Der Deutsche Meister Brose Baskets Bamberg und Bayern München erfreuen ihren Anhang schon seit Längerem mit Nachrichten, welche Stars für die nächste Basketball-Saison verpflichtet werden konnten. Alba Berlins Sportdirektor Mithat Demirel spricht von der „ersten und zweiten Welle“ auf dem Spielerbasar. Dort wählen die finanzkräftigsten Vereine die Athleten aus, die sie unbedingt haben möchten, auch wenn es ein bisschen teurer wird. Sein Klub kann da schon ein paar Jahre lang nicht mehr mitbieten – zu groß sind die Möglichkeiten der beiden deutschen Topteams im Vergleich zum achtmaligen Champion inzwischen. Demirel musste geduldig sein. Und gut vorbereitet auf die dritte Welle.s
Die kommt jetzt ins Rollen. Die Berliner nehmen Fahrt auf bei der Fixierung ihres Kaders, aus dem Reggie Redding (Darüssafaka Istanbul), Alex Renfroe (Bayern München) und Jamel McLean (Olimpia Mailand) definitiv ausgeschieden sind. Recht früh hatten sie sich ja die Dienste von Flügelspieler Dragan Milosavljevic gesichert, dem bisherigen Kapitän von Partizan Belgrad, bevor etwaige Konkurrenten auf den Plan traten. Auf der Centerposition hat Alba nun ebenfalls eine Verstärkung an Land gezogen. Der Bosnier Elmedin Kikanovic, 2,10 Meter groß, unterschrieb am Dienstag einen Zweijahresvertrag.
Ivan Aska im Anflug
„Elmedin ist auf den großen Positionen vier und fünf einsetzbar, hat einen guten Mitteldistanzwurf und ist sehr erfahren“, lobt Demirel den 26-Jährigen, der nicht nur Leistungsträger in seiner Nationalmannschaft ist, sondern auch einiges von Europa gesehen hat. In drei Spielzeiten bei Roter Stern Belgrad, vier bei Jenissei Krasnojarsk (Russland) und zuletzt neun Partien beim französischen Spitzenteam Sluc Nancy hat er seine Klasse bewiesen. In Nancy steuerte Kikanovic im Schnitt 18 Punkte und gut sechs Rebounds pro Spiel bei. Sehr starke Werte. Die Entscheidung für Berlin sei ihm leicht gefallen, wird er in einer Pressemitteilung zitiert. Ihm gefalle „der intensive, aggressive Berliner Teambasketball“.
In den nächsten Tagen dürfte auch die Verpflichtung von Ivan Aska veröffentlicht werden. Alba und der US-Amerikaner sollen sich nach Morgenpost-Informationen bereits auf einen Kontrakt geeinigt haben. In der vergangenen Spielzeit stand der Power Forward beim israelischen Erstligisten Maccabi Ashdod unter Vertrag, kam dort pro Spiel im Schnitt auf 16,5 Punkte (siebtbester Werfer der Liga) und 7,8 Rebounds (Sechstbester).
Aska könnte der Nachfolger von Jamel McLean werden. Der Wechsel seines Landsmannes nach Italien steht nun fest, da die fällige Ablösesumme im kleinen sechsstelligen Bereich auf dem Konto der Berliner eingetroffen ist. Das Gerücht, er sei beim Medizin-Check durchgefallen, dürfte damit vom Tisch sein: Offenbar hatte Milano es nur gestreut, um auf Zeit zu spielen und weitere Kandidaten sichten zu können.
Immer noch sind jedoch etliche Fragen offen. Etwa diese: Bleibt Clifford Hammonds? Der Spielmacher und Top-Verteidiger des Teams in den vergangenen beiden Jahren wird im Herbst zum fünften Mal Vater, fühlt sich in Berlin wohl, hat aber höher dotierte Angebote vorliegen. Alba hofft auf eine Herzensentscheidung des Amerikaners. In Jordan Taylor (zuletzt Hapoel Holon/Israel) steht ein laut Demirel „interessanter Spieler“ parat, der an Hammonds’ Seite den Aufbau beim Bundesligisten übernehmen könnte.
Radosevic ist nicht zu bezahlen
Bis spätestens Mitte August möchte der Sportdirektor eigentlich die meisten Personalien geklärt haben, denn dann startet offiziell das Alba-Training. Wird Marko Banic dabei sein? Vereine aus der Türkei und Spanien buhlen um den 30-Jährigen, der sich vergangene Saison mit seiner Schlitzohrigkeit in die Herzen der Alba-Fans gespielt hat. Geht es ihm darum, so viel Geld wie möglich zu verdienen, wird er die Stadt dennoch verlassen müssen. Bei seinem kroatischen Landsmann Leon Radosevic, 25, ist dies mit einiger Sicherheit zu erwarten; der Center war nur aus Mailand ausgeliehen, Alba und Olimpia teilten sich das Gehalt. Das große Talent ist für die Berliner schlicht unbezahlbar und wurde zuletzt heftig von Unicaja Malaga umworben.
Alle deutschen Spieler dagegen sind Alba sicher: Akeem Vargas hatte seinen Vertrag schon im Winter um zwei Jahre verlängert. Niels Giffey und Alex King, wie Vargas Nationalspieler, haben noch laufende Kontrakte, genau wie Ismet Akpinar, Jonas-Wohlfarth-Bottermann und Martin Seiferth. Wohlfarth-Bottermann bekam die Ansage, diesmal in besserer Verfassung in die Vorbereitung zu starten, um seine Chance nutzen zu können. Bei Seiferth stehen die Zeichen gar auf vorzeitigem Abschied. Der Klub will dem Center einen Wechsel nahelegen, damit er zu mehr Einsatzzeiten kommt. Bei den Berlinern war dies nicht der Fall. Eine große Welle würde diese Veränderung allerdings kaum schlagen.

