08:45 Die dreieckige Zentrale der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG an der Scharfen Lanke in Alt-Pichelsdorf sticht wie ein Segel in den Himmel. Der markante Bau aus den 70er-Jahren durfte wegen seiner ungewöhnlichen Architektur die Traufhöhe der Gegend um einiges übersteigen. So konnten in dem neunstöckigen Gebäude nicht nur Büros und Übernachtungsräume untergebracht werden, sondern auch eine Druckkammer mit einer acht Meter hohen Wassersäule für die Einsatztaucherausbildung.
09:05 Seit rund 20 Minuten sitzt Frank Lehmann als „Funker“ an seinem Arbeitsplatz in der Rettungsleitstelle, die sämtliche 26 Berliner DLRG-Stationen koordiniert. Auf mehreren Monitoren sieht er Wetterfronten und über eine Live-Kamera hat er den Schiffsverkehr auf der Havel im Blick. Bei Lehmann kommen zentral alle Notrufe an, die er dann an die jeweils nächste am Einsatzort befindliche Bootmannschaft weitergibt. Über eine direkte Verbindung steht er außerdem mit der Berliner Feuerwehr in Kontakt.
10:05 Einsatzleiter Frank Villmow koordiniert pro Wochenende rund 350 Einsatzkräfte der DLRG auf 31 Booten mit je vier Frauen oder Männern als Besatzung, außerdem ein gutes Dutzend vierköpfige Tauchteams und die Einsatzkräfte an den 26 Rettungsstationen. Er teilt auch die DLRG-Begleitung von Wassersportveranstaltungen wie dem Triathlon oder dem Schwimmfest in Scharfenberg ein. Pro Jahr zählt die DLRG in Berlin rund 2000 Einsätze. Die Saison geht in der Regel von Mai bis Oktober. Nur in dieser Zeit sind auch die Rettungsstationen besetzt. Und nur an den Wochenenden, denn die Rettungsschwimmer der DLRG haben alle Berufe. Frank Villmow ist im normalen Leben selbstständiger Immobilienverwalter.

11:20 Notarzt Dr. Mathias Hölzl überprüft auf der „Adler 2“ sein Equipment. Dazu gehört ein Defibrillator für die Reanimation und „ein Notarztkoffer, wie er auf jedem Notarztwagen im Einsatz ist“. Der Anästhesie-Oberarzt am Unfallkrankenhaus Marzahn ist seit 1992 bei der DLRG und während der Saison alle zwei bis drei Wochen im Einsatz. Meistens muss er sich um Schnittwunden und Kreislaufschwächen kümmern. „Die Menschen beachten oft nicht die bekannten Regeln: Nicht nach dem Essen ins Wasser, vorher abkühlen, genug trinken.“ Bootsführer Joachim Preussler steuert den Notarzt mit einem der schnellsten Boote der DLRG zu Hilfesuchenden. Die 220 PS starke „Adler 2“ ist in fünf Minuten am Wannsee. „Das schafft kaum der Hubschrauber“, sagt Preussler.
12:10 Anika Richter ist seit fünf Jahren bei der DLRG. Die junge Frau unterstützt mit einem sogenannten „Rescue Board“ Wassersportveranstaltungen, bei denen Motorboote eher stören. Auf dem umgebauten Surfboard kann sie im Notfall Schwimmer aufnehmen, die einen Schwächeanfall erlitten haben. Vom „Rescue Board“ werden die Unfallopfer dann ins Rettungsboot gehoben oder direkt mit dem Board an Land gebracht.

