Elmedin Kikanovic hat in der Schule offenbar sehr gut aufgepasst. Drei Jahre lang hatte der heute 26-Jährige während seiner Schulzeit im bosnischen Tuzla Deutschunterricht. Zwar habe er „viele Worte vergessen“, wie der Basketballprofi sagte, doch es ist schon erstaunlich, wie gut er sich auf Deutsch unterhalten kann.

Kikanovic hatte einiges zu erzählen bei seiner Vorstellung in Berlin. Für etwa 24 Stunden weilte der Zugang von Alba Berlin an seinem neuen Arbeitsplatz. Am Mittwochabend war er schon wieder weg, schließlich trifft sich am Donnerstag in Sarajevo die bosnische Nationalmannschaft zur Vorbereitung auf die Europameisterschaft (5. bis 20. September), deren eine Vorrundengruppe (mit Deutschland, aber ohne Bosnien) in der ersten Woche in Berlin ausgespielt wird.

Geduldig gab Kikanovic Auskunft. Der 2,10 Meter große Mann (Center/Power Forward) hatte sich schlau gemacht, nachdem sein Agent einen Wechsel zu Alba ins Spiel gebracht hatte. „Ich habe mich mit den ehemaligen Alba-Spielern Alex Renfroe und Marko Marinovic in Verbindung gesetzt. Beide haben nur Positives erzählt“, berichtete der verheiratete Kikanovic. Mit den beiden hatte er einst beim russischen Klub Jenissei Krasnojarsk zusammengespielt, wo er vier Jahre lang (2011-2015) unter Vertrag stand.

Vier Jahre in der russischen Liga unter Vertrag

Vier Jahre lang in Sibirien, Krasnojarsk (eine Million Einwohner) liegt 5960 Kilometer östlich von Berlin. Wahrscheinlich war es für ihn gut, auch räumlich einen großen Abstand zur Vergangenheit zu finden. Denn sein Engagement bei Roter Stern Belgrad (2007-2010) endete im Juli 2010 mit seiner Suspendierung wegen eines Dopingvergehens. Bei einer Dopingkontrolle nach dem Hauptstadt-Derby gegen Partizan Anfang Juni war Kikanovic positiv auf die Einnahme von anabolen Steroiden getestet worden.

Eine achtmonatige Sperre durch die serbische Anti-Doping-Behörde wurde vom Basketball-Weltverband Fiba auf ein Jahr erhöht. „Das war eine ganz schwere Zeit für mich“, erklärte Kikanovic, der darauf verwies, einem erlaubten, aber verunreinigten Nahrungsergänzungsmittel aufgesessen zu sein. „Es war ein großer Schock, aber das ist alles vorbei.“

Teilnahme mit Bosnien an der Europameisterschaft

Dass Kikanovic bei der EM für sein Heimatland spielen und erst sehr spät zum Berliner Team stoßen wird, sieht Albas Sportdirektor Mithat Demirel mit gemischten Gefühlen. Vor allem, weil Gleiches für den weiteren Zugang Dragan Milosavljevic (Serbien) und die drei deutschen Nationalspieler Akeem Vargas, Alex King und Niels Giffey gelten könnte. „Sie werden zwar in Form zu uns kommen, weil sie den Sommer über gespielt haben, aber es ist alles andere als optimal.“

Demirel hofft, bald die Verpflichtung von Ivan Aksa bekanntgeben zu können. Klubs wie Bayern und Bamberg sind mit ihren Planungen weiter. Das schert Demirel nicht, auch nicht, dass die Bayern in Renfroe ja den soundsovielten Alba-Spieler verpflichtet haben. Kleiner Seitenhieb in Richtung Münchens Sportdirektor Marko Pesic: „Der hat schon in der Schule abgeschrieben.“ Demirel und Pesic haben einst in Lankwitz gemeinsam Abitur gemacht.