1928 öffnete das "Haus Vaterland" öffnete als riesiger Vergnügungstempel am Potsdamer Platz seine Pforten. Die zur damaligen Zeit größte Berliner Gaststätte stand unter der Leitung der Firma Kempinski.

Diese hatte ein zur damaligen Zeit ein hochmodernes und einmaliges Konzept entwickelt: Unter einem Dach fanden sich zwölf Restaurantbetriebe, ein Café und ein Kino - ein Vorläufer der heutigen „Erlebnisgastronomie“. Das Konzept hatte Erfolg: Eine Million Gäste besuchten das „Haus Vaterland“ pro Jahr.

Das bereits 1912 von Franz Schwechten gebaute gigantische Gebäude bot den Besuchern insgesamt 8000 Plätze: Das Angebot reichte vom größten Café der Stadt (2500 Plätze) über einen der schönsten Ballsäle (Palmensaal) und einer kulinarischen Reise, in aufwändig gestalteten landestypischen Räumen, durch die Welt: Rheinterrasse, Bayerischer Löwenbräu, Spanische Bodega, Ungarische Csarda, Amerikanische Wild-West-Bar, Wiener Grinzing und Türkisches Café verbunden. Hier gab es neben landesüblichen Speisen und Getränken auch diverse musikalische und künstlerische Veranstaltungen, Artistik und Varietéprogramme.

1944 stand das noch nutzbare „Kaffee Vaterland“ als Wehrmachtsheim zur Verfügung, in dem jede Nacht Veranstaltungen stattfanden. Von den Soldaten begeistert gefeiert, gastierten dort populäre Tanzorchester wie das von Kurt Widmann, die auch verbotene Swing-Titel spielten, was stillschweigend geduldet wurde. Das Tanzen war aber in den Kriegsjahren strikt verboten. Nach weiteren Luftangriffen und den Kämpfen zum Kriegsende 1945 brannte das Haus erneut.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges lag das Gebäude im sowjetisch besetzten Sektor Berlins. Die Räume des „Kaffee Vaterland“ wurden mit einfachen Mitteln wieder hergerichtet und unter dem Namen „Haus Vaterland“ als HO-Gaststätte noch wenige Jahre bis zum Juni 1953 weiterbetrieben. Nach Brandstiftung während des Volksaufstands in der DDR am 17. Juni 1953 brannte das Gebäude schließlich völlig aus.

Durch die Eskalation der politischen Situation in Berlin und die Lage im Grenzgebiet wurde das Haus Vaterland nicht wieder saniert und auch nicht mehr in Betrieb genommen, insbesondere nach dem Bau der Berliner Mauer 1961, da das Gebäude unmittelbar an die zum Westteil Berlins gehörende Köthener Straße grenzte.

Zunächst auf dem Gebiet Ost-Berlins im Grenzstreifen gelegen, kam die große Ruine 1972 durch Gebietstausch zusammen mit dem Gelände des stillgelegten Potsdamer Bahnhofs zu West-Berlin. Aufgrund der Lage im Grenzgebiet bestand vor dem Mauerfall kein Bedarf für eine neue Nutzung. Die Ruine wurde schließlich im Jahr 1976 abgetragen.

mim