13:20 Felix Bülk ist mit drei weiteren Helfern für die Verpflegung der Einsatzkräfte verantwortlich. Da die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer zwei Tage hintereinander im Einsatz sind, muss schon einiges an Lebensmittel vorrätig sein. „Meistens kochen wir Chili con Carne, das ist am beliebtesten“, sagt er. Wenn die Temperaturen über 30 Grad steigen, gibt es tagsüber kühle Speisen wie Quark oder Kompott, Obst wie Melone oder Pfirsich. Nach Dienstende ab 21 Uhr wird dann gegrillt.
14:25 Tanja Ritter bereitet den Schaltraum der Tieftauchsimulationsanlage für einen Tauchgang vor. Die 39-jährige Beamtin ist „Kammerfahrerin“ dieser in Europa einzigartigen Anlage. Um eine Wassersäule von acht Metern Höhe sind drei stählerne Abschnitte angeordnet, in den durch Erhöhung des Drucks Tiefen bis zu 50 Meter simuliert werden können. In der untersten Kammer lernen Einsatztaucher die Ausführung verschiedener Arbeiten, die zur Rettung von Personen oder bei der Bergung von havarierten Schiffen oder Booten nötig sind. „Das Besonders an unserem Tauchturm ist, dass im Turm, oberhalb des Wassers, eine atembare Atmosphäre herrscht“, erklärt Tanja Ritter. „Dadurch müssen Taucher bei einem Zwischenfall nicht die sonst üblichen Dekompressionszeiten einhalten“. Gebucht wird der Turm vor allem in der Wintersaison zum Üben von Tauchern aus dem gesamten Bundesgebiet.

15:30 Michael Neiße, Enrico Ribacki, Anika Richter, Marc White und Manuela Krause laufen zu einer Kontrollfahrt über die Scharfe Lanke und den Stößensee aus. „Hier liegen sehr viele Motor- und Segelboote, und wir haben den Schwerschiffverkehr, der auf der Havel unterwegs ist. Dazu kommen die Schwimmer“, erklärt Neiße. Der Projektmanager im Elektromotorenbau wurde in die DLRG „hineingeboren. Schon die Eltern waren Rettungsschwimmer“.
16:05 An der Rettungsstation Stößensee wird kurz Halt gemacht. Thomas Schuster und Carina Hörner halten Stegwache, beobachten mit dem Fernglas die Badenden und den Bootsbetrieb vor der Sandbucht. Auffällig viele Hunde sind im Wasser. „Das ist ein Problem“, erklärt Schuster. Eigentlich ende das Hundeauslaufgebiet am Strand. Aber die allermeisten Hundebesitzer halten sich nicht daran. Deshalb müssen die Retter hier häufig Hundebisswunden versorgen. So auch heute.
17:25 Das vierköpfige Tauchteam macht einen kurzen Gerätecheck und hofft, bei der Hitze nicht in die Neoprenanzüge schlüpfen zu müssen. Patricia Kretschmer ist schon seit 2002 bei der DLRG. Nun steht sie kurz vor Abschluss des großen Tauchscheins. Die meisten der Einsätze der Taucher gelten der Suche nach ins Wasser gefallenen Gegenständen und Bootshavarien. Bei starkem Wind kentern jedes Wochenende auch größere Boote. „Die stabilisieren wir mit Hebekissen und Pumpen“, berichtet die 22-Jährige.

18:30 Kraftfahrer Michael Plagwitz macht sich mit einigen Kanistern Treibstoff und Werkzeug auf den Weg zu einigen Rettungsstationen. „Wir haben nur hier eine zentrale Wassertankstelle. Deshalb werden einige Boote per Kfz mit Treibstoff versorgt.“
19:45 Andre Weber repariert in der geräumigen Werkstatt im Untergeschoss der Rettungsstation ein Boot. „Wir haben sehr viele Kameraden, die aus technischen Berufen kommen und ihr Können hier einbringen“, berichtet er. Das spart eine Menge Kosten. Finanziert wird die DLRG rein aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen.
20:55 Einsatzleiter Frank Villmow verabschiedet sich von den Teams und dankt ihnen für ihre Arbeit. „Bis morgen früh um neun“ lautet sein letzter Spruch über Funk.





