07:10 Einer der belebtesten Plätze Berlins erwacht – der Wittenbergplatz in Schöneberg. Im Minutentakt kommen Menschen aus dem von Alfred Grenander entworfenen U-Bahnhof. Christoph Krüger und Mike Riedel bauen etwa 20 Marktstände auf. Dafür stellen sie Böcke für die Tischplatten auf. Zum Schluss wird ein Gestänge für die Planen justiert. Die halten Sonne und Regen ab. Um acht Uhr sind die Budenbauer mit ihrer Arbeit fertig.

08:35

Linda Fiedler öffnet den Spezialaufbau der Ape, das ist ein dreirädriger Transportroller aus Italien. Im Innern des Gefährtes ist eine Promac-Kaffeemaschine untergebracht. „Halbautomatisch, wie es sich gehört“, sagt die freundliche Verkäuferin. Bis die Maschine angeschlossen und der Stand mit Bechern, Kuchen und Cookies aufgebaut ist, vergeht eine gute Stunde.

09:15

Ihren ersten Kaffee holen sich die Markthändler bei Roy Hackbarth. Der junge Mann mit Schiebermütze ist der Marktmeister für den Bauernmarkt am Wittenbergplatz, der dieses Jahr 20. Jubiläum feiert. Hackbarth schneidet handgroße Stücke Hefekuchen mit Kirschen, Aprikosen, Rhabarber oder Pflaumen auf. Offiziell öffnet der Markt um zehn Uhr.

10:10

Ralf Koch von der Zehdenicker Klostermetzgerei öffnet die Klappe seines Verkaufswagens. In der Auslage finden sich große Stücke Fleisch, die er mit Axt und Messer in haushaltsgerechte Portionen hackt und schneidet. „Aus artgerechter Haltung“, wirbt er. Schweine- und Rindfleisch kauft er von einem befreundeten Schlachter aus Neuruppin. „Der schlachtet nach EU-Norm, nur Tiere aus der Region, allesamt keine Massentierhaltung.“ Für Fleischliebhaber bietet Koch T-Bone-Steaks, drei Wochen im Reiferaum abgehangen, Rinderfilet, Rouladen, Schweinebraten und vieles mehr. Geflügel und Kaninchen stammen vom eigenen Hof.

11:20

Drei Stände weiter holt Thomas Köpernick die ersten Fische aus dem Rauch. 15 Lachsforellen, genau so viele Saiblinge und 25 Forellen hingen zwei Stunden lang bei 85 Grad im dicken Qualm. Im Inneren der pechschwarzen Eisenkiste glänzt die Haut der Fische goldgelb. Fast jeder, der vorbeikommt, schnuppert den appetitanregenden Geruch und leckt sich die Lippen. „Wir räuchern mit Erle“, erklärt Köpernick, „die wächst bei unseren Fischteichen.“ Die Fischzucht befindet sich in Dahnsdorf bei Belzig. 1,85 Euro kostet die Forelle, 2,25 Euro die Lachsforelle und 2,65 Euro je 100 Gramm der Saibling. Am teuersten ist Aal mit fast fünf Euro pro 100 Gramm. „Habe ich heute aber nicht mit“, sagt Köpernick. Nebenan im Verkaufswagen gibt es Frischfisch und die beliebten Matjesbrötchen.

12:20

Schräg gegenüber stehen die ersten Menschen für ihr Mittagessen Schlange. Henry Schimpfkäse reist aus dem sachsen-anhaltinischen Holzdorf an. Der Ort bei Wittenberg ist 96 Kilometer von Berlin entfernt. Für den Bauernmarkt dürfen nur Produkte aus einem Umkreis von unter 100 Kilometern verkauft werden. „Da habe ich Glück“, sagt Schimpfkäse und grinst. Sechs Schweinebraten drehen sich am Holzkohlegrill. Die saftigen Stücke mit krosser Kruste schneidet der preisgekrönte Metzger gekonnt herunter. Mit etwas Senf und warmem Sauerkraut kommen sie zwischen ein Brötchen. „Um 14 Uhr sind die Braten weg“, sagt Schimpfkäse. Dann gibt es noch Bratwürste und Bouletten.

