Mit dem Cabrio verhält es sich – Kunststück – wie mit den anderen Exemplaren der Reihe, dem Dreitürer, dem Fünftürer und dem Coupé: Irgendwie fühlt man sich beengt hinterm Lenkrad, selbst wenn nun beim Cabrio das Dach geöffnet werden kann, und binnen 22 Sekunden der weite Himmel lacht. Aber gut: So oft, wie die BMW-Offiziellen im Zusammenhang mit diesem Auto von „jungen Fahrern“ sprechen, muss da wohl etwas dran sein. Der junge Mensch arrangiert sich ja auch eher mit kleinen Wohnungen, vollen Universitäten und einem schmalen Budget.
Hier allerdings stockt die Logik von BMW. Wer es immer noch nicht wissen sollte, erfährt es spätestens beim Blick in die Preisliste – BMW versteht sich als Premiummarke, und das bedeutet, gute Qualität zu hohen Preisen anzubieten.
Die Preisliste ist eine anstrengende Lektüre
Unter 28.550 Euro ist ein offener Einser nicht zu bekommen, und sagen wir es offen: Als 118i dürfte der Wagen, der wegen des Verdeckmechanismus und der beim Cabrio nötigen Versteifungen 120 Kilo Mehrgewicht herumschleppt, nur wenig Fahrfreude bereiten. Auszuprobieren war das beim ersten Kennenlernen nicht, da stand nur der attraktive Sechszylinder 125i zur Verfügung, der mit 218 PS schwungvoll loslegt, aber – hoppla – schon 36.200 Euro kostet. Ein Auto für junge Leute? Ja, wenn Papa gut verdient.
Nur kein Neid, der offene Einser wird seine Käufer finden, denn außer dem Audi A3 Cabrio hat er praktisch keine Konkurrenz zu fürchten. Zwar ist in der Viermeter-Klasse noch einiges andere offen zu haben, aber da fehlt es dann eben am Premium-Image und am sportlich-knackigen Gesamteindruck.
Der offene 1er fühlt sich, ähnlich wie das Coupé, auf gewundenen Sträßchen am wohlsten. Hier kann das Auto sein Allein-stellungsmerkmal, den Heckantrieb, besonders gut in Szene setzen. Die Lenkung, frei von Antriebskräften, ist ein traumhaf-tes Präzisionswerkszeug, und die Abstimmung von Federn und Dämpfern hält den Wagen sicher auf der Straße. Wer kontrollieren möchte, ob die Antischleuder-Elektronik ESP (bei BMW DSC+T genannt) auch mal arbeitet, muss den Wagen so hart fahren, dass dem Beifahrer schlecht wird.
Womit das grundsätzliche Problem des Autos benannt wäre: Es kann viel zu viel. Es ist wie ein Geländewagen, der, mit jeglicher Abenteuertechnik ausgerüstet, sein Leben lang darauf wartet, wenigstens einmal vom asphaltierten Pfad gelenkt zu werden. Und seien wir ehrlich: Wo wird man wohl einen sportlichen Wagen mal so richtig ausreizen können, und wenn doch: Ist das noch erlaubt?
Aber so ist das eben in der Welt der Premiumprodukte: Alles muss stimmig sein, sonst wird es nicht gekauft. Ein Auto wie das 1er Cabrio ist vergleichbar mit einer teuren Uhr. Die zeigt letztlich auch bloß die Zeit an, doch der Käufer freut sich am besonderen Design und an der aufwändigen Technik.
Und da ist auch beim neuen offenen BMW einiges zu bestaunen: Das Verdeck etwa lässt sich während der Fahrt öffnen und schließen, die Bewegung des Stoffdaches kann ebenso per Schlüsselfernbedienung auf dem Weg zum Parkplatz gestartet werden. Beides ist weder neu noch einzigartig, aber eben immer wieder sehr cool und längst nicht in jedem Produkt von der Stange zu haben. Des Weiteren faltet sich das Dach nicht nur schnell (22 Sekunden), sondern auch sehr kompakt zu-sammen: Der Kofferraum schrumpft nur von 305 auf 260 Liter, wenn man hinten Stauraum fürs Verdeck braucht.
Der kleine Einser hat eine große Familie gegründet
Außerdem ist es den Entwicklern gelungen, die Gewichtsverhältnisse an Vorder- und Hinterachse genau gleichmäßig auszu-tarieren, den Schwerpunkt tief zu halten und den Fahrersitz genau über dem Schwerpunkt zu platzieren. All das führt zu dem sportlichen Fahreindruck, dessen sich die BMW-Käufer so gern bewusst sind.
Insgesamt ist das 1er Cabrio ein tolles Auto zu einem hohen Preis, und so etwas verkauft sich ja in diesen Zeiten sehr ordentlich. Die schnell hintereinander angebotenen Coupé- und Cabrioversionen des Einsers zeugen generell von dem großen, nicht ganz erwarteten Erfolg des kompakten BMW. Mit dem Ausbau dieser Idee zu einer ganzen Produktfamilie (ein halbwegs geländegängiger X1 ist auch noch geplant) dürfte der Erfolg weiter abgesichert werden. Das ist auch nötig, da besonders Konkurrent Audi derzeit mächtig die Backen aufbläst und sich öffentlich große Ziele setzt. Werden sie alle verwirklicht, dürfte Audi BMW bald überholt haben, was die Stückzahlen angeht. Ähnlich wie BMW beim Einser baut Audi auch die A3-Familie aus: Schrägheck und Sportkombi gibt es schon, das Cabrio kommt jetzt, und ein Q3 als Geländegänger ist ebenfalls geplant. Nur von Mercedes kommt nichts: Die A-Klasse bleibt die A-Klasse - Cabrio, Kombi und Ofroadmodell sind hier nicht zu erwarten.



