06:20 Parken in der Tiefgarage, Büro, ein fröhliches Guten Morgen für die Sekretärin, rein in den weißen Arztkittel, ein Schluck aus der Kaffeetasse – dann dürfen sich Patienten auf den Chefarzt Professor Axel Ekkernkamp freuen. Von 6.30 Uhr bis 7.45 Uhr macht der Ärztliche Direktor und Geschäftsführer des Unfallkrankenhauses Berlin in Marzahn (UKB) gemeinsam mit anderen Ärzten der Klinik seine Runde. Begrüßt, fragt nach, erklärt, überbringt gute Nachrichten, muss aber auch niederschmetternde Diagnosen schonend beibringen.

07:45 Vom Kirschbaum gefallen, eine falsche Landung nach einem Fallschirmsprung, Faustschlag gegen den Kiefer, Sturz von einem Gerüst und von einem Winkeleisen durchbohrt: die Verletzungen werden auf Röntgenaufnahmen, Bildern aus der Computertomographie (CT) und der Magnetresonanztomographie (MRT) auf zwei großen Monitoren gezeigt. In der morgendlichen Röntgenbesprechung sitzen bis zu 30 Chef-, Ober-, Fach- und Assistenzärzte aus verschiedenen Abteilungen des UKB. Sie besprechen die einzelnen Diagnosen und die weiteren Behandlungsmethoden ausgesuchter Neuzugänge. Von allen Stationen der Klinik wird Bericht erstattet.

Ein fester und Brauch im UKB sind die  Montagsvorlesung.„Obwohl dies auch für das Haus einen hohen finanziellen Aufwand bedeutet, halte ich diese Veranstaltung für ein hohes Gut in der gemeinsamen Arbeit“, sagt
Ein fester und Brauch im UKB sind die Montagsvorlesung.„Obwohl dies auch für das Haus einen hohen finanziellen Aufwand bedeutet, halte ich diese Veranstaltung für ein hohes Gut in der gemeinsamen Arbeit“, sagt© Ricarda Spiegel

08:15 Die Woche beginnt mit einer 30-minütigen Fortbildungsveranstaltung. In einem Hörsaal sitzen bis zu 100 Vertreter aller Berufsgruppen und Abteilungen der Klinik. „Die Montagsvorlesung als gemeinsamer interprofessioneller Wochenstart ist im UKB ein fester Brauch“, sagt Ekkernkamp. Neben den Fortbildungen zu verschiedenen medizinischen aber auch anderen Themen wie der Datensicherheit werden dort alle aktuellen Themen besprochen, heißt es. 70 bis 100 Vertreter aller Berufsgruppen und Abteilungen des Hauses würden laut Ekkernkamp regelmäßig teilnehmen und als Multiplikatoren in ihren Abteilungen wirken. „Obwohl dies auch für das Haus einen hohen finanziellen Aufwand bedeutet, der OP-Betrieb startet dafür beispielsweise eine Stunde später, halte ich diese Veranstaltung für ein hohes Gut in der gemeinsamen Arbeit.“

09:30 Neben dem Infoschalter in der Empfangshalle der Klinik können Patienten Zeitungen und Kaffee kaufen. Vor der Tür stehen Tische und Stühle, wie in einem Café. Wären da nicht verbundene Köpfe sowie geschiente Arme und Beine der Patienten, entstünde der Eindruck, man sei in einem großen Hotel.

10:20 „Team. Time-Out!“, sagt Oberärztin Henrike Rohlfing zu ihrem Team aus Ärzten und Schwestern. Vor ihr liegt ein 48-jähriger Mann in Narkose. Alles ist für die Entfernung der Gallenblase vorbereitet. Zur Sicherheit des Patienten werden sein Name, die Diagnose und die bevorstehenden Operationsschritte vorgelesen und dann von einem weiteren Arzt wiederholt. „Der Patient hatte eine akute Gallensteinkolik und wurde in der Nacht zuvor in der Rettungsstelle eingeliefert.“ Ein Chirurg macht einen kleinen Schnitt in die Bauchdecke, mit einem Schlauch wird Gas in den Körper eingeleitet. Die Bauchdecke wölbt sich, eine Minikamera wird eingeführt. Jetzt sehen die Ärzte und Assistenten die Gallenblase auf einem Monitor. Nach dem erfolgreichen Eingriff wacht der Mann unter ständiger Kontrolle seiner Vitalwerte im Aufwachraum aus der Narkose noch benommen auf. Ohne Gallenblase.

Die Retter aus der Luft fliegen ungefähr 1100 Einsätze im Jahr für das UKB in Marzahn (v.l.): Dr. Jörg Beneker (Notarzt), Sandro Röschel (Assistenzarzt), Franz Ahollinger (Pilot)
Die Retter aus der Luft fliegen ungefähr 1100 Einsätze im Jahr für das UKB in Marzahn (v.l.): Dr. Jörg Beneker (Notarzt), Sandro Röschel (Assistenzarzt), Franz Ahollinger (Pilot)© Ricarda Spiegel

11:05 Auf dem Dach der Klinik steht der Rettungshubschrauber der DRF Luftrettung. An diesem Vormittag ist es noch ruhig. Notarzt Jörg Beneker, Pilot Franz Ahollinger und Rettungsassistent Sandro Röschel haben Dienst. „Nachts fliegen wir von hier aus über ganz Brandenburg bis zu den angrenzenden Bundesländern“, sagt Ahollinger. „In der vergangenen Nacht wurden die Kollegen zweimal alarmiert.“ Die Piloten landen auf Autobahnen, Feldern und Sportplätzen, um Notfallpatienten schnellstmöglich zu versorgen. „Im vergangenen Jahr sind wir ungefähr 1100 Einsätze geflogen.“ An diesem Tag sind es vier.

