Zweijährige allein im Zug

Bahn entschuldigt sich bei ausgesperrter Mutter

Eine Zweijährige blieb in Brandenburg allein im Zug zurück, weil ihre Mutter ausgesperrt worden war. Für die Bahn eine "Verkettung unglücklicher Umstände".

Angeblich durch ein Missgeschick ist eine Zweijährige allein in einem Zug im brandenburgischen Pritzwalk zurückgeblieben. Nachdem die Mutter am Freitag auf dem Bahnhof mit dem Kinderwagen ausgestiegen war, schlossen sich die Türen, und der Zug fuhr mit ihrer kleinen Tochter los. Die Deutsche Bahn AG entschuldigte sich für den Vorfall. Bahnchef Rüdiger Grube wandte sich nach Angaben eines Bahnsprechers persönlich an die Mutter. Zudem untersucht die Bahn die Hintergründe des Geschehens.

Mutter und Kind war 45 Minuten lang getrennt. Das seien die längsten 45 Minuten ihres Lebens gewesen, sagte die Mutter der „Berliner Morgenpost“. Als der Zug plötzlich mit ihrem Kind abfuhr, wandte sich die Mutter sofort an einen Bahnmitarbeiter. Dieser konnte den Zug aber nicht mehr stoppen.

Der Fahrdienstleiter aus Pritzwalk nahm jedoch Kontakt zum Zugführer auf und bat ihn, sich um das kleine Mädchen zu kümmern. In Neuruppin nahmen Mitarbeiter der Bahn die Zweijährige in Empfang. Unterdessen brachte die Polizei die Mutter mit einem Streifenwagen nach Neuruppin, wo ihr die Tochter übergeben wurde.

Der Bahnsprecher sagte, es werde noch untersucht, wie es genau zu der „Verkettung unglücklicher Umstände“ kommen konnte. Nach ersten Erkenntnissen sei das Kind jedoch betreut worden und keiner Gefahr ausgesetzt gewesen. Eine Zugführerin habe sich um das Kind gekümmert, bis es an die Mutter übergeben werden konnte. In den nächsten Tagen werden den Angaben zufolge die Bahnmitarbeiter befragt, um noch offene Fragen zu dem Vorfall zu klären.

Der Fahrplan hatte Vorrang

Nach einem Bericht des „Tagesspiegel“ wurde der Zug nicht gestoppt, weil sonst der Fahrplan nicht eingehalten worden wäre. Dass das Kind über sieben Zwischenstationen, darunter Wittstock, bis nach Neuruppin mitfahren musste, begründete eine Bahnsprecherin in der Zeitung mit dem Warnstreik der Lokführer. Am Freitagvormittag habe es aufgrund des Streiks keinen Gegenzug gegeben, mit dem das Kind hätte zurückgeschickt werden können.

In ihrer Verzweiflung wählte die Mutter der kleinen Marie dann dem Bericht zufolge nach einer halben Stunde den Polizei-Notruf. Zu dieser Zeit hatte der Zug bereits Walsleben kurz vor Neuruppin erreicht. Mehrere Streifenwagen folgten schließlich dem Zug. In einem saß die Mutter, die von den Beamten am Pritzwalker Bahnhof abgeholt worden war. Nachdem die Mutter ihr Kind wieder in die Arme geschlossen hatte, wurden beide von der Polizei zu ihrem eigentlichen Ziel in Pritzwalk gebracht. Ein Gegenzug sei ja wegen des Bahnstreiks nicht gefahren, hieß es.

Marie hatte der Zeitung zufolge bei ihrer Bahnfahrt noch Glück, dass in dem Triebwagen ein Schaffner mitfuhr. Das sei nicht in jedem Zug auf der RE-Linie 6 zwischen Wittenberge und Berlin so.

In der Vergangenheit hatte die Bahn wiederholt negative Schlagzeilen gemacht, weil Zugbegleiter Jugendliche oder Kinder ohne Fahrschein des Zuges verwiesen hatten. Vor rund einem Jahr hatte eine Schaffnerin in Königs Wusterhausen abends bei klirrender Kälte eine 16-Jährige aus dem Zug geworfen, weil das Mädchen nicht genügend Fahrgeld dabei hatte.