Nach seinem Selbstmordversuch hat der Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati das Krankenhaus in Köln verlassen und ist wieder in seine Heimatstadt Hannover zurückgekehrt. Das bestätigte die Geschäftsführung der Eduardus-Krankenhauses dem Rundfunksender WDR 2.
Der 41 Jahre alte Fifa-Referee Rafati war am Samstag kurz vor seinem geplanten Einsatz bei der Partie zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05 mit aufgeschnittenen Pulsadern in der Badewanne des Kölner Hyatt-Hotels aufgefunden worden . Über die Motive für seine Verzweiflungstat herrscht weiter keine Gewissheit. Im Krankenhaus sei das in solchen Fällen übliche psychologische Gutachten angefertigt und Rafati anschließend nach Hause entlassen worden, hieß es seitens der Kölner Klinik weiter.
Die Nachricht vom Suizidversuch Rafatis rief in der Fußball-Szene Bestürzung hervor. „Es ist nicht so einfach zu beschreiben, wenn sie hören, dass Menschen, die in diesem Spitzensport so eine wichtige Rolle haben, plötzlich in die Situation der Ausweglosigkeit kommen. Das heißt, du siehst keine Alternative mehr zum Leben. Das ist etwas ganz Schreckliches“, sagte Zwanziger. Spekulationen über den Auslöser des Suizidversuchs vermied der DFB-Präsident. „Es ist nicht erklärbar.“
Rafati, der 2005 sein erstes von 84 Bundesligaspielen leitete, wurde dreimal in einer Umfrage des Fachmagazins „Kicker“ unter den Bundesligaprofis zum schlechtesten Schiedsrichter gewählt. Auch beim DFB stockte die Karriere. Erst im September dieses Jahres wurde bekannt, dass Rafati von der Liste der deutschen FIFA-Schiedsrichter gestrichen worden war.
Auch zwei Tage nach dem Selbstmordversuch sind auf Facebook Anfeindungen von Fans nachzulesen – die Seite mit dem Titel "Anti Babak Rafati" war auch am Montagmorgen noch aufrufbar. Der Administrator der Gruppe schreibt dort beispielsweise im Mai: "Wenn du Fußball liebst und schlechte Augen hast, solltest du keine Karriere als Torwart anstreben...Werde Schiedsrichter..." Ein anderer User schreibt über Rafati: "Die größte pfeifffffffe in der Bundesliga!!"
Zugleich disktutieren die Nutzer darüber, ob ihre höhnische Kritik zum Selbstmord des Schiedsrichters beigetragen haben könnte. Eine Nutzerin schreibt: "Vielleicht wird das hier ja noch strafrechtlich verfolgt. Das ist Rufschädigung, Beleidigung und Verleumdung." Und ein weiterer Nutzer schreibt: "Hört endlich auf so über Babak zu sprechen. Er ist auch nur ein Mensch, und Menschen machen halt mal fehler. Ich wünsche ihm das es ihm bald wieder gut geht."
sid/dpa/bee



