Verbrauchsökonomie

Der neue Spar-Audi kommt 1400 Kilometer weit

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Thomas Geiger

Mit Sparsamkeit als oberster Maxime hat Audi bisher keine Erfolge verbuchen können. Zwar war der A2 im Jahre 2001 als erstes viertüriges Dreiliter-Auto weltweiter Vorreiter. Aber das Modell war zu teuer und floppte. Mit dem neuen A3 starten die Ingolstädter jetzt den nächsten Versuch. Und der könnte gelingen.

Mit besonders sparsamen Autos hat Audi bislang keine guten Erfahrungen gemacht: Der vom Audi 100 Avant abgeleitete Duo war zwar der weltweit erste funktionierende Hybrid im Straßenverkehr, kam aber über Flottentests nicht hinaus.

Und der A2 1.2 TDI ging als erstes viertüriges Dreiliter-Auto an den Start, war aber erfolglos, weil zu teuer. Jetzt wagt Audi einen neuen Anlauf und bringt als Spar-Modell nach dem Jahreswechsel einen neuen A3 1.6 TDI.

Mit vielen Komponenten aus dem von Entwicklungsvorstand Michael Dick bestückten „modularen Effizienzbaukasten“ drücken die Entwickler den Verbrauch des ausgewachsenen Familienautos um rund zehn Prozent auf respektable 3,8 Liter und den Kohlendioxidausstoß auf 99 Gramm pro Kilometer.

Und damit diesmal nicht wieder etwas schiefgeht, verspricht Audi-Sprecher Stephan Öri „eine moderate Preispolitik“. Zwar stehe der endgültige Tarif noch nicht fest, doch werde er sich an den aktuellen Modellen orientieren.

Um 24.000 Euro für den Dreitürer und weniger als 25.000 Euro für den fünftürigen Sportback sollten möglich sein.

Als Appetitzügler setzt Audi auf dieselben Tricks, mit denen Konzernmutter VW den Golf Blue Motion zum Sparer macht: Die Start-Stopp-Automatik und ein Energiemanagement, das Strom beim Ausrollen und Bremsen speichert und den Generator beim Beschleunigen entlastet, leisten den wichtigsten Beitrag zum Sparprogramm.

Dazu gibt es eine aerodynamisch optimierte Karosserie mit weniger Bodenfreiheit und besser verkleideter Front, Reifen mit kleinerem Rollwiderstand sowie eine neu programmierte Motorelektronik.

Das ist allerdings nur der Anfang, sagt Entwicklungsvorstand Dick: „Besonders wichtig sind unsere neuen Assistenzsysteme, der Bordcomputer mit Effizienzprogramm und die Navigationssysteme.

Sie unterstützen den Fahrer wirkungsvoll. Denn sein Verhalten beeinflusst den realen Verbrauch ganz wesentlich.“ Der Ingenieur spricht von rund einem Drittel, das der Fahrer im Kopf und im Fuß habe.

Beim A3 wird dieses Instrumentarium aber nur mäßig ausgeschöpft. Angesichts der kurzen Restlaufzeit bis zum Start des nächsten A3 reicht es nicht mehr für eine neue Elektronik-Architektur, wie etwa im A4 und A5. Stattdessen gibt es nur eine Leuchtanzeige zwischen Tacho und Drehzahlmesser, die den Fahrer an den rechtzeitigen Eingriff in das Fünfganggetriebe mahnt.

Folgt man dieser Schaltempfehlung, bleibt der Spaß allerdings auf der Strecke: Zwar hat der 1,6-Liter-Motor mit 105 PS und 250 Newtonmetern genügend Kraft für einen Spurt. Doch fordert die Elektronik bereits kurz nach dem Schritttempo den zweiten und spätestens nach dem Ortsschild den fünften Gang ein. Dann wird die Beschleunigung zäh, und selbst der ohnehin dürftige Sprintwert von 11,7 Sekunden rückt in weite Ferne.

Außerdem verschafft sich der Motor mit steigenden Drehzahlen zunehmend Gehör und erfordert beim Überholen einen gewissen Weitblick. Von der viel gelobten Elastizität des Diesels ist hier nicht mehr viel übrig.

Entschädigt wird man dafür beim Blick auf den Bordcomputer. Die versprochenen 3,8 Liter sind mühelos machbar. Wer sich wie die Teilnehmer bei der Jungfernfahrt des neuen Modells quer durch Europa vom Ehrgeiz packen lässt, die Zeit vergisst und den Gasfuß in einen meditativen Schwebezustand bringt, kann das Auto sogar mit weniger als drei Litern fahren.

Aber selbst Ignoranten, die wenig auf die Tipps der Eco-Trainer am Rande der Teststrecke geben, auch mal etwas flotter überholen und die Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h wirklich ausprobieren wollen, kommen billig davon: 4,5 Liter zeigt der Bordcomputer am Ende von 400 halbwegs realistisch gefahrenen Kilometern mit zwei Personen, zwei Koffern und dauernd angeschalteter Klimaanlage.

Beinahe noch interessanter ist allerdings die Anzeige der verbleibenden Reichweite: Obwohl der Tank nur 60 Liter fasst, stehen nach 400 absolvierten Kilometern noch einmal fast 1000 Kilometer auf der Uhr.