach eigenem Bekunden keine alten Zeiten heraufbeschwören, sondern: Frauen Mut machen, ihren Sex auszuleben.

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Vikman hat schon einiges über sich lesen müssen: Von „Poledanceperformance mit laszivem Ritt“ war die Rede. Na und? Sie, die schon 2020 einen Song über eine ehemalige Pornodarstellerin performt hat, glaubt an sich und ihre Botschaft. Sie werde Europa als „fabelhafte Finnin“ in ihren Bann ziehen. Indem sie „ein kleines bisschen sündig“ ist.

Erika Vikman
Ein bisschen sündig will sie sein: Erika Vikman fährt für Finnland zum ESC-Finale nach Basel.© DPA Images | Jussi Nukari

Schweden tritt mit Sauna-Hymne beim ESC an

Auf geht's zur Lagerfeuerromantik: Hier schleppen Menschen in Karo-Hemden und mit Fellmützen auf dem Kopf emsig Baumstämme hin und her. Es riecht förmlich nach Feierabendabenteuer und Männerschweiß. Und dann, als auch noch Rauch aufsteigt, springt einen plötzlich aus der fremden Sprache das Wort „Sauna“ an. Ja, richtig gehört: Es geht um Sauna, ganz einfach um die Lust aufs Saunieren, das beste Rezept gegen jeden Stress. Das ist eine Botschaft, die eingängig ist. Und die ganz ohne Herz-Schmerz auf jedes Pathos verzichtet: „Bara bada bastu“, so der ESC-Titel aus Schweden, der einen sofort in die Badelatschen zwingt.

Der Sauna-Song stammt von KAJ – das sind Kevin Holmström, Axel Åhman und Jakob Norrgård. Sie kommen aus der Kleinstadt Vörå. 80 Prozent der Einwohner dort sind Finnlandschweden. Als Band bestehen KAJ seit 2009. Was sie auszeichnet, sei ihr schräger Humor, heißt es. Ihre Lieder im lokalen Dialekt mit komödiantischer Note sind vor allem bei der schwedischsprachigen Bevölkerung in Finnland populär. Die Jungs, die gern schwitzen, sind schon lange dabei. Ihr Debütalbum „Professionella pjasalappar“ erschien schon 2012. Insgesamt hat das Trio sieben Alben veröffentlicht und zwei Musicals geschrieben. „Bara bada bastu“, das klingt ein bisschen nach „Die Wanne ist voll“.

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Maltas ESC-Sängerin musste sich von „Kant“ verabschieden – zu obszön

Wer bin ich, und wenn ja, wie viele? Wer dieser Frau zuschaut, kommt ins Grübeln. In einem Video sieht man sie mal auf einer Krankenhausliege, mal in der Menge singend, mal räkelnd auf einem Bett. Maltas Sängerin Miriana Conte (24) ist Wandlung pur. Das Finale des „Malta Eurovision Song Contest 2025“ hatte sie in einer Art Zauberkleid eröffnet: Erst kam sie gehüllt in grünem Tüll auf die Bühne, nach wenigen Takten schon war sie in einem hautengen Outfit, teil-transparent und mit Leo-Muster, neben ihren Tänzerinnen und Tänzern zu sehen. Der Grund, weshalb ESC-Fans schon seit Wochen über diesen Titel diskutieren, ist aber ein anderer: der frühere Titel des Beitrags.

Malta schickt Miriana Conte zum ESC 2025
Miriana Conte hat viele Gesichter, wie sie auch in ihrem Song, der erst „Kant“, jetzt „Serving“ heißt. Sie tritt für Malta an. © PR | PBS

Denn Contes ESC-Song „Serving“ hieß beim Vorentscheid noch „Kant“, was Maltesisch ist und „Gesang“ heißt. Aber: „Kant“ klingt englisch auch wie „cunt“, ein Begriff für die weiblichen Geschlechtsorgane. Nun beschloss die Aufsichtsbehörde EBU (European Broadcasting Union), „Kant“ sollte anders heißen. Und so wurde das einzige maltesische Wort des Textes gestrichen.

Lettland bringt in Basel Kulturerbe auf die Bühne

Wie junge Göttinnen tauchen sie auf, oder vielleicht sind es auch freundliche lettische Feen, die sich in seidigen Gewändern nach einschmeichelnden Vibes bewegen? Tautumeitas mit „Bur man laimi“ („Überschütte mich mit Glück“, so der Titel des ESC-Songs), der zwar keine Lust auf Sauna macht, aber irgendwie angenehm wie eine warme Dusche wirkt.

Tautumeitas führen in ihren Songs die in Lettland noch sehr lebendige Tradition der Dainas weiter. Dabei handelt es sich um kurze, vierzeilige Gedichte, die seit Hunderten von Jahren mündlich überliefert werden und von denen mittlerweile über 1,2 Millionen schriftlich festgehalten sind. Sie zählen zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Man spürt es nahezu, dass hier auch drei studierte Ethnomusikologinnen am Werk, die sich mit der Musik fremder Völker beschäftigen. Das ist Folklore der etwas anderen Art, mit Frische und zugleich schamanischen Anmutung. In Lettland kam es so gut an, dass es ihnen schon Featurings mit der Metalband Brainstorm und Aminata bescherte. Und das gilt zumindest in Lettland als gutes Omen!