Auf der Intensivstation überwachen bis zu acht Mitarbeiter pro Schicht Patienten rund um die Uhr.  Pflegeleiter Ralph Frenzel und Intensivkrankenschwester Steffi Piehler kümmern sich auf der Station gerade um eine Patientin.
Auf der Intensivstation überwachen bis zu acht Mitarbeiter pro Schicht Patienten rund um die Uhr. Pflegeleiter Ralph Frenzel und Intensivkrankenschwester Steffi Piehler kümmern sich auf der Station gerade um eine Patientin.© Ricarda Spiegel

12:30 Stille. Selbst die Schiebetüren öffnen sich nahezu geräuschlos auf Knopfdruck. Nur in der Zentralüberwachung der Intensivstation, wo sämtliche Vitaldaten und Werte der angeschlossenen Geräte auf Monitoren angezeigt werden, wird die Ruhe von Pieptönen unterbrochen. Neben der Überwachung der Körperfunktionen können in den Intensivstationen Störungen des Herz- und Kreislaufsystems, der Atmung aber auch Störungen anderer Organe, wie beispielsweise der Niere, mit modernsten Geräten behandelt werden“, erklärt der Pflegeleiter.

Die stellvertretende Laborchefin Kerstin Gorzelniak an der Blutbank. Hier werden Blutspenden für Notfälle aufbewahrt. Im Labor werden Blut, Körperflüssigkeiten und Abstriche untersucht
Die stellvertretende Laborchefin Kerstin Gorzelniak an der Blutbank. Hier werden Blutspenden für Notfälle aufbewahrt. Im Labor werden Blut, Körperflüssigkeiten und Abstriche untersucht© Ricarda Spiegel

13:45 Blut, Körperflüssigkeiten, Abstriche – über ein etwas ein Kilometer langes Rohrpostsystem wird das Zentrallabor des UKB mit „Arbeit“ versorgt. Aus der Rettungsstelle, der Intensivstation und dem größten Brandverletztenzentrums Deutschlands werden Proben rund um die Uhr zur Untersuchung geschickt. Versehen mit einem Barcode, der die Patientendaten verschlüsselt beinhaltet. Auf einem Monitor erscheinen dringend benötigte Untersuchungen in roter Schrift.

14:20 Die Rettungsstelle ist der organisatorische Mittelpunkt des UKB. „Auf einer der modernsten Notfallstationen Deutschlands versorgen 18 Ärzte aus unterschiedlichen Disziplinen und 45 notfallmedizinisch geschulte Fachpflegekräfte sowie zusätzliche Arzthelfer Notfälle aus Berlin und der Umgebung“, sagt der Unfallchirurgische Oberarzt Ghias Hallak. „Die Rettungsstelle wurde im Mai 2013 neu eröffnet, da die alte Station nur für ungefähr 13.500 Notfälle konzipiert war.“ Pro Jahr würden von den ungefähr 87.000 Patienten knapp 60.000 über die Rettungsstelle in der Klinik aufgenommen werden. Sie kommen per Selbsteinweisung, Rettungs- und Notarztwagen oder Helikopter.

Opernsänger Artak Kirakosyan bei der Reha. Er ist seit einem Bühnenunfall querschnittgelähmt.In dem dreiachsigen Trainings- und Therapiegerät „Spacecurl“ steht er aufrecht und kann sich durch eigene Bewegung und Gewichtsverlagerung in allen Ebenen des Raums bewegen kann.
Opernsänger Artak Kirakosyan bei der Reha. Er ist seit einem Bühnenunfall querschnittgelähmt.In dem dreiachsigen Trainings- und Therapiegerät „Spacecurl“ steht er aufrecht und kann sich durch eigene Bewegung und Gewichtsverlagerung in allen Ebenen des Raums bewegen kann. © Ricarda Spiegel

14:30 Artak Kirakosyan hat einen beschwerlichen Weg hinter sich. Mit Bus und Bahn kommt er im Rollstuhl einmal in der Woche in die Abteilung für Physikalische Therapie und Rehabilitation. Der Opernsänger aus Armenien ist nach einem Bühnenunfall seit mehreren Jahren querschnittgelähmt, seit dreieinhalb Jahren wird er im UKB medizinisch betreut. Sporttherapeut Dennis Springer schiebt ihn in seinem Rollstuhl eine kleine Rampe hoch. Anschließend werden die Beine und Füße des Patienten im „Spacecurl“ fixiert. In dem dreiachsigen Trainings- und Therapiegerät steht er aufrecht und kann sich durch eigene Bewegung und Gewichtsverlagerung in allen Ebenen des Raums bewegen kann. „Es ist sehr anstrengend, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf“, sagt Kirakosyan. Nach wenigen Minuten steht ihm der Schweiß auf der Stirn.

16:55 In der Zentralapotheke sieht es aus in einer Poststelle. Hier werden unter anderem Arzneimittel, Desinfektionsmittel, Röntgenkontrastmittel, Nahtmaterial oder spezielle Medizinprodukte bereitgestellt. Im Rahmen der Arzneimittelversorgung stellt die Apotheke eine Reihe von Arzneien individuell für den Patienten selbst her.