Das Café Bauer gehörte in den 20er-Jahren zu den angesagtesten Treffpunkten Berlins. Es lag am Boulevard Unter den Linden Ecke Friedrichstraße. Das Café Bauer, eröffnet 1877, war eines der ersten Kaffeehäuser nach Wiener Vorbild in Berlin und fand später viele Nachahmer. Innovativ waren die Damenzimmer, die Frauen der Belle Époque den Besuch von öffentlichen Kaffeehäusern ermöglichte, was sich zuvor nicht schickte.

Das Café war mit Wandbildern des im Kaiserreich äußerst populären Künstlers Anton von Werner ausgestattet. Legendär waren auch die 800 europäischen Tageszeitungen, die für die Gäste auslagen. Bauer gab damals dafür die immense Summe von jährlich 30.000 Mark aus. Ein Mokka türkischer Art kostete dann aber auch für damalige Verhältnisse stolze 25 Pfennige.

Das Café Bauer war 1884 das erste, das mit elektrischem Licht ausgestattet war. Den Generator hatte Werner von Siemens entwicklet. Angeblich lief die Maschine so heiß, dass die Kellner das Gerät mit Eis aus dem Champagnerkeller kühlen mussten.

Die Beleuchtung des Kaffeehauses war eine wichtige Innovation, konnten nun die Gäste auch zu später Stunde bequem ihre Zeitungen lesen.

1910 gab die Familie Bauer den Standort Unter den Linden auf und zog in den Komplex des Central-Hotels gegenüber des Bahnhofs Friedrichstraße, genau neben dem Wintergarten). Die Gebäude wurden im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört. Auch vom alten Kaffeehaus Unter den Linden blieb nichts übrig. 1964 wurde an der Stelle das Lindencorso errichtet, das in den 90er-Jahren einem Neubau weichen musste.

mim