Starre Arbeitszeiten – damit hätte Inga Böning ein Problem. Ihr Sohn ist gerade dreieinhalb Jahre alt, ihr Mann oft auf Dienstreisen. Da kann es passieren, dass sie nachmittags mal um 15 Uhr das Büro verlassen muss, um ihren Kleinen von der Kita abzuholen. Dass mancher Arbeitgeber da Bauchschmerzen hätte, weiß sie genau. „Umso glücklicher bin ich, dass es bei Headmatch anders ist.“ Seit zwei Jahren arbeitet Inga Böning bei der jungen Berliner Personalberatung, die Florian Langer, Roman Schapiro, Daniel Tews und Patrick Jacobi im September 2010 gegründet haben.

Die vier Partner – später kam noch Julien Walter hinzu – hatten alle vorher als Angestellte bei großen Personalberatungen gearbeitet. Und sich so manches Mal geärgert, dass sie mit ihren Ideen nicht so zum Zuge kamen, wie sie es sich erhofft hatten. Vieles würden sie ändern, wenn sie Arbeitgeber wären. Große Worte. Seit sie die Seiten gewechselt haben, können sie es beweisen.

„Einen Mitarbeiter anzuhören, ist der erste Schritt“, sagt Florian Langer. Bei Headmatch trifft man sich im Großraumbüro am Potsdamer Platz regelmäßig zu Ideen-Treffs. Das zweite Credo der fünf Partner: Work-Life-Balance. „Es kann nicht sein, 60 oder 70 Stunden zu arbeiten, wenn 40 im Arbeitsvertrag stehen.“ Moderne Cloud-Lösungen würden zudem ermöglichen, vom heimischen Schreibtisch aus auf Firmendaten zuzugreifen.

Respekt und Wertschätzung

„Klar muss man sich darauf verlassen, dass jeder auch zu Hause verantwortungsbewusst arbeitet“, sagt der 31-Jährige. Ihm sei bewusst, dass es „eine Gradwanderung ist zwischen Verständnis auf der privaten Ebene und der Notwendigkeit, Chef zu sein“. Das fordere den Vorgesetzten ebenso wie den Mitarbeiter. Inga Böning weiß den Vertrauensvorschuss zu schätzen. „In meiner aktuellen Lebensphase ist die Flexibilität enorm wichtig“, sagt die Leiterin des Recruiting-Teams.

Für sie ist es keine Frage, dass sich die Familienfreundlichkeit ihres Arbeitgebers auszahlt: „Der Erfolg eines Projekts ist doch messbar.“ Der „respektvolle, wertschätzende Umgang miteinander, die offene Kommunikation zwischen den fünf Partnern und den zehn Mitarbeitern“ – das ist es, was Headmatch in ihren Augen zu einem der besten Arbeitgeber Berlins macht.

„Ebenso, dass wir eigenständig Projekte übernehmen können und im Recruiting auch neue Wege einschlagen.“ Headmatch sucht Fach- und Führungskräfte für die Bereiche Finanzen & HR, IT & Engineering, Sales & Marketing. Das Unternehmen vermittelt in Festanstellungen ebenso wie ins Interim-Management bei Projekten auf Zeit. Gerade die IT-Branche sei ein sehr schwieriges Feld, sagt Headmatch-Gründer Florian Langer.

Zwei Drittel der Kandidaten aus Berlin

Karrierenetzwerke wie Xing seien da nicht unbedingt die Plattform, auf der sich passende Kandidaten finden ließen. In IT-Foren hineinzugehen, mit Programmierern und Software-Entwicklern auf Augenhöhe zu diskutieren, das erschien den Headmatch-Köpfen Erfolg versprechend. „Aber wir sind alles keine ITler, das konnten wir selbst nicht leisten“, wurde Langer und seinen Partnern schnell klar. Also schalteten sie eine Medienagentur dazwischen. „Nach einem halben Jahr waren wir fast so weit, das Experiment zu beenden“, gibt Langer heute offen zu. Doch dann zahlte sich der lange Atem der Gründer aus; Headmatch kam an die Spezialisten heran, die bei den Kunden gefragt waren.

„Ich will den Kandidaten haben, der gerade im Umbruch seiner beruflichen Entwicklung ist“, sagt Florian Langer. „Und zwar schon in der Weiterbildungsphase, bevor er sich aktiv bewirbt.“ Den Kandidaten will man bei Headmatch auch persönlich kennenlernen, bevor man ihn einem Kunden empfiehlt. „Unsere Kunden kennen wir ebenfalls alle persönlich, lassen uns durch deren Büros und Produktionsstätten führen“, so der Headmatch-Mitbegründer.

95 Prozent der Kunden sind Berliner Unternehmen – vom kleinen Start-up bis zum Konzern. Zwei Drittel der Kandidaten kommen aus Berlin. „Das dritte Drittel suchen wir international – aber auch diese Kandidaten haben meist einen Bezug zu Berlin, erzählt Florian Langer. Viele von ihnen seien Berlin-Rückkehrer.