Zukunftsstrategie

Wie Toyota die Rückruf-Krise bewältigen will

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Peter Maahn

Foto: Toyota

Die schlechten Nachrichten reißen nicht ab. Trotzdem haben die Japaner mit ihren Hybridautos gute Aussichten, die Rückschläge zu verkraften.

Genfer Automobilsalon 2008: Im Mittelpunkt des VW-Standes dreht sich die Studie einer Hybridversion eines Golf. Der 75 PS Diesel-Antrieb ist kombiniert mit einem 27 PS starken Elektromotor und soll nur 3,4 Liter verbrauchen. Als Erscheinungstermin wird bei VW ein Termin Ende 2009 genannt. Das war 2008, jetzt ist bei VW von 2013 die Rede. IAA 2009: Toyota präsentiert seinen Golf-Konkurrenten Auris mit Vollhybrid-Technik. 99 PS Benzin-Motor plus 82 PS Elektroaggregat. Als Verbrauch nennt Toyota 3,8 Liter. In diesem Herbst steht er beim Händler, für knapp 23000 Euro.

Ausgerechnet in der schlimmsten Krise der Unternehmensgeschichte fährt Toyota wieder auf und davon. Während die Europäer von Messe zu Messe ziehen und ihre Konzeptstudien ins Scheinwerferlicht rücken, ist der größte Autokonzern der Welt mit seinen Öko-Autos längst auf dem Markt. Und mit dem Auris hat die Hybridtechnik endlich auch die populäre Golf-Klasse erreicht, ist bezahlbar und vor allem ansehnlich geworden.

Gute Nachrichten braucht Toyota dringend. Gerade musste der Verkauf von Modellen der Tochtermarke Lexus in den USA gestoppt werden, da es Probleme mit der Lenkung gibt. Vorstandschef Akio Toyoda gewinnt dem Debakel dennoch Positives ab: „Die Krise ist eine gute Lehre. Rückblickend werden wir einmal sagen, dass sie dazu geführt hat, uns wieder auf Kunden und Sicherheit konzentriert zu haben.“

Trotz Vertrauenskrise laufen die Geschäfte wieder gut, Toyota fuhr einen Milliardengewinn ein. Damit das so bleibt, setzt der Konzern alles auf Zukunft. „Unser Ziel ist die Marktführerschaft bei Hybrid- und Elektrofahrzeugen“, sagt Toyota-Vizepräsident Takeshi Uchiyamada. Für 2012 kündigt er reine E-Mobile an, drei Jahre später wollen die Japaner Autos mit Brennstoffzelle verkaufen.

Beim Rennen um den Öko-Thron will auch Volkswagen die Nummer eins werden. Konzernchef Martin Winterkorn versprach: „Wir holen den Hybridantrieb aus der Nische.“ Bereits auf dem Markt ist der VW Touareg als Hybrid (ab 73.500 Euro). Nächstes Jahr folgt der Audi Q 5. 2012 soll der Jetta mit dem Zwitterantrieb folgen, im Jahr darauf der Golf und der Passat. Ebenfalls 2013 rollen dann der neue Mini Up mit Elektroantrieb und der E-Golf.

Obwohl sich derzeit alles um die Elektroautos zu drehen scheint, wird der Hybrid die Zukunft beherrschen. „Wir werden eine große Welle erleben“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer voraus. „2025 werden nur noch rund 35 Prozent der Autos von einem reinen Verbrennungsmotor angetrieben. Der Rest sind viele Hybridmodelle und ein paar Elektroautos.“ Eine neue Umfrage bestätigt das: 46,7 Prozent der Deutschen glauben, dass der Kombination aus Verbrennungs- mit Elektromotor die Zukunft gehört. 37,2 Prozent setzen auf den reinen Stromer.

Toyota liegt allem Anschein nach richtig und schwört auf den Hybridantrieb. Uchiyamada sagt: „Das ist längst die wichtigste Technologie im weltweiten Automobilbau und alles andere als eine Nische.“

In diesem Jahr werden die Japaner über eine Million Hybridfahrzeuge bauen. Immer mehr in den Blickpunkt rückt dabei der „Plug-in-Hybrid“, bei dem die Batterie zusätzlich noch an der Steckdose aufgeladen werden kann. Ein so ausgerüsteter Toyota Prius kann dann 20 Kilometer rein elektrisch fahren, bevor der Benzinmotor wieder in Aktion tritt. „Wir glauben, dass das Plug-in-System eine praktikable Lösung auf dem Weg zur Elektrifizierung ist“, meint Uchiyamada.

Das hat längst auch Mercedes erkannt. In etwa drei Jahren soll es in der dann neuen S-Klasse ein an der Steckdose aufladbares System geben. Der Luxusliner wird damit zum 3-Liter-Auto. Aber: Die deutschen Hersteller werden es trotz aller Ankündigungen schwer haben, den jahrelangen Vorsprung von Toyota aufzuholen. Zu lange haben sie den Hybridantrieb als „Marketing-Gag“ verharmlost und müssen jetzt unter Zeitdruck nacharbeiten.

Bedenklich stimmt eine Untersuchung des US-Instituts Thomson Reuters. Danach hat Toyota zwischen 2003 und 2008 die Patente im Bereich alternativer Antriebstechnologien verfünffacht, war 2008 mit 2379 Anmeldungen weltweit die Nummer eins, deutlich vor Nissan, Hyundai und Honda. Einziger Nicht-Asiat war General Motors auf Platz 7.

Dabei war der Hybridantrieb einmal eine deutsche Erfindung. Ferdinand Porsche konstruierte für die Wiener Firma Lohner den „Semper Vivus“, der zwei Benzinmotoren hatte und zudem über elektrische Radnabenmotoren verfügte. Die Batterie konnte wie heute Energie zwischenspeichern. Das ist übrigens genau 100 Jahre her.

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