• Der sechsjährige Pawlos aus Weilburg in Hessen wird weiter vermisst
  • Vergangenen Dienstag ist er verschwunden – seitdem läuft eine großangelegte Suche
  • Nun will die Polizei über Informationstafeln in ganz Deutschland nach dem Jungen suchen

Die Suche erinnert an den tragischen Fall des vermissten Arian aus Bremervörde: Seit Dienstag, 25. März, wird in Weilburg (Hessen) nach dem sechsjährigen Pawlos gesucht. Nach Angaben der Polizei ist Pawlos „autistisch veranlagt“ und befindet sich möglicherweise in einer hilflosen Lage. Mehrere hundert Polizistinnen und Polizisten waren zeitweise an der Suche beteiligt – bisher ohne Erfolg.

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Bereits Ende vergangener Woche war ein Video aufgetaucht, auf dem der Erstklässler möglicherweise zu sehen ist. Ein Junge stehe in dem Clip auf einer stark befahrenen Straße. Neben ihm sei ein Verkehrsteilnehmer zu erkennen, der ihn von der Fahrbahn begleitet, teilte die Polizei in der Nacht auf Freitag auf Instagram mit. Bei dem Jungen handle es sich „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ um Pawlos.

Vermisster Junge aus Weilburg
Im mittelhessischen Weilburg suchen Hunderte Einsatzkräfte nach dem sechsjährigen Pawlos. © DPA Images | Polizeipräsidium Westhessen

„Wir gehen aktuell davon aus, dass die Aufnahmen am Dienstagmittag entstanden sind. Der Urheber ist uns bekannt, das Video ist Gegenstand der Ermittlungen. Wir bitten Euch darum, von Spekulationen und Wertungen abzusehen!“, schrieb die Polizei weiter. Das Video kursiere in den sozialen Netzwerken.

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Inzwischen hat die Polizei angekündigt, die Suche auf ganz Deutschland ausweiten zu wollen – zumindest digital. Auf 13.000 digitalen Infotafeln, etwa an Bahnhöfen, Autobahnraststätten und Flughäfen, sollen das Bild von Pawlos mit einem Suchaufruf gezeigt werden. Die Polizei erhofft sich durch diese Aktion nochmals Hinweise auf seinen Verbleib.

Pawlos vermisst: Autistischer Junge verschwand aus seiner Schule in Weilburg

Der Junge war am Dienstagmittag aus der Schule verschwunden. Noch in Hausschuhen soll er sich auf den Weg über eine Bundesstraße entlang bis zum Bahnhof von Weilburg (Kreis Limburg-Weilburg) gemacht haben. Dort wurde er noch einmal kurz gesehen, danach verliert sich seine Spur. Wer ihn sieht, sollte ihn nicht direkt ansprechen oder rufen, da er sehr schreckhaft sei, und stattdessen den Polizeinotruf 110 wählen oder sich an eine Polizeidienststelle wenden. 

Ein Polizeihubschrauber hilft bei der Suche nach Pawlos.
Ein Polizeihubschrauber hilft bei der Suche nach Pawlos.© dpa | Christian Lademann

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Suche nach Pawlos: Polizei geht nicht von einer Straftat aus

Da das Kind zuletzt am Bahnhof gesichtet wurde, geht Weilburgs Bürgermeister Johannes Hanisch (CDU) von zwei möglichen Szenarien aus: Das Kind könnte sich im Stadtgebiet versteckt halten oder auch mit einem Bus oder Zug aus Weilburg weggefahren sein.

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Die Polizei hat wiederholt deutlich gemacht, dass wohl kein Verbrechen geschehen sei. Man gehe weiterhin nicht von einer Straftat aus. Die Suche erstrecke sich auf die Weilburger Kernstadt, aber auch auf Randgebiete. Für mögliche Hinweise aus der Bevölkerung sei ein Telefon geschaltet worden (06431 9140 599). 

Auf einem Schlauchboot suchen Polizisten die Lahn ab.
Auf einem Schlauchboot suchen Polizisten die Lahn ab. © dpa | Boris Roessler

Bei der Suche nutzen die Behörden und Helfer einen Trick, der bereits bei der Suche nach Arian zum Einsatz kam. Überall in der Stadt hängten sie Luftballons auf – in der Hoffnung, auf diese Weise die Aufmerksamkeit des Jungen zu erlangen. Aber man setzt auch auf andere Strategien, um das Kind zurück nach Hause zu bringen – etwa auf die Stimme der Mutter: Ihr Rufen wird aufgezeichnet und über Lautsprecher in die Straßen Weilburgs übertragen, in der Hoffnung, dass Pawlos Vertrauen fasst und sich zeigt. 

 Bunte Luftballons hängen bei der Suche nach dem vermissten sechsjährigen Jungen Pawlos auf einer Lahnbrücke.
Bunte Luftballons hängen bei der Suche nach dem vermissten sechsjährigen Jungen Pawlos auf einer Lahnbrücke.© dpa | Boris Roessler

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Mehr als 600 Einsatzkräfte suchten laut Polizei seit dem Tag seines Verschwindens nach ihm. Auch ein Polizeihubschrauber, die Wasserschutzpolizei und die Reiterstaffel waren im Einsatz. Die Polizei arbeite nach eigenen Angaben mit Verantwortlichen der Stadt Weilburg, der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks zusammen. Zugleich setze man weiter auf die wichtige Hilfe der Bevölkerung, hieß es von der Polizei.

Ein Mitglied einer Rettungshundestaffel bei der Suche nach Pawlos.
Ein Mitglied einer Rettungshundestaffel bei der Suche nach Pawlos.© dpa | Christian Lademann

Suche nach Pawlos weckt Erinnerungen an Arian

Der Einsatz in Weilburg weckt Erinnerungen an den Fall des sechs Jahre alten Arian. Der Junge aus dem niedersächsischen Bremervörde war im vergangenen April aus seinem Zuhause verschwunden. Die Polizei ging davon aus, dass das autistische Kind das Haus selbstständig verließ, und leitete eine große Suche ein. 

Zeitweise waren bis zu 1.200 Helfer beteiligt, sie durchkämmten Dörfer, Wiesen und Wälder, auch ein Fluss wurde abgesucht. Die Einsatzkräfte suchten auch mit Hunden nach dem Jungen, mit Pferden, Helikoptern, Drohnen, Wildtierkameras, einem Tornado-Flieger, Booten und Tauchausrüstung.

Arians Fall ging tragisch aus. Zwei Monate später, im Juni, fand ein Landwirt beim Mähen einer Wiese in Estorf im Landkreis Stade die Leiche des Kindes. Hinweise auf ein Fremdverschulden gab es nicht. „Dass der Junge trotz aller Bemühungen und intensiven Suchmaßnahmen leblos geborgen wurde, löste bei allen beteiligten Einsatzkräften große Trauer und Bestürzung aus“, sagte damals ein Polizeisprecher. 

bee/dpa