Ein Handschlag hätte alles besiegelt sollen. Hätte – denn es kam alles anders. 1966 hatten sich Ferry Porsche und VW-Chef Heinrich Nordhoff darauf geeinigt, dass Porsche einen Mittelmotorsportwagen entwickelt. Mit Vierzylindermotor sollte der Wagen dann als Nachfolger des veralteten Karman Ghia auf den Markt kommen, mit Sechszylindermotor sollte er die Porschepalette von unten ergänzen. 1968 starb Nordhoff überraschend, sein Nachfolger Kurt Lotz wollte von dem mündlich geschlossenen Vertrag mit Porsche nichts wissen. Er bestand auf den alleinigen Vertriebsrechten für das Sportwagenprojekt.
Nach zähen Verhandlungen einigte man sich schließlich darauf, dass der Wagen als VW-Porsche auf den Markt kommen sollte. Keine ganz glückliche Entscheidung, das Auto hieß im Volksmund schnell Volks-Porsche. Und so wurde die Zuffenhausener Edelschmiede von nun an mit dem Massenhersteller Volkswagen in Verbindung gebracht. Im April 1969 wurde die gemeinsame Vertriebsgesellschaft mit Sitz in Ludwigsburg gegründet, im September des gleichen Jahres feierte der 914 genannte Wagen Premiere auf der IAA.
Vor allem die alten Porschekunden verschmähten den 914-6 mit dem Sechzylinderboxer aus dem Elfer – trotz seiner hervorragenden Fahrleistungen und Fahreigenschaften. Und: Im Vergleich zu den Vierzylindermodellen (ab 12000 DM) war er mit 19.000 DM Grundpreis viel zu teuer. Ein Elfer kostete damals nur wenig mehr.
Trotzdem hat sich der ehemalige Porsche-Personalchef damals für einen 914 entschieden. „Der Elfer stand kurz vor einer grundlegenden Überarbeitung“, erinnert sich Jürgen Sucker. Deswegen habe er sich 1975 entschieden, einen 914 zu kaufen. „Der war als Übergangslösung geplant, schließlich hatte der Wagen sogar bei Porsche das Image, eigentlich ein VW zu sein.“
Sucker kaufte einen indischroten 914 – „Mit Porsche-Sechszylinder“, das ist ihm wichtig. Und er hatte viel Spaß mit dem Wagen – Straßenlage, Fahrleistungen waren typisch Porsche. Und praktisch war der Wagen auch. In den Urlaub nach Österreich fuhr er damals zu dritt - Nichte Martina saß auf der breiten Mittelkonsole. Als er den Wagen 1976 gegen einen 924 eintauschte, stellte er schnell fest, dass der Volksporsche mehr Porsche-Gene in sich trug, als sein bei Audi gebauter Nachfolger.
„Mit seinem Rennwagenkonzept – Motor in der Mitte – und seinem futuristischen Design ist der 914 ein vollwertiger Porsche“, sagt Udo Breuer. Er ist Präsident des VW-Porsche-914-Deutschland-Club. Der Club wurde 1981 gegründet und ist seit 2003 von der Porsche AG anerkannt. Breuer vertritt 150 Mitglieder – und die sind alle 914-verrückt.
So wie Barbara Schürmann aus Essen. Sie fährt seit 1980 Porsche 914. „Der Name war mir nicht wichtig, ich fand den Wagen einfach schön“, sagt sie. Ihr signalorangener Flitzer war zunächst einfach nur ein Gebrauchtwagen. Vor zehn Jahren wurde er dann aber komplett zerlegt, sandgestrahlt und versiegelt. Und damit die Liebe auch weiter durch den Wagen geht, bleiben dem 914 seitdem harte deutsche Winter erspart. Schade finden beide, dass es einen solchen Volkssportler nicht mehr gibt. „Bei VW gibt es keinen Roadster und ein Porsche Boxster kostet mindestens 46 000 Euro.“
Trotz seiner Imageprobleme war der VW-Porsche 914 aber vor allem ein wirtschaftlicher Erfolg - er wurde bis zum Frühjahr 1976 fast hundertzwanzigtausend-mal verkauft. Warum diesen Erfolg also nicht in der Zukunft wiederholen? Volkswagen arbeitet mit Hochdruck an einem kleinen Mittelmotor-Roadster. Auf der Detroiter Motorschau im Januar stand mit dem BlueSport eine erste Studie des Sportlers. Am Rand des Genfer Salons war dann mehrfach von der fünften Porsche-Baureihe zu hören.
Offiziell dementieren die Stuttgarter zwar noch - das Projekt macht aber durchaus Sinn. Seit die Porsche-Holding im VW-Konzern das Sagen hat, eröffnet sich für die Schwaben eine breite Palette von Möglichkeiten. Zunächst wollte Porsche vor allem an der Kostenschraube drehen – in Form von gemeinsamem Einkauf, Synergien in Forschung und Entwicklung sowie einer intelligenten Gleichteilestrategie. Nach dem fest eingeplanten Cayenne-Nachfolger ist nun aber als nächstes Kooperationsprojekt der Nachfolger des 914 geplant.
Aus dem VW-Konzern ist zu hören, dass der Mittelmotor eine relativ aufwändige Hightech-Lösung sei. Trotzdem stammen die Achsen aus der Polo- und Golf-Familie und auch das Doppelkupplungsgetriebe, die Bremse und die elektromechanische Servolenkung sind bereits aus anderen Konzernmodellen bekannt. Der Effekt: Nur Karosserie und Innenraum müssen neu entwickelt werden, wobei die überschaubaren Investitionen verteilt werden können. Als Motor kommt der 2-Liter-TFSI zum Einsatz - im Porsche mit rund 300 PS Leistung.
Das Gewicht soll nicht über 1200 Kilogramm liegen. O-Ton aus Wolfsburg: „Die Faszination dieses Autos besteht auch in der Kunst des Weglassens." Und so könnte auch die Preisgestaltung puristisch ausfallen: 35.000 Euro für einen Einstiegs-Porsche hören sich gut an. Was in den 60er-Jahren zur Image-Falle wurde, könnte sich also künftig wieder als Erfolgsrezept entpuppen: Ein gemeinsamer Sportwagen von Volkswagen und Porsche.
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