Fachkräftestudie

Guten Nachwuchs im Betrieb halten

Fachkräfte werden zur Mangelware – nur ein Horrorszenario für die ferne Zukunft? Mitnichten: Aus Azubis können schopn sehr bald gefragte Experten werden.

Laut Fachkräftestudie, die Berlin und Brandenburg 2010 von der Prognos AG erstellen ließen, könnten schon bis 2015 mehr als 270.000 Stellen in der Hauptstadtregion unbesetzt bleiben, bis 2020 sogar 460.000. Gesundheitswirtschaft, Chemieindustrie, Luftverkehr, IT-Branche, Handwerk – das sind die Bereiche, in denen künftig Fachkräfte fehlen werden.

„Den Nachwuchs durch eine gute betriebliche Ausbildung im eigenen Haus fördern“ – dazu rät die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, seinerzeit einer der Auftraggeber der Fachkräftestudie. So könne der Grundstein dazu gelegt werden, dass der Nachwuchs im Unternehmen bleibe. Die Berufsorientierung in der Sekundarstufe I werde weiter ausgebaut, mit der Kampagne „Komm auf Tour“ wolle man jährlich rund 10.000 Schüler der siebten Klassen erreichen, nennt Oliver Fey, Sprecher von Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD), nur ein Beispiel aus dem Programm „BerlinArbeit“. Auch die Zahl der Ausbildungsabbrüche müsse gesenkt werden – bis 2016 auf unter 23 Prozent.

Qualität der Bewerbungen sinkt

Erschwerend kommt hinzu, dass die die Qualität der Bewerbungen sinkt. Das ist das Ergebnis der „Kienbaum HR-Trendstudie 2012“, für die 167 führende Unternehmen im deutschsprachigen Raum befragt wurden. Die Mehrheit der Personalverantwortlichen gab an, sowohl Menge als auch Qualität der Bewerbungen habe abgenommen.

Personalberater werben auch zunehmend im Ausland um IT-Experten, Ingenieure und Führungskräfte für Berlin. „Europa bietet hier eine große Chance“, sagt Anke Hoffmann, Geschäftsführerin der Kienbaum Berlin GmbH. Mit Blick auf Länder wie Spanien oder Griechenland, in denen gut ausgebildete Leute keine Arbeit fänden, spricht sie von einer notwendigen „Umverteilung von Human Ressources“. Bei Kienbaum habe man bislang kaum Schwierigkeiten, Führungskräfte für die deutsche Hauptstadt zu rekrutieren. „Die Strahlkraft Berlins ist enorm.“

In Sachen Lebensqualität liege Berlin im Vergleich ganz oben, punkte mit einer überdurchschnittlichen Quote bei der Kinderbetreuung, mit einer guten Preisstruktur. Die steigenden Immobilienpreise betrachtet sie mit Sorge. „Bislang haben hochkarätige Leute Einkommenseinschnitte in Kauf genommen, um in Berlin zu bleiben oder hierher zu kommen.“ Weil wegen geringerer Nebenkosten das verfügbare Haushaltseinkommen noch immer höher war als in Städten wie München oder Düsseldorf.