Treffpunkt der Bohème

Das Café Josty am Potsdamer Platz

Foto: picture-alliance

Das Café Josty war eine Berliner Konditorei, deren bekannteste Filiale das Künstlercafé am Potsdamer Platz war.

Die Gebrüder Josty waren Ende des 18. Jahrhunderts aus der Schweiz nach Berlin ausgewandert, wo sie 1796 die Zuckerbäckerei Johann Josty & Co. gründeten. Aus diesem Unternehmen heraus entwickelte sich 1812 das Café Josty, das ab 1880 am Potsdamer Platz bestand.

Schon seit der Gründung verkehrten im Café Josty Künstler wie Heinrich Heine, Joseph von Eichendorff und die Brüder Grimm, im Kaiserreich dann auch Theodor Fontane und Adolph Menzel. Um 1900 verkaufte die Familie Josty das Café an die Witwe des Gründers des bekannten Café Bauer. Das Josty wurde modernisiert und behielt seinen angestammten Namen.

Auch im 20. Jahrhundert blieb das Café mit seiner Aussicht auf den verkehrsreichen Potsdamer Platz wieder zu einem wichtigen Treffpunkt für Künstler, besonders des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit. Sie zog vor allem die Dynamik des Platzes und seine Modernität an.

In einem der bekanntesten Romane der 20er-Jahre, dem Kinderbuch „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner, spielt nicht nur eine wichtige Szene im Café Josty, Kästner verfasste das Buch auch dort, allerdings in der Filiale in Berlin-Wilmersdorf.

Im März 1930 zog das Café Josty vom Potsdamer Platz an die Friedrich-Ebert-Straße (heute: Ebertstraße). Das Gebäude, in dem sich das Künstlercafé am Potsdamer Platz befand, wurde wie fast alle Bauten dort im Zweiten Weltkrieg zerstört.