Kompaktwagen

Mit dem neuen Auris bringt Toyota gute News

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Thomas Geiger

Toyota ist derzeit schwer angeschlagen. Alles spricht von gefährlichen Gaspedalen und riesigen Rückrufaktionen. Da haben es positive Nachrichten nicht leicht. Der neue Auris aber ist eine: Das Auto könnte sich mit Hybrid-Antrieb zu einem ernsthaften Konkurrenten des Golf mausern.

Was hat Toyota vor einigen Jahren für den neuen Auris getrommelt: Für kein anderes Auto wurde jemals so viel geworben wie für den Nachfolger des Corolla. Doch so präsent wie auf Anzeigenseiten und Plakatwänden war das Goldstück der Japaner auf den Straßen bislang nicht. „Zwar ist Toyota mit dem Verkauf von bislang 54.000 Autos in Deutschland mehr als zufrieden“, sagt Produktmanager Markus Burgmer.

„Doch vielleicht war das Podest, das wir für den Auris gebaut haben, ein bisschen zu hoch“, räumt er selbstkritisch ein. Deshalb nutzen die Japaner die Chance eines gründlichen Facelifts, um ihren Golf-Gegner noch einmal in die Schlagzeilen zu bringen. Im Design etwas prägnanter und technisch ein wenig aufgefrischt, startet der neue Auris Mitte März fast zum alten Preis: Nur 200 Euro schlägt Toyota auf und verlangt für das Basismodell künftig 16.650 Euro.

Zwar ändert sich an der Antriebstechnik nichts. Doch spricht Toyota trotzdem von der „größten Überarbeitung in der jüngeren Geschichte.“ Denn erstmals wurden nicht nur Schweller, Schürzen und Scheinwerfer neu geformt, sondern auch ein paar Bleche. Weil dafür die Pressen geändert werden müssen, ist das ein teures und deshalb seltenes Vergnügen.

Und die Mühe hat sich gelohnt: Mit stärker konturierter Motorhaube, schärfer geschnittenen Scheinwerfern und kräftigerem Stoßfänger sieht der Auris jetzt ein bisschen dynamischer und selbstbewusster aus. Und auch das Heck wirkt mit den neuen Rückleuchten und dem nachgeschärften Abschluss ein bisschen kecker. Außerdem geht der Wagen so noch einmal drei Zentimeter in die Länge und misst nun 4,25 Meter. Natürlich ist der Auris damit noch immer kein Aufreger, der schon im Stand den Puls beschleunigt. Aber das will Toyota auch gar nicht – schließlich ist der Durchschnittskunde in der japanischen Kompaktklasse immerhin 54 Jahre alt.

Neben der Charakter-Kur für das Außendesign wurde vor allem der Innenraum aufpoliert. Die Oberflächen tragen nun einen weicheren Kunststoff und die von vielen Testern als „schräge Knackwurst“ geschmähte Mittelkonsole ist ein wenig gestutzt worden. Trotzdem bleibt es beim angenehm hoch gesetzten Schaltknauf, der weit oben und deshalb sehr griffgünstig aus dem silbernen Raumteiler heraus ragt. „Und ja, auch das Gaspedal wurde natürlich überarbeitet“, sagt Produktmanager Burgmer leicht genervt mit Blick auf den milliardenschweren Rückruf, der das Unternehmen gerade erschüttert.

Unter dem Blech dagegen bleibt fast alles beim Alten: Nach wie vor gibt es den Auris mit einem 1,3 Liter großen 99 PS-Benziner samt Start-Stopp-Automatik (Verbrauch: 5,9 Liter), einem 1,6-Liter mit 132 PS und 6,3 Litern Verbrauch und drei Dieseln, die aus 1,4 bis 2,2 Litern 90 bis 170 PS schöpfen und mit 4,8 bis 5,9 Liter zufrieden sind. Damit schafft der schnellste Auris immerhin 210 km/h.

Damit man dieses Tempo jetzt auch besser fahren kann, hat Toyota das Fahrwerk überarbeitet: Dank mehr Spurweite läuft das Auto stabiler und dank anderer Dämpfer ist es komfortabler als früher. Außerdem gibt die etwas direktere Lenkung eine bessere Rückmeldung von der Straße.

Dass die Ingenieure bis auf ein wenig Fahrwerks-Feinschliff diesmal Pause hatten, ficht sie nicht an. Denn ihre große Stunde schlägt kurz nach den Sommerferien. Dann nämlich gibt es den Auris als erstes Auto in der konventionellen Golf-Klasse mit einem Hybrid-Antrieb, den die Japaner kurzerhand aus dem Prius übernehmen: 136 PS stark und auch für elektrische Kurzstrecken geeignet, soll er den Durchschnittsverbrauch auf vier Liter und den CO2-Ausstoß auf 93 g/km drücken. Weil da auch der VW Golf Blue Motion nicht mehr mitkommt, wird man sich darüber vor allem in Wolfsburg ziemlich blau ärgern.

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