Für den Selbstmordversuch von Fußball-Schiedsrichter Babak Rafati scheidet eine Verstrickung des 41-Jährigen in Geschäfte der Wettmafia als Motiv ebenso aus wie ein Zusammenhang mit dem Steuerskandal um deutsche Referees. Dies zeichnet sich nach Recherchen des Sport-Informations-Dienstes (SID) ab.
In Justizkreisen gibt es keine Indizien dafür, dass Rafati im Gegensatz zu einem früheren Fifa-Schiedsrichter „in irgendeiner Weise“ mit einem Wettskandal zu tun habe. Sein Name sei bei Ermittlungen und Zeugenaussagen nirgendwo aufgetaucht.
Der Name Rafiti steht, so gutinformierte Kreise, auch nicht auf der Liste der vom Steuerskandal betroffenen Referees . Die Fahnder haben ingesamt 70 aktive und ehemalige Unparteiische des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ins Visier genommen. Angeblich sollen manche der Beschuldigten Einnahmen von mehr als 100.000 Euro an den Finanzbehörden vorbeigeschleust haben, vor allem für die Leitung internationaler Spiele.
Die polizeilichen Ermittlungen im Fall des Selbstmordversuchs von Rafati stehen kurz vor dem Ende. „Wir haben mehrere Hinweise auf einen Suizidversuch. Fremdverschulden kann nach wie vor ausgeschlossen werden “, sagte der Kölner Polizeisprecher Andre Faßbender am Montagmittag auf SID-Nachfrage. „Da es sich um keinen strafrechtlichen Aspekt handelt, ist der Fall aus polizeilicher Sicht erledigt. Es ist nun eine Angelegenheit der Mediziner.“
Die Notizzettel, die am Samstag nach Rafatis Verzweiflungstat im Hotelzimmer des Unparteiischen in Köln gefunden worden waren, sollten am Montag noch einmal abschließend von Polizeibeamten untersucht werden. „Nur wenn sich daraus Hinweise ergeben, dass Fremdpersonen an dem Vorfall beteiligt gewesen sein könnten, kommen wir wieder ins Spiel“, sagte Faßbender.
DFB in der Pflicht
Niedersachsens Schiedsrichter-Chef Wolfgang Mierswa sieht Rafatis Selbstmordversuch den DFB verstärkt in der Pflicht. Künftig sei es umso mehr Aufgabe der Schiedsrichter-Kommission des DFB und der Verbandsausschüsse, „dafür zu sorgen, dass unsere Schiedsrichter von uns gestärkt werden, wenn sie von der Öffentlichkeit respektlos behandelt werden“, sagte Mierswa, der Vorsitzende des niedersächsischen Verbands-Schiedsrichterausschusses, der Frankfurter Rundschau.
Mierswa kennt Rafati bereits seit über 30 Jahren und beschreibt den 41-Jährigen als „hoch geschätzten Kollegen“, der „mit dem, was er auf dem Platz leistet, immer sehr selbstkritisch umzugehen pflegt“. Zudem nannte der frühere Erstliga-Schiedsrichter Rafatis Suizidversuch „ein Alarmzeichen sondergleichen“ und hofft, „dass diesmal nicht, wie nach dem Tod von Robert Enke, wieder zur Tagesordnung übergegangen wird“.
Auch den Umgang mit Schiedsrichter-Fehlern in der Öffentlichkeit kritisierte Mierswa. In den Medien und von den Fans werde viel zu wenig wahrgenommen, „wie sehr einem Schiedsrichter ein Fehler schon auf dem Platz unter die Haut geht“.
sid/fb