13:40

Bärbel Neubert verkauft seit 1983 selbst hergestellte Säfte. Seither betreibt sie eine Lohnmosterei in Weißensee, bei der Kleingärtner und Freizeitbauern ihr Obst versaften lassen können. Einen Teil der Früchte kauft sie ihnen ab und macht Säfte daraus. Derzeit haben schwarze Johannisbeere, Rhabarber und Kirsche Saison, später kommen Äpfel und Birnen hinzu. Ihre Spezialität ist Holundersaft. Zur Abrundung des Sortiments hat sie Spreewaldgurken und Sauerkraut: „Kein leichtes Geschäft, aber ich will nicht klagen.“

14:10

Bei Rosa Rietdorf stehen Pilzfreunde an. Bräunliche Samthauben, dicke, weißstielige Kräuterseitlinge, goldgelbe Pfifferlinge und knallgelbe Zitronenseitlinge sind für etwa drei Euro pro 100 Gramm im Angebot. Mitte Juli kommen die Sommersteinpilze. Auf die freut sich die Händlerin: „Die sind nun mal die besten Pilze.“

15:30

„Sind die Salate alle von Ihrem Hof? Kaufen Sie nichts hinzu?“, will ein Kunde von Bauer Carsten Hübner wissen. „Höchstens von unseren Nachbarn“, antwortet der Landwirt aus Werder. Seine Auslage macht Appetit. Knackige Salate von Eichblatt bis Batavia, frischer Rhabarber, grüne Bohnen und Wachsbohnen, Radieschen, Spitzkohl, Zucchini. Von den hofeigenen Hühnern werden die Eier verkauft. „Die sind so gut, da kommen die Leute von weit her“, freut sich Hübner. Und dann nehmen die Kunden auch gleich noch Obst und Gemüse mit.

16:20

Jens Sander verkauft seit zehn Jahren auf dem Markt Käse, überwiegend aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und Italien. „Was ist denn heute Ihr Angebotskäse?“, will eine Kundin wissen. „Heumilch-Rauchkäse“, antwortet der Chef, „wollen Sie mal probieren?“ Der Käse schmeckt würzig und rauchig. Eine englischsprachige Touristin fragt nach Ziegenkäse. Sander zeigt ihr einen Camembert und einen Hartkäse. Noch mehr Touristen kommen und suchen nach Mitbringseln. Nein, der Käse stammt nicht aus Berlin. Schade.

17:10

Am Blumenstand von Sevgi Köksal herrscht Hochbetrieb. Die junge Frau bezeichnet sich als türkische Berlinerin und erobert mit ihrem Charme schnell die Herzen der Kundschaft. Mehr als 40 verschiedene Schnittblumen stehen in Wassereimern. Außerdem hat sie Balkon- und Kübelpflanzen im Sortiment. Doch der Verkauf von Geranien, Petunien, Männerblau und Silberkraut für die Balkonkästen hat bereits stattgefunden. Jetzt kommen viele Menschen aus den anliegenden Büros und interessieren sich für Wiesensträuße mit Bartnelken, Kornblumen und Buschrosen. Die vier Helferinnen von Sevgi Köksal kommen mit dem Einpacken und Kassieren kaum nach.

18:05

Honighändlerin Monika Lange fachsimpelt mit der letzten Kundin des Tages über den Einsatz von Bienenkittharz. „Die beste Salbe gegen Herpes oder kleine Wunden“, weiß die Kundin. „Und danach ein bisschen Honig auf die Stelle, damit sie nicht austrocknet“, erklärt die Händlerin. Sie hat nicht nur alle gängigen Honigsorten im Angebot, sondern auch Duschgels und Shampoos.

19:10

Budenbauer Christoph Krüger und sein Helfer bauen alle Stände ab. Zuletzt müssen die Händler ihre Standfläche reinigen. Dann fegt Marktmeister Roy Hackbarth den verbliebenen Unrat zusammen.

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